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Wenn es um die Taktik geht, sind italienische Mannschaften nach wie vor unerreicht

Milan hatte den 2:0-Erfolg über Barca einem klasse „Matchplan“ zu verdanken. Die Katalanen fanden in einer Disziplin ihren Meister, in der Serie-A-Teams weiter herausragend sind.

Mailand. Die große Mehrheit der Fußballfans hatte vor dem Auftritt des FC Barcelona beim AC Mailand am Mittwochabend in „San Siro“ mit einem positiven Ausgang zugunsten der Katalanen gerechnet. Doch was sich in diesen 90 Minuten entwickelte, war die Erinnerung an etwas sehr Italienisches: Milans 2:0-Erfolg zeigte, dass es immer einen guten Grund gibt, die fußballerischen Qualitäten des „bel paese“ niemals zu unterschätzen.

Der Fakt, dass der Calcio im Moment nicht mehr das ist, was er mal war, lässt sich nicht von der Hand weisen. Im Moment gibt es dort keine van Bastens, Zidanes, Matthäus' oder Baresis. Die Fankurven quer durch das Land platzen nicht vor Anhängern, welche die besten Spieler der Welt in Aktion sehen möchten.

Doch diejenigen, die den italienischen Fußball ignorieren, ihn kleinreden oder sogar nach außen hin lächerlich machen, stellen sich ganz einfach gegen eine der feineren Arten des Fußballs. Denn auch heute noch ist der italienische Fußball was seine Rafinesse und seinen Enifallsreichtum angeht unerreicht.

Barcelona mag Milan am Mittwochabend zwar technisch dominiert haben, knacken konnten die Spanier ihren Gegner jedoch nicht. Und das lag gewiss nicht daran, dass Allegris Schützlinge kratzten und bissen. Vielmehr setzten sie die Gäste dort unter Druck, wo es am wichtigsten ist. Sie engten Lionel Messis Kreise geschickt ein und konterten wie aus dem Lehrbuch. Über die gesamte Spielzeit glänzten die Hausherren mit fantastischer Organisation und so war der Sieg am Ende hochverdient.

CHAMPIONS-LEAGUE-ACHTELFINALE: DIE HINSPIELE

Andrea Barzagli | Stark beim Sieg gegen Celtic

Celtic 0 JUVENTUS 3
Valencia 1 PSG 2
Real Madrid 1 Manchester United 1
Shakhtar 2 Dortmund 2
Arsenal 1 BAYERN 3
PORTO 1 Malaga 0
Galatasaray 1 Schalke 1
MILAN 2 Barcelona 0

Das Klischee, man müsse „gegen Barcelona alle Chancen nutzen, die man bekommt“ traf nicht zu. Milan konnte es sich sogar leisten einige Möglichkeiten liegen zu lassen. Zum Beispiel in Durchgang eins, als Stephan El Sharaawy in aussichtsreicher Position scheiterte. Vielmehr war es das effektive Nutzen der Taktik von Coach Massimiliano Allegri, welches Milan den Sieg bescherte.

Am Wochenende, nachdem die Fiorentina Inter Mailand zerstört hatte, kritisierte der Autor dieser Zeilen die „Nerazzurri“ scharf. Denn sie hatten es nicht geschafft, die Stärken der „Viola“ zu erkennen und darauf die passende Gegenmaßnahme anzuwenden. Genau dies ist es, was den italienischen Fußball normalerweise stark macht.

Taktisches Know-How lässt sich nicht nur in der Serie A und der Champions League beobachten. Am Dienstag habe ich Milans Jugendabteilung auf dem Vismara-Gelände besucht. Dort kann man deutlich sehen, wie taktisch richtiges Verhalten den Spielern schon ganz früh in ihrer Laufbahn beigebracht wird.

Kinder im Alter von acht oder neun Jahren lernen bereits ihre Positionen zu halten, werden ermahnt wenn sie einen Pass nicht mit der richtigen Geschwindigkeit spielen oder den Laufweg eines Gegenspielers falsch einschätzen. Die Vorstellung, dass ein Spiel durch das konsequente Umsetzen bestimmter Methoden und Instruktionen gewonnen wird, herrscht in Italien vor. Und das gilt längst nicht nur für die Partien der ersten Mannschaften.

Montolivo & Muntari | Teil einer sehr effektiven Mannschaftsleistung gegen Barcelona

Wenn Fußball-„Fans“ abwertend über die „langweiligen, defensiv spielenden Italiener“ sprechen, dann bringen sie damit nur ihre Ignoranz gegenüber der Fähigkeit und der Intelligenz, einen durchdachten „Matchplan“ umzusetzen, zum Ausdruck. Die „Fantasisti“ und die „Trequartisti“ wurden in Italien stets vergöttert. Dasselbe gilt allerdings auch für die größten Verteidiger! Für jeden Ruud Gullit, Diego Maradona und Alessandro Del Piero, gibt es einen Paolo Maldini, Antonio Cabrini und Giacinto Facchetti. Italienische Fans wussten seit jeher zu schätzen, dass die Spieler mit dem großen Flair niemals Titel im Alleingang gewinnen können.

Der Mittwochabend war ein prima Beispiel dafür, dass ein Team ohne echte Stars und ohne einige fehlende Leistungsträger dem individuell besten Team der Welt Paroli bieten kann, indem jeder Einzelne seine taktische Rolle im Kollektiv erfüllt.

Ähnliches passierte auch in der letzten Woche, als Celtic gegen Juventus alles, aber auch wirklich alles gab und am Ende gegen nüchtern agierende Turnier mit 0:3 den Kürzeren zog. Die Briten beschwerten sich anschließend vehement über den Schiedsrichter und dessen Entscheidungen.

Juventus hat sowohl bei Shakhtar, als auch in Glasgow mit disziplinierten, unaufgeregten Vorstellungen bestanden. Die „Rossoneri“ reisen ihrerseits mit einem 2:0-Vorsprung ins „Camp Nou“. Fünf Teams haben ihre Hinspiele im Achtelfinale der Königsklasse gewonnen und zwei davon kommen aus Italien. Sie hatten Erfolg, weil sie das taten, was Italiener am besten können.

Wenn Barcelona in La Liga jeden Gegner dominiert und den Kontrahenten stets drei, vier Stück einschenkt, dann wird das schnell langweilig. Es sind Resultate wie jenes von gestern Abend, die den Fußball aufregend machen. Dank Leistungen wie der von Milan schauen wir den Fußball.

In einer Welt, in der man uns weismachen will, größer, glitzernder und schneller sei immer am Besten, kann es nicht schaden, wenn man sich erinnert, woher wir kommen. Und der italienische Fußball ist der perfekte Reminder daran, dass tolle Mannschaftsleistungen ihren Platz an der Spitze des Sports haben.

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