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In Leverkusen ist die Zukunft des Trainer-Duos ungewiss. Das liegt aber nicht an einem Machtkampf, sondern an Lewandowskis Frage an sich selbst: Passe ich in dieses Business?

Leverkusen. Weil es in den Augen vieler Menschen offenbar nur wenige Gründe für einen Rückzug aus dem Millionen-Geschäft Bundesliga geben könnte, war die Erklärung für eine mögliche Trennung des Trainer-Duos von Bayer Leverkusen in den vergangenen Tagen schnell gefunden: Es herrsche Zwietracht zwischen Chef-Trainer Sascha Lewandowski und Teamchef Sami Hyypiä, vielleicht ein großer Streit, in jedem Fall aber ein Machtkampf, hieß es in den Medien und der Öffentlichkeit.

Das Problem: Es ist offenbar nichts dran an dieser Theorie. Lewandowski, Hyypiä und der Verein haben interne Streitigkeiten vehement dementiert. Zwar gab es zuvor Aussagen der beiden Trainer, nach denen eine derartige Konstellation durchaus Nachteile habe, aber ähnlich hatten sie sich auch schon vor Monaten geäußert – mit dem Unterschied, dass es damals niemanden interessierte. Woran liegt es also, dass das Projekt mit zwei gleichberechtigten Trainern also womöglich vorzeitig im Sommer beendet wird?

Wer sich mit Lewandowski über die Thematik unterhält, bekommt relativ schnell einen Eindruck von den tatsächlichen Hintergründen. Der 41-Jährige kommt mit der Aufregung, die im Profi-Fußball herrscht, nicht wirklich zurecht. Vor allem jene Schlagzeilen über ein angebliches Zerwürfnis mit Hyypiä, eine tagelange Kampagne der Medien, haben ihm arg zugesetzt. Am Samstag, nach dem 1:2 gegen den FC Bayern, sagte Lewandowski, er müsse sich überlegen, ob er Teil des Bundesliga-Geschäfts sein will. „Ich muss mich auch fragen, ob die ganze Diskussion gut für den Verein und die Mannschaft ist“, sagte er.

Bis zur Entlassung von Robin Dutt im April 2012 hatte es Lewandowski nie in den Profi-Fußball gezogen. Er trainierte seit 2007 die U19 von Bayer, er war zufrieden mit seiner Aufgabe, zur Beförderung kam es, weil der Klub schnell eine Lösung brauchte und Hyypiä keine Trainer-Lizenz hatte. Aufgrund der guten Ergebnisse bis zum Ende der vergangenen Saison schlugen Bayers Bosse vor, in dieser Konstellation weiterzumachen. Lewandowski macht keinen Hehl daraus, dass er länger nachdachte als Hyypiä, ehe er seine Zusage gab.

In diesen Wochen erlebt Lewandowski nun zum ersten Mal hautnah die Schattenseiten des Trainer-Daseins in der Bundesliga. Er ist nicht überrascht, aber er weiß nicht, ob er so arbeiten und leben möchte. Der große Fußball sei ihm „ein wenig suspekt“, verriet am Wochenende Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

„Im Fußball ist es manchmal windig“

In der Führungsetage des Werksklubs können sie Lewandowskis Zweifel nicht wirklich verstehen – zumal der 41-Jährige im Falle eines Rückzugs in die hinteren Reihen extreme Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müsste. „Im Fußball ist es manchmal windig. Das gehört dazu“, sagte Sportdirektor Rudi Völler zur Hektik der vergangenen Woche und fügte hinzu: „Ich würde mich freuen, wenn Sascha weitermacht.“

Ob es dazu kommt, ist Stand jetzt völlig unsicher. Klar ist: Hyypiä wird auch in der kommenden Saison an Bayers Seitenlinie stehen – allerdings immer noch ohne Trainerschein, was bedeutet, dass er erneut Unterstützung von einem Lizenz-Inhaber braucht. Über mögliche Lewandowski-Nachfolger wurde zuletzt bereits eifrig spekuliert. Peter Herrmann, der mit einer kurzen Unterbrechung von 1989 bis 2011 in Leverkusen arbeitete und bis Sommer Co-Trainer beim FC Bayern ist, soll als Scout zurück nach Leverkusen kommen. Er würde sich vermutlich auch breitschlagen lassen, Hyypiä als Trainer zu unterstützen.

Und Jupp Heynckes? Der scheidende Bayern-Chefcoach, der alles gewonnen hat, wird sich die Macht ganz sicher nicht mit einem Trainer-Neuling teilen. Eine Rückkehr des Erfolgstrainers gilt als ausgeschlossen.

Vielleicht bleibt am Ende auch alles beim Alten. Der sportliche Erfolg zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Hyypiä und Lewandowski funktioniert – obwohl einige das nicht wahrhaben wollen.

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