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Die Truppe von Jose Mourinho hat wettbewerbsübergreifend 14 Tore nach ruhenden Bällen kassiert. Eine Statistik, die ihre Titelchancen in der laufenden Saison gefährdet.

Kommentar
Von Ben Hayward | Spanien-Korrespondent

Madrid. Das Ruhende-Ball-Debakel setzt sich fort. Danny Welbecks Treffer für Manchester United gegen Real Madrid am Mittwoch war das letzte von vielen Gegentoren, die die Spanier in dieser Saison nach Standards kassierten. An der Seitenlinie tobte Jose Mourinho – und er hatte allen Grund dazu.

Ramos patzt und übernimmt Verantwortung

Niemand weiß genau, was sich Sergio Ramos dachte. Der spanische Abwehrspieler reifte in den letzten Jahre zu einem der komplettesten Verteidiger der Welt und trotzdem gab es weder einen Sprung noch den Versuch eines Zweikampfs – nur einen Schubser der sich als nutzlos erwies, weil Welbeck per Kopf vollstreckte.

Später gelang Real Madrid der Ausgleich durch Cristiano Ronaldos beeindruckenden Kopfball, aber Mourinhos Team musste sich mit einem Remis zufrieden geben in einem Spiel, dass sie hätten gewinnen können und sollen und ohne Zweifel auch getan hätten, hätten sie nicht ein so schlampiges Gegentor nach 20 Minuten einstecken müssen.

Ramos übernahm nach Mourinhos Hinweisen im Presseraum die Verantwortung für seinen Fehler. Der Portugiese nannte den in Sevilla geborenen Verteidiger nicht beim Namen, aber das brauchte er auch nicht – Ramos wusste, dass er einen Fehler gemacht hat und gelobte, es auszubügeln.

MADRID'S DEAD-BALL DEFICIENCIES
Games played in 2012-13
Goals conceded
Conceded from set pieces
39
40
14
Mourinho beschwert sich: „Wir können nicht noch mehr daran arbeiten“

Aber es geht nicht nur um ihn. Von 40 Gegentoren, die Madrid in allen Wettbewerben der laufenden Saison kassiert hat, fielen 14 nach Standards, die drei durch Elfmeter erzielten Treffer nicht mit einbezogen. Genau 35 Prozent der Gegentore ging ein ruhender Ball voraus.

„Wir können nicht noch mehr an Standardsituationen arbeiten. Jeder Spieler weiß, wo er zu stehen hat, welchen Spieler er beachten muss und welchen Bereich er zu decken hat“, beschwerte sich Mourinho nach einem anderen Fehler von Ramos bei Madrids Niederlage in Sevilla im September. Wenig hat sich seitdem geändert.

Kapitän Iker Casillas, derzeit verletzt, erschien im Trikot von Real Madrid unsicherer als im Dress der spanischen Nationalmannschaft. Ersatzmann Diego Lopez agierte beeindruckend, hat aber Schwierigkeiten, die Linie zu verlassen und die Situation zu entschärfen. Dazu kommen individuelle Fehler von Ramos, Pepe, Angel di Maria und sogar Ronaldo, der kürzlich in Granada ins eigene Tor köpfte.

Zwei Entscheidungsspiele

Dieses Merkmal mag untypisch für eine Mannschaft von Jose Mourinho sein, könnte sich aber in einer so oder so merkwürdigen Saison als verhängnisvoll erweisen. La Liga erscheint bei 19 Punkten Rückstand auf Barcelona vor dem Derby gegen Rayo Vallecano bereits verloren. Indes warten zwei harte Auswärtsspiele gegen die Katalanen und Manchester United in der Copa del Rey respektive Champions League.

In beiden Fällen endeten die Hinspiele im Santiago Bernabeu mit 1:1. Madrids Titelhoffnungen sind abhängig davon, ob sich die „Königlichen“ in diesen beiden spannenden Begegnungen verbessern können. Fahrten zum Camp Nou und Old Trafford sind auch in guten Zeiten schwierig genug, sodass Mourinho nur hoffen kann, dass seine Spieler ihre Defizite bei ruhenden Bällen ein für alle Mal beseitigen können. Möglicherweise hängt ihre Saison davon ab.

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