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Veraltete Regeln der UEFA sorgen dafür, dass alte, schwächelnde Größen vor dem Angriff aufstrebender Klubs geschützt werden. Das muss sich ändern, meint Peter Staunton.

KOMMENTAR
Von Peter Staunton

Am Donnerstag werden in Monte Carlo die Delegationen von Manchester United, Arsenal, Chelsea, Real Madrid, Barcelona und Titelverteidiger Bayern München wieder entspannt Platz nehmen und die Auslosung zur Gruppenphase der Champions League 2013/14 verfolgen. Das ganze Prozedere ist mittlerweile ziemlich vorhersehbar geworden, denn die UEFA sorgt dafür, dass keines dieser traditionell großen europäischen Teams in der Vorrunde große Hürden in den Weg gelegt bekommt. Sie sind schließlich gesetzt.

WIE DAS SYSTEM FUNKTIONIERT
Das Teilnehmerfeld der Champions League wurde vor der Saison 1999/00 aufgestockt. Bis zur Spielzeit 1996/97 war es noch so, dass nur ein Team pro Land, der Titelträger nämlich, teilnehmen durfte. Es folgten zwei Jahre mit jeweils zwei Mannschaften aus einer Liga und die Setzliste bei der Auslosung wurde nach dem Koeffizienten des nationalen Verbands bestimmt.

Manchester United war beim Triumph 1999 das erste Team der Geschichte, das die Champions League gewann, ohne im Jahr zuvor Landesmeister gewesen zu sein. Ab 1999/00 hatten die Klubs dann praktisch ihr Schicksal in der Setzliste selbst in der Hand.

Seitdem greift die UEFA auf einen klub-spezifischen Koeffizienten zurück. Er legt die Ergebnisse eines Vereins im Europapokal in den letzten fünf Jahren zugrunde. 20 Prozent macht zudem der Koeffizient des Verbands aus.
Diese Vereine, die Lieblinge der UEFA in den wichtigsten TV-Märkten, sind mit Beginn der Auslosung in einer komfortablen Lage. Viel zu oft ähnelt die Gruppenphase einer Prozession der am höchsten eingestuften Vereine in die nächste Runde.

Selbstgefällige und kriselnde "Eliteklubs" werden nie wissen, wie es sich anfühlt in Topf drei oder vier zu sein. Auch dann nicht, wenn sie es verdienten. Aus Gründen der Ehrlichkeit und der Fairness sollte die UEFA ihre Kriterien für die Setzliste schleunigst überdenken oder gar von Anfang an eine freie Auslosung durchführen.

Die traditionelle Elite wird bis zum Viertelfinale geschützt, denn schließlich dürfen Klubs aus derselben Liga zuvor auch in der K.O.-Runde nicht aufeinandertreffen.

"Es hat noch nie ein Klub aus Topf vier die Champions League gewonnen", kommentierte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Vorjahr die Auslosung, die dem BVB Real Madrid und Manchester City bescherte.

Drei oder vier Saisons aus den Gesamtkoeffizienten der Teams zu streichen wäre schonmal ein Start. Das Champions-League-Ranking basiert im Moment auf den Europapokalleistungen der qualifizierten Klubs in den vergangenen fünf Jahren. So spiegelt es sicher nicht das aktuelle Kräfte- und Stärkeverhältnis der Mannschaften wider. Vielmehr bereitet es den Klubs einen einfachen Weg, die in der Vergangenheit sozusagen ein "Koeffizientenguthaben" angehäuft haben. Ob die Entwicklung des Vereins zuletzt nach unten ging, spielt dagegen keine Rolle.

Auf der anderen Seite wird nicht berücksichtigt, dass Klubs in der jüngsten Vergangenheit einen großen Schritt nach vorne gemacht und Klubs aus den vorderen Lostöpfen überholt haben.

Juventus schaffte es in der ersten Saison zurück in der Champions League prompt wieder ins Viertelfinale und musste sich Sieger Bayern München geschlagen geben. Dennoch ist für die "Alte Dame" bestenfalls ein Platz in Pott zwei drin. Je nach Verlauf der Qualifikationsspiele kann es auch sein, dass Juve in  Topf drei landet. Dass Juventus 2010 in der Europa League gegen Fulham ausschied sollte nun wirklich keine Rolle spielen, das tut es aber. Liefe die Einstufung einzig nach den Leistungen der Vorsaison ab, wäre es deutlich gerechter!

Es hat noch nie ein Klub aus Topf vier die Champions League gewonnen.

- Hans-Joachim Watzke, BVB

Resultate von vor drei Jahren sollten keine Rolle mehr spielen. Manchester United und Arsenal rutschten dann deutlich ab, während Dortmund, Juventus und Paris Saint-Germain kletterten. Niemand könnte sich hinter Erfolgen aus der Vergangenheit verstecken und das Leistungsprinzip wäre endlich wieder eingeführt.

Das UEFA-Ranking der Saison 2012/13 sagt aus, dass 14 Mannschaften in Europa besser waren als Arsenal und Manchester United. Eine Saison zuvor waren es deren zehn für die "Gunners" und satte 28 für United. Dennoch wird Arsenal, ein wahrscheinliches Weiterkommen gegen Fenerbahce vorausgesetzt, für die Auslosung in Topf eins landen. Das ist unlogisch. Eine Mannschaft, die überhaupt um den Einzug bangen muss, sollte nicht in den ersten Pott dürfen!

Im Tennis zum Beispiel gibt es nur ganz wenige Beispiele für Fälle, in denen ein Spieler nach erfolreicher Qualifkation noch für das anschließende Turnier unter die Top Acht gesetzt wurde. Nicht ein einziges Mal in den letzten fünf Jahren landete Arsenal unter den besten sechs Teams der Champions League und doch sind werden die Londoner nun im Ranking auf Platz sechs geführt.

WIE ES SICH ÄNDERN KÖNNTE
Zöge die UEFA nur die Resultate aus der jeweiligen Vorsaison in betracht, wäre das Bild viel akkurater. Teams in Form wären so in den Top Acht. Borussia Dortmund, Juventus und Paris Saint-Germain rückten vor, Arsenal und Co fielen ab.

Die UEFA könnte auch ganz von einer Setzliste abkehren. Jeder könnte wieder auf jeden treffen und keiner könnte sicher sein (zunächst) einen relativ unbeschwerlichen Weg in die nächste Runde zu haben.

Sollte die UEFA die Regel abschaffen, dass Teams aus derselben Liga erst ab den Viertelfinale aufeinandertreffen können, wäre es zudem unwahrscheinlich, dass Mannschaften aus Spanien, England oder Deutschland zu stark dominieren.
United kann dagegen auf den Finaleinzug aus dem Jahr 2011 bauen. Das hat den Koeffizienten zunächst mal ausreichend gepuffert. Seitdem hat der Klub insgesamt nur sechs Spiele in der Champions League gewonnen, zwei davon gegen Otelul Galati. Die Form der Mannschaft rechtfertigt keinen Platz unter den Topklubs. Fairer wäre es, die Leistung der "Red Devils" aus den letzten beiden Spielzeiten als Grundlage zu nehmen.

United nimmt im Ranking Platz fünf ein. Selbst wenn Wayne Rooney und Co in den vergangenen beiden Jahren überhaupt keine Punkte eingefahren hätten, reichte es dank der Saison 2011/11 immer noch zu Lostopf zwei. Das Ausscheiden in der Gruppenphase wird aufgeschnupft von starken Vorstellungen im Jahr zuvor.

Es gibt aufstrebende Teams, die an die Tür der Großen klopfen: Niemand kann ernsthaft bestreiten, dass Borussia Dortmund eine der besten Mannschaften Europas hat. Von Topf vier aus schafften sie es in der letzten Saison bis in das Endspiel und dabei eliminierten die Gelb-Schwarzen unter anderem Manchester City und Real Madrid. Einen Platz in Topf eins brachte ihnen das aber längst nicht ein.

Dass es im Moment wie oben beschrieben abläuft, ist nicht gerecht. Wie üblich werden die 32 Teilnehmer vor der Auslosung auf vier Töpfe aufgeteilt. In der Theorie sollten die besten Mannschaften in Topf eins sein und die mit dem schwächsten oder nicht vollständigen Koeffizienten im vierten Topf landen. Einzig: So läuft es eben nicht.

Wenn die Teams, die es wirklich verdient hätten, ohnehin nicht belohnt werden, dann kann die UEFA sich auch gleich von der Setzliste verabschieden und eine freie Auslosung für alle qualifizierten Teams einführen. Zum Beispiel könnte Manchester United dann auf die altmodische Art und Weise beweisen, dass der Klub wirklich einen Topplatz verdient. Denn im Moment läuft es doch so: Egal wie groß das Formtief bei United und Arsenal, aber auch bei Vereinen wie Chelsea, Real Madrid und Barcelona ist, am Ende wird es ihnen so leicht wie möglich gemacht, die Gruppenphase zu überstehen.

So lange es möglich ist, zwei schlechte Jahre mit drei guten Saisons wettzmachen, werden diese Klubs oben bleiben. Und für aufstrebende Vereine ist es umso schwieriger, in diese Hegemonie einzubrechen.

Hat Peter Staunton recht? Sollte die UEFA ihr System reformieren oder die Setzliste gar ganz abschaffen? Wie sehr Ihr das? Teilt uns Eure Gedanken dazu mit...

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