thumbnail Hallo,

Warum fast ganz Europa Spanien gegen Frankreich die Daumen drückt

Wenn die „Furja Roja“ am Dienstag in Paris Frankreich nicht bezwingt, steht sie vor einem Playoff-Showdown, wo niemand gern gegen Spanien um ein Brasilien-Ticket kämpfen möchte.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Paris. Wenige hatten dies erwartet. Die Qualifikation für die letzte WM beendete Spanien mit zehn Siegen in zehn Spielen, bei der EM setzte man dies mit acht aus acht fort. Doch zuletzt zwei Unentschieden gegen Frankreich und Finnland in der aktuellen Qualifikation schickten die Spanier auf den zweiten Rang, was es nun erforderlich macht, auswärts die Franzosen zu bezwingen, um das Schicksal auf dem Weg nach Brasilien 2014 in den eigenen Händen zu behalten.

„Wir haben immer noch Paris“, titelte Marca am Wochenende trotzig, als die Zeitung sämtliche sportlichen Erfolge der Spanier in der französischen Hauptstadt aufzählte, inklusive der Tour-de-France-Siege von Miguel Indurain und Alberto Contador, der Roland-Garros-Triumphe von Rafa Nadal, dem Champions-League-Sieg Barcelonas 2006 sowie der zwei Europacupsiege von Real Madrid in der Stadt der Liebe. Tatsächlich wird die ganze Nation hinter der Mannschaft von Vicente del Bosque stehen, wenn die am Dienstagabend auf den Rasen des Stade de France tritt – doch auch in ganz Europa werden zahlreiche Fans die Spanier unterstützen.

Viele Eliteteams des Kontinents haben Probleme in der Qualifikation für Brasilien und einige, darunter Italien, Portugal, England, Schweden und Kroatien, könnten sich am Ende in den Playoffs wiederfinden. Und niemand will gegen Spanien antreten. Als das Team, das es die letzten fünf Jahre zu schlagen galt nach den Triumphen bei der EM 2008, in Südafrika 2010 und bei der letzten Euro, ist Spanien sicher die Mannschaft, auf die niemand treffen möchte – noch weniger, wenn es um einen Platz bei der WM geht.

Die Champions haben in dieser Qualifikationsrunde nur zwei Tore kassiert, doch die waren beide teuer. Der späte Ausgleich beim Treffen mit Frankreich in Madrid kostete zwei Punkte beim 1:1-Endstand in einer Partie, die man hätte gewinnen müssen. Und genau dasselbe passierte wieder daheim gegen Finnland am letzten Freitag. Zwei Gegentreffer, die vier Punkte weniger für Spanien bedeuteten, was bedeutet, dass Spanien am Dienstag Frankreich schlagen muss.

  GRUPPE I
GP GD PTS
1  FRANKREICH
4 3 1 0 5 10
2 SPANIEN 4 2 2 0 5 8
3 GEORGIEN 5 1 1 3 -4 4
4 WEIßRUSSLAND             
4 1 0 3 -5 3
5 FINNLAND
3 0 2 1 -1 2

Beide Tore fielen über die rechte Abwehrseite, wobei Juanfran gegen Frankreich der Schuldige war, der weit in der Nachspielzeit fahrlässig den Ball verloren hatte, und gegen Finnland war es Arbeloa, der beim Konter nicht aufpasste. Das könnte Del Bosque Sorgen bereiten, doch vielleicht noch gravierender ist Spaniens Unfähigkeit, die eigenen Chancen zu nutzen und so Spiele rechtzeitig zu entscheiden.

Roberto Soldados Siegtreffer in der 86. Minute gegen Georgien ersparte Spanien die Blamage in der Hinspielrunde, und auch wenn sie gegen Weißrussland beim 4:0 wieder auf dem Höhepunkt ihrer Spielkultur angekommen waren, unterstrichen die späten Gegentreffer gegen Frankreich und Finnland ein altes Problem. Bei beiden Toren hätte man besser verteidigen können, doch beide hätten auch am Ende nur als Ehrentreffer eine Randnotiz wert sein können, anstatt den peinlichen Ausgleich zu bedeuten.

Bei der EM 2012 gab es die beiden einzigen deutlichen Siege gegen Irland in der Gruppenphase und gegen Italien im Finale, beide 4:0 – der erste gegen das schwächste Team im Wettbewerb, der zweite erst dann so deutlich, nachdem Thiago Motta vom Platz geflogen war. Ähnlich bei der WM 2010, wo Del Bosques Team auf dem Weg zum Titel sechs Spiele am Stück gewann, nachdem man überraschend gegen die Schweiz verloren hatte. Doch die letzten vier endeten allesamt mit 1:0, und der einzige höhere Sieg kam beim 2:0 in der Gruppe gegen das biedere Honduras.

Del Bosque wird dies im Hinterkopf haben, wenn er vor dem Schlüsselduell am Dienstag nach Lösungen sowohl in der Abwehr als auch in der Offensive sucht, auch wenn er bereits mitteilte, dass er wie üblich auf Arbeloa vertrauen wird, dazu auf die Rückkehrer Xavi und Xabi Alonso im Mittelfeld, die kreative Momente kreieren sollen, eventuell gibt es eine Chance für Isco, sich später im Spiel zu beweisen.

Arbeloa ist sehr effizient, und wir werden [jetzt] nicht anfangen zu experimentieren. Ob die Leute ihn mögen oder nicht, auf ihn ist immer Verlass.
- Del Bosque am Montag

Bei einem Unentschieden würden die Verhältnisse in Gruppe I bleiben wie gehabt, „Les Bleus“ blieben am Ruder, doch haben noch die schweren Reisen nach Weißrussland und Georgien vor sich. Derweil wäre eine Niederlage nichts anderes als ein Desaster für Spanien – und eine weitere unglückliche Mannschaft in den Playoffs.

In der jetzigen Form würden wohl ebenso wenig Teams gern gegen Frankreich in zwei Entscheidungsspielen antreten, doch wenn sie die Wahl hätten, würden sich die meisten, wenn nicht alle, doch für die Männer in Blau entscheiden.

Das Szenario führt das Setz-System ad absurdum. Wie kann es sein, dass Frankreich, noch 2006 WM-Finalist, in derselben Gruppe landet wie Spanien, während die Gruppe E von Teams wie der Schweiz, Albanien und Island angeführt wird, Gruppe E von Bosnien-Herzegowina, Griechenland und der Slowakei? Das erscheint kaum fair.

Eine WM ohne den Titelverteidiger wäre in jedem Fall undenkbar, und Spanien wäre sicher Favorit gegen jede andere Mannschaft in den Playoffs. Allerdings werden sie hoffen, dass es nicht so weit kommt. Und viele mögliche Gegner werden ebenfalls die Daumen drücken, dass sie am Dienstagabend Didier Deschamps' Team bezwingen, um ein mögliches späteres Duell zu vermeiden. Ganz genau so wie ganz Paris im Stade de France hinter „Les Bleus“ steht, wird der größte Teil Europas die Spanier anfeuern.

Folgt Ben Hayward bei

EURE MEINUNG: Wird Spanien in Frankreich siegen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig