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Wie haben sich die Fans von Galatasaray noch im Sommer mokiert, dass man nicht genügend einkaufen würde. Nun haben die Löwen den Transferhammer ausgepackt.

KOMMENTAR
von Christian Ehrhardt

Für die Fans von Galatasaray Istanbul fallen derzeit Weihnachten, Ostern, Bayram und auch Chanukka auf eine Woche. Denn dachte man eigentlich, nachdem der Transfer von Wesley Sneijder zu den Löwen vom Bosporus bekannt wurde, das sei nicht mehr zu toppen, haut das Team um Präsident Ünal Aysal den nächsten Kracher raus – Didier Drogba trägt zukünftig Gelb-Rot! Drogba, Sneijder, Burak, Melo, Eboue, Hamit, Elmander, Umut, Muslera, Amrabat, Ujfalusi, Selcuk, Riera und last, but not least Fatih Terim – das sind doch Namen, die haben Klang, die haben Klasse.

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Lautes Gebrüll schalt durch Europa. Aber ist das nur heiße Luft? Die Antwort ist leicht gegeben. NEIN.

Die Löwen zeigen provokant der heimischen Liga und vor allem Europa die Zähne. Die Transfers der zwei Alphatiere Wesley Sneijder und des Ivorers Didier Drogba haben das ohnehin starke Rudel um zwei Galionsfiguren bereichert. In der Süper Lig duckt man sich vor dem alten und wieder neuen Branchenprimus. Mit ihrer Transferpolitik haben Präsident Ünal Aysal und Trainer Fatih Terim eindrucksvoll klargestellt, dass man die Nummer eins in der Türkei ist und keinen weiteren Platzhirsch neben sich duldet.

Aber das Team war und ist mit den Neuzugängen ohnehin das Maß aller Dinge am Bosporus und im eigenen Land. Das Revier der Löwen soll allerdings ausgedehnt werden. Gala will neue Grenzen stecken, beziehungsweise sie verschieben, wenn es darum geht, in Europa ein Wort mitzureden. Und die Qualität besitzt der türkische Meister und Tabellenführer. Die Offensivmaschinerie kann jeder Abwehr des Kontinents gefährlich werden und ist unberechenbar. Die Superstar-Transfers haben dem Namen des Klubs wieder mehr Glanz und Respekt verschafft. Und das steigert das ohnehin große Selbstvertrauen und macht Gala noch gefährlicher für seine Gegner.

Einzig die Defensive ist als Schwachstelle auszumachen. Die türkische Liga ist im Kommen, auch wenn es wenige wahrhaben wollen oder es ihnen schlicht entgeht. Die Süper Lig, genau wie seine Mannschaften, sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Und Galatasaray zu unterschätzen könnte sich als böser Fehler entpuppen.

- Anıl P. Polat

Was bezweckt Galatasaray?

Natürlich steht ganz oben auf der Liste, dass man die Vormachtstellung am Bosporus – und somit auch in der Türkei – die man sich in der vergangenen Saison erarbeitet und erspielt hat, nicht nur verteidigt, sondern ausbaut. Darüber hinaus schielt der türkische Rekordmeister natürlich mit mehr als einem Auge nach Europa. Willst du in der Champions League eine gewichtige Rolle spielen, dann musst du auch mal klotzen und eben nicht nur kleckern. Galatasaray greift Europa an und will, das steht außer Frage, in die Phalanx der großen Klubs aus Spanien, Italien, England und Deutschland einbrechen. Sie wollen ihren Platz am Tisch der Großkopferten und dafür hauen sie jetzt so richtig einen raus.

Woher stammt das Bare?

Jeder der liest, wie Galatasaray mit dem Geld um sich schmeißt, wie vor kurzer Zeit noch der Nikolaus mit den Nüssen und bald Prinz Karneval mit den Kamellen, der fragt sich unwillkürlich: Wo kommt denn bitte die Knete her? Das Geld hat, wie immer in der Türkei, einen Namen – Ünal Aysal. Er ist der Kopf der Unit Group, studierter Rechtswissenschaftler und eben schwerreich. Vorsicht vor den offiziellen Zahlen bei türkischem Privatvermögen, was hier in seinem Fall mit rund einer ¾ Milliarde Euro angegeben wird (das sind 750.000.000 Euro), denn das sind stets „Schätzungen“ und im Normalfall sind die Personen um etliches reicher als angegeben. Für einen Mann wie Aysal sind diese Transfersummen eigentlich ein Taschengeld, wie die Lohnzahlungen für Stars wie Drogba oder Sneijder Bares aus der Portokasse sind. Zudem ist Galatasaray eine Marke, die reichlich Geld in die Kassen des Vereins spült.

Kann Galatasaray Europa rocken?

Ohne Wenn und Aber – ja. Der Großteil der Mannschaft ist in der Lage, aus dem Ärmel und mit einer einzigen Aktion ein Spiel zu entscheiden. Das war schon vor dem Kauf von Sneijder und Drogba so. Nur mit den beiden Stars ist es jetzt noch einfacher geworden. Drogba zum Beispiel steht 88 Minuten sinnlos in der Gegend herum und entscheidet dann fast im Alleingang das Finale der Champions League – wie Bayern München lernen musste. Und ihm wird es auch in der Süper Lig gelingen, wichtige Tore zu knipsen. Mit dem linken Fuß, seiner rechten Klebe, mit dem Kopf. Nach Vorlagen von Sneijder. Oder Selcuk. Oder Hamit. Und zur Not, wenn denn alle Stricke reißen, auch mal saftig aus der zweiten oder dritten Reihe.

Die Süper Lig im medialen Fokus

Ja, Galatasaray denkt an sich, die Dominanz in der Liga, den Weg zur europäischen Fußballkrone. Und doch hat Galatasaray mit dem Kauf dieser Stars sehr viel für den türkischen Fußball getan. Denn die Liga rückt durch Leute wie Drogba, der auf der Insel eine Ikone ist, und Sneijder in den Fokus der internationalen Sportberichterstattung. Das wiederum ebnet den Weg für andere Stars und aktuelle Nationalspieler, die vielleicht besorgt waren, in der Türkei nicht mehr die Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie für den Verbleib im Nationalteam benötigen. Und es sorgt dafür, dass junge Spieler, die türkische Wurzeln haben, sich möglicherweise früh für einen Weg in die Süper Lig entscheiden. Geld, mediale Aufmerksamkeit, internationaler Fokus – mehr hast du in England, Italien oder Spanien auch nicht. Oder lassen wir England lieber weg, denn da ist das Wetter ekelhaft.

Das Team wird durch Sneijder und Drogba wachsen, sich noch mehr verbessern

Aysal und sein verlängerter Arm Terim sind ja Füchse. Dieses Geld, welches sie für die Transfers in die Hand genommen haben, wird sich nicht nur in der Champions League auszahlen und nicht nur in der Süper Lig über Punkte sowie Tore rückvergütet werden. Nein. Auch die vielversprechenden Spieler im Team – hier sollten einem sofort Namen wie Burak, Umut, Selcuk, Emre und auch Melo oder Hamit einfallen – werden durch solche Stars lernen. Gerade Burak, der von der Physis her ein ähnlicher Spielertyp wie Drogba ist, wird sich an ihm orientieren können – so er den Kampf um den Platz im Team annimmt. Oder Selcuk wird von Sneijder perfektioniert, wie auch Emre vom Star aus den Niederlanden lernen wird. Für die Löwen ist es eine Win-win-Situation. Auf dem Platz gefährlicher, effektiver und schwerer auszurechnen, neben dem Platz wird das Wissen und Können weitergegeben. Nicht nur ein Spieler-Transfer, sondern auch ein Know-how-Transfer.

Vielleicht wird die türkische Liga nun endlich den Platz in Europa bekommen, den sie schon länger verdient. Denn von der Spannung her, der Begeisterung und dem Kampfgeist auf dem Platz, kann sie es bereits seit Jahren mit jeder Liga Europas aufnehmen.

 

Für Türkei-Updates folge Christian Ehrhardt oder auf und Anıl P. Polat  


EURE MEINUNG: Werden die Löwen Europa rocken und erhält die Süper Lig endlich die Beachtung, die sie verdient?

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