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Serbien und Kroatien sind seit Jahrzehnten verfeindet - auf und neben dem Platz. Am Freitag steht somit eines der brisantesten Duelle der WM-Qualifikation an.

KOMMENTAR
Von Sasa Ibrulj

Als Kroatien und Serbien in diesselbe WM-Qualifikationsrunde gelost wurden, war sofort klar: Dies würde das härteste Aufeinandertreffen der Gruppenphase. Es mag bessere Mannschaften und ansehlichere Partien geben, aber die bestehende Rivalität zwischen beiden Nationen ist einmalig.

Seit zwei Jahrzehnten stehen beide Länder Stirn an Stirn - aber in einer sehr viel erschreckenderen Weise, als auf nur dem Fussballplatz. Aus Fussball-Rivalen wurden 1991 Feinde: Yugoslawien, das Reich, das beide für über 60 Jahre zusammen hielt, kam an ein Ende und so begann ein blutiger Krieg, der häßliche Narben hinterließ. Diese könnten zweiffelsohne auch am Freitag wieder zum Vorschein kommen, wenn beide Teams sich in Zagreb gegenüberstehen.

Denn Politik spielte im yugoslawischen Fussball schon immer eine Rolle. Bereits in den 30er Jahren konnte der Vielvölkerstaat die Gräben, welche die unterschiedlichen Völker trennte, kaum mehr verstecken. So wurde das Land bei der ersten WM in Uruguay alleine durch serbische Spieler vertreten.


„Wir können es kaum erwarten“ | Mandzukic will die Hoffnungen seiner Landsleute erfüllen

Nach dem zweiten Weltkrieg war es Josip Broz Tito, der „Brüderschaft und Einheit“ predigte und als integrative Figur die zahlreichen Völker und Sprachen in einem Staat zusammenhielt. Allerdings konnte auch er die latenten Nationalismen nicht für immer beseitigen. Mit seinem Tod 1980 brachen sie wieder auf.

In Zagrebs Maksimir Stadion begann die Fehde 1990: Das Spiel zwischen Dinamo, Kroatiens Vorzeigeteam, und Roter Stern Belgrad, dem größten serbischen Klub, konnte wegen den nicht mehr unter Kontrolle zu kriegenden Schlägereien zwischen den Fan-Gruppen und Ausschreitungen gegen die Polizei erst gar nicht angepfiffen werden.

Glücklicherweise ist damit am Freitag nicht zu rechnen, wenn sich beide Nationen im selben Stadion wieder begegnen. Nicht, weil der Zorn zwischen beiden mittlerweile erstorben wäre, sondern weil sich beide Verbände darin einig waren, dass es keine Auswärtsfans geben sollte.

„Organisierte Gruppen sind verboten“, hieß es offiziell vom kroatischen Verband. Und weiter: „Serbische Fans, die als einzelne Besucher ins Stadion wollen, können verhaftet werden und müssen mit bis zu 30 Tagen Haft rechnen.“ Für das Rückspiel in Belgrad gelten diesselben Regeln.

„Das ist ein spezielles Spiel, die Rivalität ist groß. Wir müssen ruhig bleiben und es angehen, wie jede andere Partie auch...“

- Dusan Tadic

Während sich Spieler und Trainer darum bemühen, die Wogen zu glätten und das Sportliche in der Vordergrund zu stellen, gehen Fans und Medien einen anderen Weg. Ethnische Diversität führte in Kroatien jüngst zu Problemen. So wurde vergangene Woche bekannt, dass ein Politiker Serben - sowie andere ethnische Minderheiten in Kroatien - als „Gäste“ bezeichnete, während junge Hooligans einen orthodoxen Priester wegen seiner relogiösen Zugehörigkeit angriffen.

Bersorgnis erregender erschien aber, dass Zdravko Mamic, der Präsident Dinamo Zagrebs, einen Politiker der kroatischen Regierung angriff, nur weil der serbische Wurzeln hatte. Mit der wachsenden Anspannung rückt auch der Sport in den Hintergrund, doch die Spieler beider Seiten erwarten ungeduldig den Anpfiff.

„Das ist ein Spiel, an das du dich dein Leben lang erinnern wirst“, sagt Bayern-Stürmer Mario Mandzukic. „Jeder redet darüber und alle bitten uns, zu gewinnen. Wir können es kaum erwarten, raus zu gehen und zu spielen.“ Sein serbisches Gegenüber Dusan Tadic von Twente sieht das ähnlich: „Das ist ein spezielles Spiel, die Rivalität ist groß. Wir müssen ruhig bleiben und es angehen, wie jede andere Partie auch.“

Einen Favoriten gibt es auch schon: Kroatien führt die Quali-Gruppe A punktgleich mit Belgien an. Seit dem Zerfall Yugoslawiens haben die beiden Länder zudem sehr unterschiedlich abgeschnitten: Während Kroatien nur ein Großturnier verpasste (EM 2000), konnte sich Serbien als eigene Fussballnation nur für einen größeren Wettbewerb qualifizieren. Zudem ist Igor Stimac' Mannschaft zur Zeit in einer deutlich besseren Form.

Allerings werden sich die Gäste an die Qualifikation für die EM 2000 in Belgien und den Niederlanden erinnern. Damals brauchte Kroatien einen Sieg im heimischen Maksimir. Das Team, das damals noch 'Yugoslawien', hieß schlugen den Hausherren entgegen aller Wahrscheinlichkeit ein Schnippchen und spielte 2:2. Yugoslawien qualifizierte sich, Kroatien blieb daheim.

Am Freitag wird es also wie immer zwischen diesen beiden Ländern um mehr gehen, als nur den Sport. Beide kämpfen im Prinzip aber um dasselbe in einem alten Streit: Sieg und Ehre.

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