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Beim 3:3 gegen Paraguay kassiert die deutsche Nationalmannschaft erneut zahlreiche Gegentreffer. Zehn Monate vor der WM ist die Abwehr die Achillesferse des DFB-Teams.

KOMMENTAR
Von Tim Röhn

Eine halbe Stunde war in Kaiserslautern gespielt, als Joachim Löw zu Zettel und Papier griff und sich eifrig Notizen machte. Der Bundestrainer wirkte nicht verzweifelt, sondern so, als würde er ganz genau wissen, was es aufzuschreiben und zu verbessern gilt. Dieser Eindruck ist nicht unwichtig, denn auf Löw wartet zehn Monate vor der Weltmeisterschaft in Brasilien noch eine Menge Arbeit.

Beim 3:3 im Test-Länderspiel gegen Paraguay traten erneut eklatante Schwächen im Defensivspiel der deutschen Nationalmannschaft zu Tage. In den bisherigen sechs Länderspielen im Jahr 2013 kassierte das DFB-Team bereits elf Gegentore, auch Fußball-Zwerg Paraguay gelangen am Mittwochabend Treffer, die eine Weltklasse-Mannschaft wie Deutschland eigentlich nicht kassieren darf.

Das lag vor allem an Mats Hummels, der in der ersten Halbzeit gemeinsam mit Per Mertesacker die Innenverteidigung bildete. Während sich Mertesacker bis zu seiner Auswechslung zur Pause keinen folgenschweren Fauxpas leistete, sah Hummels gleich bei zwei Gegentreffern sehr schlecht aus. Beim 0:1 misslang eine Abseitsstellung, der Dortmunder trottete dem Torschützen Jose Nunez nur hinterher. Vor dem 2:3 ließ er Roque Santa Cruz gewähren. Der Ex-Bundesliga-Star konnte den Ball ungestört in die Mitte schieben, wo Miguel Samudio für die Gäste traf.

Nachhilfe von Neuer

Es war ein rabenschwarzer Abend für Hummels, wenngleich er nicht der einzige Verantwortliche für die miserable Defensiv-Performance des DFB-Teams war. Das Zusammenspiel zwischen Angriff und Abwehr funktionierte gegen Paraguay zum wiederholten Male nicht, immer wieder entstanden große Lücken, in die die Gästespieler hereinstoßen konnten. Torhüter Manuel Neuer gab seinen Vorderleuten mehrfach Nachhilfe in Sachen Defensiv-Ordnung. Ein weiteres Problem: Auch in den Eins-gegen-Eins-Duellen sahen die deutschen Defensivspieler mehrfach sehr schlecht aus.

Bereits nach dem 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden im Oktober 2012 in Berlin hatte es Kritik an der deutschen Abwehr gehagelt. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sagte damals: „Einige Spieler werden überbewertet. Hummels, der in Berlin fehlte, ist auf einem guten Weg. Mertesacker ist für mich kein Innenverteidiger von internationalem Format. Badstuber und Boateng haben noch nicht Weltklasse-Qualität.“ Matthäus war und ist nicht der einzige Experte, für den die Abwehr die Achillesferse der deutschen Nationalmannschaft ist.

Noch hat Bundestrainer Löw keine Lösung für die Defensiv-Problematik gefunden, immerhin hagelt es bei Länderspielen bereits seit einem Jahr regelmäßig mehrere Gegentore. Zehn Monate bleiben ihm, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Hummels muss sich steigern, Heiko Westermann könnte eine Alternative sein. Das Mittelfeld muss intensiver nach hinten arbeiten. Die Süddeutsche Zeitung witzelte nach dem Paraguay-Spiel gar über ein Comeback von Jürgen Kohler.

Soweit wird es vermutlich nicht kommen. Klar ist aber: Mit einer Abwehrleistung wie gegen Paraguay gewinnt Deutschland in Brasilien keinen Blumentopf.

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