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Es war wieder einmal ein Zeichen von Schwäche. Ein Spieler des FC Schalke 04 wurde zum Sündenbock gemacht. Dass Fußball ein Mannschaftssport ist, gerät in Vergessenheit.

KOMMENTAR
Von Hassan Talib Haji

Wenn im weiten Rund der Fußball-Bundesliga über den FC Schalke 04 gesprochen wird, dann auch und vielleicht zumeist über den grandiosen Support der enthusiastischen und leidenschaftlichen Anhängerschaft in Königsblau. Einige Unbelehrbare beschädigen dieses Bild, immer und immer wieder.

Rosinen picken mal anders

Dass der Revierklub ein Fan-Potenzial hat, das in Deutschland zur Meisterschaft reichen würde, ist hinlänglich bekannt. Doch das Image verschlechtert sich allmählich. Der Fan dieses Kultvereins gilt im Allgemeinen als strapazierfähig, leidgeprüft und einzigartig. Doch es gibt im Stadion auch die Front der Dauernörgler. Es ist schon erstaunlich, wenn in einem Bundesligaspiel nach absolvierten 30 Minuten gepfiffen wird und ein Hass von den Rängen zu spüren ist, der zweifellos Einfluss auf das Spielgeschehen nimmt. Allerdings im negativen Sinne.

So geschehen am vergangenen Sonntag beim Bundesligaauftakt gegen den Hamburger SV (3:3). Innenverteidiger Joel Matip wurde Zielscheibe des Frustabbaus vieler Anhänger auf den Rängen. Nachdem Torwart Lars Unnerstall bereits in sozialen Netzwerken und im Stadion der Stempel des Sündenbocks anhaftete, ist es nun wieder der Kameruner. Dabei vergessen viele, dass dieser Sport, den wir alle so sehr lieben, nicht von einem Mann alleine gespielt werden kann.

Ein roter Faden

Auf Schalke ist dies kein Phänomen mehr, es droht zum Alltag zu werden. Spieler wie Nico van Kerckhoven, Kevin Kuranyi, Orlando Engelaar, Joel Matip oder Lars Unnerstall wurden in der Vergangenheit Opfer von Feindseligkeiten. Es bringt nichts, um den heißen Brei zu reden, es ist ein Muster zu erkennen. Und davor darf man nicht die Augen verschließen! Was wird aus dem FC Schalke 04, wenn sich diese Parallelen weiterentwickeln?

Wie spricht man in Zukunft über die Anhängerschaft? Sind die Fans dann die Pfeifer aus dem Revier? Das Bild dieser treuen Gemeinde nimmt andere Konturen an. Alarmierend. Es wäre nicht der Rede wert, wenn es einige wenige wären, doch nach einem Gegentor und einer unsicheren Phase in der heimischen Veltins-Arena wird jedem Beobachter klar, dass es viele sind. Es ist bedauerlich, dass es diese Entwicklung gibt - gerade auf Schalke.

Selbstverständlich soll der Fan seinen Unmut und seine Kritik im Stadion äußern dürfen, wir leben in einem freien Land und die Eintrittskarten kosten eine Stange Geld. Doch sollten sich einige Miesmacher vor Augen führen, was dies für die Mannschaft auf dem Platz bedeutet: Es hilft nicht, es schadet. Und selbst dem ständig Nörgelnden sollte dies auffallen. Natürlich ist man unzufrieden, wenn die Leistung fehlt. Doch es wird am 34. Spieltag abgerechnet und es wird bei jedem einzelnen Spiel abgerechnet, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat.

Bis dahin verdient die Mannschaft, der Verein, dessen Liebe und Hingabe in jedem Fan fest verankert sind, den nötigen Respekt. Ist ein Spiel zu Ende, dann ist Gewissheit da – denn abgerechnet wird zum Schluss, nicht nach 30 Minuten. Dann ist Zeit für Unmut, Frust und das Rauslassen der Gefühle. Vielleicht ist die Liebe dieser "Fans" einfach so groß, dass es deshalb passiert. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu naiv.

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