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Schalkes Jermaine Jones, die Super-Bayern und eine legitime Kampfansage

Der Mittelfeldabräumer ist der Einzige beim FC Schalke 04, der die Meisterschaft in der Bundesliga als Ziel ausgibt. Ist dies Übermut oder das Erkennen der eigenen Stärke?

Kommentar
Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen/Klagenfurt. Die Sonne brennt dieser Tage auf den Nacken und auf den Kopf, dennoch darf man getrost davon ausgehen, dass Jermaine Jones vom FC Schalke 04 nach der doch forschen Bekanntgabe seines Saisonzieles keinen Hitzschlag erlitt. Seine Aussage, dass S04 den Titel als Ziel haben sollte, war bewusst getroffen. Doch war sie auch klug oder einfach nur übereifrig?

Wirft man in dieser Vorbereitungszeit den Blick in das weite Rund der Bundesliga, dann wird der FC Bayern München klipp und klar Deutscher Meister. Geradezu ehrfürchtig knien die anderen Teams vor dem Branchenprimus und übergeben quasi jetzt schon mit ausgestreckten Armen die Schale. Die Medien überbieten sich in Huldigungen gegenüber den "Super-Bayern". Es herrscht auch bei mir kein Zweifel daran, dass der Triplesieger die absolut größten Chancen und besten Voraussetzungen hat, um in der 51. Bundesligasaison den Vorsprung als Rekordmeister auszubauen und im nächsten Mai auf dem Rathausbalkon – vielleicht mit besserem Wetter, aber in jedem Fall wieder mit Feierbiest Manuel Neuer – die Sau rauslassen wird.

Doch plötzlich stellt sich Jermaine Jones, der für seine offenen Worte bekannt ist, hin und will Deutscher Meister werden. Grotesk, meint der eine. Verrückt, meint der andere. "Unser Ziel sollte es sein, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen", fabulierte der US-Nationalspieler vor einigen Tagen. Das ist gewiss keine Majestätsbeleidigung an den FC Bayern, denn die Bundesliga besteht aus 17 weiteren Teams. Alljährlich ist es so, dass der dreifache Titelträger der abgelaufenen Spielzeit von vielen Fans und Experten als der heißeste Anwärter auf die Salatschüssel gilt. Völlig richtig, denn der FCB verfügt nominell über das stärkste Team der Liga. Sich aber öffentlich vor Ehrfurcht, vielleicht schon Angst, fast zu vergraben, findet bei mir kein Verständnis.

Was aber bewegt den langjährigen Abräumer im Schalker Zentrum dazu, das Ziel "Meisterschaft" auf die Agenda des S04 zu schreiben? Im Hinblick auf die mittlerweile 55-jährige Wartezeit und den immer wieder einkehrenden Hohn und Spott unter den Fans beantwortet sich die Frage trotzdem von selbst – weil Sportler das Höchste anstreben! Dann darf es auch keine (Fremd-)Scham auslösen, sollte dies öffentlich bekundet werden. Beim FC Schalke 04 predigten die verantwortlichen Bosse nahezu gebetsmühlenartig von der gewollten Siegermentalität. Wenn dies für die einzelnen Spieler gilt, sollte die Meisterschaft für die Mannschaft da keine Ausnahme der neuen Schalker Regel sein - so der Tenor, der aus Jones' Statement abzuleiten ist.

Die Aussage des Mittelffeldspielers war mutig und stößt vielleicht dem ein oder anderen auf, trotzdem ist sie legitim. Der FC Bayern wird wohl den Titel verteidigen, dennoch erfreut es mich, zumindest einen Spieler im Schalker Kader zu wissen, der sich diesem vor allem öffentlich in den Weg stellen will. Auch wenn er dafür viel Kritik einstecken muss.

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