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150 Jahre alt und kein bisschen müde: 2013 wird das Jahr, in dem der Fußball nach Hause kommt

150 Jahre alt und kein bisschen müde: 2013 wird das Jahr, in dem der Fußball nach Hause kommt

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Übersetzt von John C. Brandi
30.12.2012 09:00:00

Nur noch anderthalb Jahre bis zur WM in Brasilien: Ein Großteil des Jahres 2013 wird damit verbracht werden herauszufinden, ob der Gastgeber reif für das Turnier ist.

Kommentar
Von James Corbett

Football's coming home: 2013 könnte das Jahr werden, in dem man sich zurücklehnt, um das 150. Jubiläum des Vereinsfußballs zu feiern und Englands großartigen Beitrag zur Weltkultur zu preisen, doch es ist auch das Jahr, in dem der Fußball seine Reise zurück zu seinen spirituellen Wurzeln beginnt.

Brasilien wird die sportliche Agenda  in den nächsten vier Jahren dominieren, und bereits jetzt – ein Jahr, bevor die WM beginnt und vier Jahre vor den Olympischen Spielen in Rio – scheint das Thema die Medien immer mehr zu beschäftigen.

Wenn 2014 das Jahr des Überflusses wird, ist 2013 eine Zeit der besorgten und vielleicht auch hektischen Vorbereitungen für die zwei größten Sportereignisse der Welt.

Doch inmitten all der Erwartung muss man feststellen, dass nicht alles in bester Ordnung ist. Im letzten Sommer sorgte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke für nationale Entrüstung, als er sagte, Brasiliens WM-Organisatoren bräuchten einen „Tritt in den Hintern“. Trotz der Empörung ob dieser Unverblümtheit war an dieser Beobachtung viel Wahres, ist das Turnier doch zerrissen von logistischen Herausforderungen: Kein Land hat seit der WM in den USA 1994 eine Endrunde in so einem großen geographischen Rahmen ausgerichtet.

„Unsere drei größten Herausforderungen sind Flughäfen, Flughäfen und Flughäfen“, sagte der Direktor des Lokalen Organisationskomitees (LOC), Ricardo Trade, im letzten Jahr. Damit brachte er auf den Punkt, dass die WM inzwischen viel mehr als eine große Show des Sports ist: Vielmehr ist es heutzutage eine Gelegenheit, durch große Verbesserungen der Infrastruktur ein Land darauf vorzubereiten, sich der Welt zu öffnen.

DER MANN 2013 - JEROME VALCKE
Jerome Valcke wird  2013 vermutlich der meistbeschäftigte Mann im Weltfuball sein. 2007 war er die Überraschung als Generalsekretär, den Sepp Blatter aus dem Hut gezaubert hatte. Nur sieben Monate zuvor war er vom Amt des FIFA-Marketingdirektors zurückgetreten, nachdem ein Gericht in New York ihn in Zusammenhang mit einem umstrittenen Sponsorendeal der wiederholten Lüge bezichtigt hatte.

Diesen Skandal überstanden zu haben war eine gute Ausbildung für seine Rolle, die praktisch die des FIFA-CEO ist. Mit 2013 vor der Tür hat Valcke nicht nur Brasilien, um das er sich sorgt, sondern muss auch die kontrovers diskutierten Turniere in Russland und Katar im Blick behalten. Und ganz zuoberst muss er auch noch gewährleisten, dass er als CEO die FIFA in Gang hält. Einige sagen, Valcke werde Blatter nachfolgen, und da die nächsten Wahlen nur noch zwei Jahre entfernt sind, hat das politische Ringen um dieses Amt bereits begonnen.
Die Anforderungen an Brasilien wurden durch die Entscheidung für noch mehr Gastgeberstädte nur noch gesteigert. Die FIFA wollte acht, doch der gedemütigte ehemalige Kopf des brasilianischen Fußballs, Ricardo Texeira, kämpfte erfolgreich und erreichte, dass nun zwölf Städte Spiele ausrichten.

Texeira, der zum Rücktritt gezwungen wurde, nachdem herausgekommen war, dass er mehr als zehn Millionen Dollar Schmiergelder von der insolventen Sportvermarktungsagentur ISL erhalten hatte, wird seither beschuldigt, sich in dem Vergabeprozess bestechen haben zu lassen. Was an diesen frischen Beschuldigungen auch immer dran ist, seine Hinterlassenschaft ist ein Turnier, dass noch unüberschaubarer ist als zuerst angenommen.

Die augenscheinlich notwendigen Investitionen in Transport und Infrastruktur haben den Prozess zwangsläufig verlangsamt. Es wurde behauptet, dass nur ein brasilianischer Real von zwanzig versprochenen  investiert worden ist. „Es gibt Länder, die von Naturkatastrophen getroffen werden und alles in dieser Notlage provisorisch wieder aufbauen müssen“, sagte der Präsident des Architekten- und Ingenieurs-Verband, Jose Roberto Bernasconi vor einigen Monaten. „Wir erschaffen unsere eigene Notlage – obwohl das nicht nötig wäre“, fügte er hinzu.

Einige der drohenden Chaosszenarien in puncto Organisation und PR haben sich zerstreut, seit Texeira nicht mehr da ist, und Valcke teilte zuletzt mit: „Alle Projekte gehen gut voran und wir haben inzwischen Reisegeschwindigkeit erreicht.“ Doch der wirkliche Test kommt im Juni, wenn Brasilien sieben Nationen zu Gast hat – Spanien, Italien, Japan, Mexiko, Uruguay und Tahiti plus den Sieger des Africa Cups – im Confederations Cup. Obwohl der eigentlich ein eher aufgedonnertesTest-Event ist, werden die Augen der Weltöffentlichkeit auf Brasilien ruhen, und sowohl das LOC als auch die FIFA wird unbedingt einen reibungslosen Ablauf gewährleisten wollen.

Alle kommenden Ausrichter einer WM, sogar sehr gut vorbereitete wie Deutschland im Vorfeld von 2006, sind einem hohen Maß an Pedanterie und Pessimismus ausgesetzt in den anderthalb Jahren vor Turnierstart. Definitiv ging es Südafrika 2010 so, obwohl der letztlich ruhige Ablauf der Endrunde schließlich jeden Kritiker Lügen strafte.

Südafrika wird einige der grandiosen, jedoch teils kaum ausgelasteten infrastrukturellen Möglichkeiten beim Africa Cup of Nations einsetzen können, den man anstelle des postrevolutionären Libyen im Januar ausrichtet. Sambia wird dort seine Krone zu verteidigen versuchen, die man beim letzten Mal so dramatisch errang, und und durch das Fehlen der traditionell starken Nationen wie Ägypten, Kamerun und Senegal könnte das Schicksal erneut mit einem kleineren Land sein.

Im Juni findet in Israel die U21-EM statt, und einen Monat später richtet die Türkei die U20-WM aus, beides exzellente Bühnen für die Talente, die vielleicht 2014 in Brasilien explodieren. 2009 schlug Deutschland im Finale des U21-Turniers England mit 4:0. Zwölf Monate später waren vier dieser siegreichen Spieler im Team, das England im Achtelfinale der WM erneut klar bezwang: mit 4:1 in Bloemfontein, und mit den U21-Europameistern Neuer, Boateng, Khedira und Özil.

Innerhalb der Nationen könnten sich die Transferdynamiken erneut verschieben. Der unglaubliche neue Fernsehdeal der Premier League wird zum Start der Saison 2013/14 wirksam und bringt dem Englischen Meister erstmals 100 Millionen Pfund, knapp 123 Millionen Euro. Doch sogar der Letzte verdient noch ungefähr die Hälfte dieses Betrags, und so werden Klubs wie Reading oder Wigan, sollten sie diese Saison die Klasse halten, mit zu den reichsten Vereinen der Welt.


Reiche Beute? | Financial Fair Play könnte auch Manchester City in Bedrängnis bringen

Es ist die Herausforderung für die Klubs sicherzustellen, dass dieser neue Reichtum nicht einfach für höhere Löhne draufgeht. Gespräche laufen, die eine Gehaltsobergrenze in der Premier League zum Ziel haben. Gleichzeitig müssen die Vereine in den oberen Tabellenregionen sich an Financial Fairplay (FFP) halten, damit sie weiterhin im europäischen Wettbewerb teilnehmen können.

Die Rufe Manchester Citys, die zuletzt ihren 100-Millionen-Pfund-Verlust als Argument anführten, dass sie definitiv FFP-gemäß seien, suggerierten, dass einige Vereine eine eher kreative Interpretation der Bestimmung an den Tag legen. Rechtliche Auseinandersetzungen zwischen solchen Vereinen und der FIFA sind vorprogrammiert.

Die FIFA steht außerdem abseits der Vorbereitungen für Brasilien vor weiteren Herausforderungen: Man will sich nach der Bekanntwerdung einer Serie von Korruptionsfällen, die den eigenen Ruf auf Jahre  hinaus beschmutzt haben, neu erfinden. Die Unabhängigen Kommission für Governance, die unter dem Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth operiert, wird ihren Arbeit im Mai beenden. Doch die Versprechen von Reformen und mehr Transparenz könnten sich als hohl und leer erweisen; die, die den Prozess verfolgt haben, sprechen vom Frust der Reformer über einiger Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees. Es wirkt, als lagerten im Keller der Regenten des Weltfußballs zu viele Leichen, um wirklich bereit zu Reformen zu sein, zumindest gilt dies wohl so lange, bis die alte Garde abtritt.

Doch schließlich gibt es doch noch einen Grund zu feiern: Am 26. Oktober 1863 trafen sich in einem Londoner Pub namens „Freemason's Tavern“ die Vertreter von einem Dutzend Fußballvereine aus Südengland und legten ein Regelwerk für das raue, schnelle Spiel fest, dass sie zu spielen pflegten. 150 Jahre später wird die Welt dieses Geschenk, das ihnen zuteil wurde, gebührend feiern: Eine Serie von Freundschaftsspielen Englands gegen Brasilien, Schottland und Irland steht an – und dazu kehrt das Finale der Champions League zurück nach Wembley.

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