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Wo liegt der Vorteil in einem nur limitiert geöffneten Transferfenster? Es sollte stattdessen das ganze Jahr über geöffnet sein.

Kommentar
Von Peter Staunton

90 Tage lang bringt der Transfermarkt Begeisterung, Verzweiflung und Zittern mit dem eigenen Team. Das Ganze ähnelt einer Seifenoper: Es gibt Deadlines und Wendungen in der letzten Minute. Überall im Fernsehen geht es um Fußball, obwohl gar kein Fußball läuft. Wir kriegen nicht genug davon. Aber für die Akteure, insbesondere die Trainer in England, ist es ein Hindernis. Diese 90 Tage vergehen schnell, und es ist, als würde eine Zeitbombe am zweiten September um 23.00 Uhr hoch gehen.

"Ein Zirkus", laut Everton-Coach Roberto Martinez. "Ein absoluter Witz", nennt es Ian Holloway, Trainer von Crystal Palace. Anstatt während der ersten drei Spieltage zu trainieren, ist man abgelenkt von den neuen Spielern, von denen, die gehen und von denen, die vielleicht noch kommen. Everton hat seinen wichtigsten Akteur an Manchester United verloren und ihn durch Wigans wichtigsten ersetzt. Retourkutsche! Owen Coyle ist der Verlierer des Pokers zwischen Martinez und Moyes. Ein perfekter Start für alle ist das nicht.

Fallbeispiel
Owen Garvan, Crystal Palace

Der irische Mittelfeldspieler Owen Garvan war ein Schlüsselspieler bei Crystal Palaces Aufstieg.

Beinahe in der Premier League, musste er erfahren, dass Ian Holloway ihn nicht in seinem 25-Mann-Kader für die Hinserie berücksichtigt.

Auch weil 14 der 16 Neuverpflichtungen im Kader stehen, wurde Garvan überraschenderweise nicht nominiert

Der 25-Jährige hatte via Twitter schon mal zurück geschossen: "Ich werde länger da sein als er. Vetraut mir."
Auch wegen seiner Transfergeschäfte wurde Holloway von einem seiner Spieler angefeindet. Owen Garvan ist bis Januar nicht mehr in Crystal Palaces 25-Mann-Kader. Nicht zuletzt, weil Holloway 14 Neue verpflichtet hat. Verbannt. Ohne Chance auf einen Einsatz bis zum nächsten offenen Transferfenster. Er kann über den Trainer nun sagen, was er will - es kann keine weiteren Konsequenzen geben.

Es ist nicht der einzige Fall dieser Art. Andere wären auch gerne woanders. Glaubt irgendjemand, Luiz Suarez wäre noch bei Liverpool, wenn das Transfenster nicht schon zu wäre? Wie praktisch, dass alles zusammen kam: Seine neue Leidenschaft für Liverpool, der Wille, die Reds in die Champions League zu führen und das Ende der Transferperiode. Yohan Cabaye hat sich auch erst wieder zu Newcastle bekannt, als klar war, dass sie ihn auf keinen Fall an Arsenal verkaufen werden. Körperlich wird er da sein, aber gibt es eine Garantie, dass er auch seine Leistung abruft?

Das Transferfenster erzeugt Druck, Deadlines für Spieler, für Trainer und Berater. Diese Mittelsmänner werden acht Monate im Jahr ihres Rechts beraubt, ihren Beruf auszuüben. Deswegen müssen sie in der verbleibenden Zeit umso mehr Umsatz machen.

Und Gott bewahre, dass ein Trainer Fehler macht in dieser Zeit. Arsene Wenger wurde als Zauderer und vieles andere von den Arsenal-Fans betitelt, ehe er Mesut Özil verpflichtete. Moyes stand ebenfalls unter hohem Druck. Er teilt sich die Schuld für die mangelhaften Erfolge im Sommer mit Ed Woodward. Während dieser Zeit verschieben sich die Maßstäbe. Wie gut ein Trainer sein Team einstellt und coacht ist auf einmal nur noch zweitrangig. Wichtiger ist die Bereitschaft Millionen auszugeben.

Währenddessen tickt die Uhr. Mit jeder Sekunde steigen die Preise, und unter dem Druck liefern zu müssen, sind die Verantwortlichen bereit für mittelmäßige Spieler überhöhte Preise zu zahlen. Diesen wahnwitzigen Transferirrsinn würde es nicht mehr geben, wenn man das ganze Jahr Spieler kaufen und verkaufen dürfte.

Es gibt nur den fadenscheinigen Kompromiss zwischen den Bürokraten der EU und dem Fußball, dass Spieler Arbeitnehmer sind, mit Rechten wie alle anderen auch. Sie dürfen trotz Vertrags ihren Arbeitgeber wechseln. Damit sie das nicht ständig in Anspruch nehmen, wurden zwei Transferperioden eingeführt. Es liegt bei den nationalen Verbänden, die Rahmenbedingungen dafür auszuarbeiten.

Sollte die FIFA diese Abkommen aufkündigen? Die Transferperiode ist eine Saison für sich geworden. Wenn das nicht so wäre, wären kaltgestellte Spieler wieder in der Lage, eine Lösung zu finden und zu wechseln. Trainer würden nur noch mit Spielern arbeiten, die das auch wirklich wollen. Kriselnde Klubs könnten Auftrieb bekommen, wenn sie Spieler, die nicht mitziehen, abgeben könnten. Verletzungen würden den Kader nicht mehr schwächen und die Trainer ohne Optionen dastehen lassen. Es würde uns Zeit zum Durchatmen geben. Entscheidungen könnten den Anforderungen entsprechend getroffen werden und nicht danach, was die Fans bei Laune hält...

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