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Stefan Kießlings Phantomtor vom Freitag war der Aufreger des Wochenendes. Dennoch: Ihm jetzt den schwarzen Peter zuzuschieben, ist ein Unding!

KOMMENTAR
Von Florian Teichert

Stefan Kießling sorgte mit seinem irregulären Kopfballtor gegen Hoffenheim für den Aufreger des Wochenendes. Die Hoffenheimer Platzwarte haben ihren Job nicht gemacht, Linienrichter Stefan Lupp bei seinem Kontrollgang an den Tornetzen ebenfalls nicht und auch Schiedsrichter Dr. Felix Brych sah in der Situation alles andere als gut aus. Den "Schwarzen Peter" bekam nach dem Spiel aber Stefan Kießling zugeschoben: Der Stürmer wurde von vielen als unfair bezichtigt, sah sich Anfeindungen ausgesetzt.

Was man auf Kieß' Facebook-Seite lesen musste, war mehr als nur die unterste Schublade, sodass mir nur die Frage bleibt: Habt ihr eigentlich alle 'n Loch im Netz? Der Torschützenkönig der vergangenen Saison wurde teilweise aufs Übelste beleidigt - nicht nur von sogenannten Fußball-Fans, sondern auch von prominenten Vertretern. Ex-Spieler Mario Basler stellte den Stürmer öffentlich an den Pranger. Erst vor laufenden Kameras, dann auch noch auf seinem Twitter-Account...

Kießling hatte es zuletzt nicht einfach und die Szene von Freitag wird sicherlich dazu führen, dass er auch demnächst nicht unbedingt mit Kusshänden in den gegnerischen Stadien empfangen wird. Ist das gerechtfertigt? Absolut nicht! In der Nationalmannschaftsdebatte hat sich Kießling immer sehr vorbildlich verhalten und kaum je etwas nach Außen getragen. Andere Spieler mit ähnlichen Ansprüchen hätten ihrem Ärger sicherlich Luft gemacht.

Und auch in der Vergangenheit ist der 29-Jährige nie durch irgendwelche Eskapaden aufgefallen. In Interviews wirkte er stets intelligent und sympathisch. Ein Typ mit Ecken und Kanten im negativen Sinne war Kießling nie.

Und nun diese blöde Szene aus Sinsheim. Der Ball geht um Zentimeter am Pfosten vorbei und springt dann - wie durch Zauberhand - durch ein Loch im Netz ins Tor. Der "Torschütze" Kießling hatte sich schon weggedreht und mit den Händen über dem Kopf der vergebenen Chancen nachgetrauert. Doch plötzlich kommen die Mitspieler auf ihn zugerannt und bejubeln das vermeintliche 2:0. Kießling schaut verdutzt, lässt sich dann aber feiern. Und auch die Hoffenheimer Spieler protestieren nicht, selbst die Fans hinter dem Tor ärgern sich über das Gegentor.

Kurz danach: Sidney Sam, Stefan Kießling und Schiedsrichter Dr. Felix Brych stehen zusammen am Anstoßkreis. Kießling sucht das Gespräch mit Brych, Lippenleser müsste man sein! Brych fragt nicht explizit nach, ob der Ball im Tor gewesen ist oder nicht - für ihn ist die Sachlage also klar! Stattdessen spricht Kießling mit Brych und scheint verwundert darüber, dass der Treffer tatsächlich zählt. Sam zuckt nur mit den Schultern, frei nach dem Motto: "Lass ihn doch!"

Und hier greift dann die hitzige Diskussion um einen möglichen Fair-Play-Gedanken. Hätte Kießling von sich aus sagen sollen, dass der Ball nicht drin war? Warum sollte er - sicher konnte er sich nach den ausbleibenden Reaktionen von allen Seiten auch nicht mehr sein. Ein Knick in der Optik? Hier ist es durchaus vorstellbar, dass Kießling sich nicht mehr zu 100 Prozent gewiss war, was überhaupt passiert ist, wie seine Aussagen nach Spielende auch nahelegen.

Hätte Kießling bewusst gelogen, könnte man ihm fehlendes Fair Play vorwerfen. So wie damals Oliver Held vom FC Schalke 04, der mit seinem Handspiel auf der Linie dafür sorgte, dass Köln keinen Elfmeter bekam und somit aus der Liga abstieg.

Fazit: Stefan Kießling ist hier absolut kein Vorwurf zu machen - zumindest sollte er nicht in eine Schublade mit Schwalbenkönigen gesteckt werden!

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