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Keine Ruhe, kein Konzept, kein Sportdirektor. Frank Arnesen ist das Bauernopfer des Aufsichtsrats.

KOMMENTAR
Von Daniel Jovanov

Sportchef Frank Arnesen muss gehen. Das hat der Aufsichtsrat des Hamburger SV in einer mehrstündigen Sitzung beschlossen. Damit beweist das Gremium, dass es aus den Fehlern der vergangenen Jahre nicht gelernt hat. Es gibt wohl keinen schlechteren Zeitpunkt als diesen, um den wichtigsten Mann auf sportlicher Ebene von seinen Aufgaben zu entbinden.

Der Hauptvorwurf lautet: Das Preis-Leistungs-Verhältnis habe bei Arnesen nie gestimmt. Doch der Aufsichtsrat macht mit dieser Argumentation den nächsten entscheidenden Fehler. Zum einen hat Arnesen sich seinen Vertrag nicht selbst gegeben. Zum anderen wurde Arnesen mit falschen Versprechungen nach Hamburg gelockt. Zumindest änderte sich sein Verfügungsrahmen, als Carl-Edgar Jarchow den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernahm und dem Verein einen Sparkurs verordnete.

Was hätte Arnesen in dieser Situation anderes tun können, als sich bei seinem ehemaligen Verein zu bedienen? Mit Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne, Jeffrey Bruma, Jacopo Sala und Gökhan Töre holte er fünf hoffnungsvolle Talente. Töre wurde gewinnbringend verkauft, Rajkovic ist in dieser Spielzeit nach Zweikampfwerten der drittbeste Innenverteidiger der Liga, Mancienne hat seinen Marktwert eindeutig gesteigert. Nur Sala und Bruma konnten sich nicht durchsetzen.

Der Vorwurf, Arnesen habe nur „Fallobst“ verpflichtet, kann also nicht stehen gelassen werden. Den jungen Spielern fehlt einzig die Konstanz. Aber kann ein Verein wie der HSV sich erlauben, jemand anderem fehlende Konstanz vorzuwerfen? Ist das nicht paradox? Schaut man auf die Transferbilanz des ersten Jahres unter Arnesen, steht ein Plus von 6,5 Millionen Euro. Der Kader wurde verjüngt, die Klasse gehalten. Auftrag erfüllt.

Im vergangenen Sommer führte der Däne seinen Plan fort. Mit Artjoms Rudnevs und René Adler, sowie der Vertragsverlängerung von Maxi Beister, standen schon vor dem Saisonstart drei wichtige Personalien fest. Zudem gelang Arnesen die Verpflichtung von Milan Badelj und Hakan Calhanoglu. Doch der Saisonstart der HSV ging in die Hose und der Vorstand fiel vor Investor Kühne auf die Knie. Der hatte mit seinem ausgeprägten Fußballsachverstand prophezeit, dass man nur mit Rafael van der Vaart zurück an die Spitze kommt.

Der HSV widersprach nicht. Er hätte nämlich Größe bewiesen, wenn er an das Konzept seines Sportchefs geglaubt, sich gegen van der Vaart ausgesprochen und gegen den öffentlichen Druck gewehrt hätte. Doch das passt nicht zum HSV. Felix Magath, der übrigens ein ganz heißer Kandidat auf die Nachfolge sein soll, witterte seine Chance, und legte dem Verein zusätzlich Petr Jiracek in den Schoß. Kurzerhand gab der Verein 17 Millionen Euro für zwei neue Spieler aus. Nachweislich hat Arnesen damit nichts mehr zu tun gehabt.

Arnesens Aufgabe war, ohne Geld eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Daran kann man scheitern. Weil er sich zudem mit dem Boulevard angelegt hatte, wurde immer schärfer gegen ihn geschossen. Ungereimtheiten beim Badelj-Transfer wurden ihm vorgeworfen. Nichts wurde nachgewiesen. Nichts wurde anschließend richtiggestellt. Den Traditionalisten wird es egal sein. Sie bekommen mit Magath ihren Messias.

Damit dreht sich in Hamburg wieder alles im Kreis. Dem Verein fehlt nicht nur die Geduld, sondern auch die Überzeugung an seine eigenen Konzepte zu glauben. Und solange der Aufsichtsrat glaubt, die Aufgaben erfolgreicher lösen und die Entwicklungen besser einschätzen zu können, als ein Sportdirektor mit langjähriger Erfahrung bei Top-Klubs in Europa, wird der „Riese“ HSV nie aus seinem Tiefschlaf erwachen.

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