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Am Samstag gegen Barca wird Fernando Llorente wohl wieder nur auf der Bank sitzen. Bilbao wäre besser beraten, schnellstens eine Lösung zu finden - und den Stürmer ziehen zu lassen

Bilbao. Ob der FC Bayern demnächst einen Anruf von den Verantwortlichen von Juventus Turin erhält? Gut möglich, dass sich die Lombarden erkundigen wollen, wie die Bayern das eigentlich gemacht haben damals mit diesem Javi Martinez, der nach zähen Verhandlungen und 40 Millionen Euro doch noch seinen Weg nach München fand. Juve plant ein Angebot für Bilbaos Fernando Llorente. Athletic schaltet wie schon in der Causa Martinez auf stur und könnte trotz des nächsten Sommer auslaufenden Vertrags Llorentes ebenfalls bis zu an die 40 Millionen fordern.

Nun taumelt Bilbao als Tabellenvierzehnter dem Duell gegen die nahezu unbezwingbaren Katalanen aus Barcelona entgegen - und muss auf einen Stürmer verzichten, der von seiner Bestform weit entfernt ist und sich wegen der jüngsten diszilpinarischen Maßnahmen gegen ihn Hilfe geholt hat.

Bilbao: Sportliche Argumente und verlorene Sympathien

Nach Ansicht der Spielergewerkschaft Fifapro liegt im Fall Llorente „Erpressung gegenüber dem Spieler“ vor. So die Stellungnahme gegenüber elcorreo.com. Llorente ist nicht der einzige Fall, in dem ein Fussballer durch seinen Klub und dessen fragwürdige Maßnahmen unter Druck gesetzt wird, aber er steht stellvertretend: „Ein Verein verlangt von einem Spieler mit auslaufenden Vertrag, zu verlängern. Wenn der sich weigert, setzt ihn der Verein auf die Bank oder Tribüne. Beruflich hat dieser Fußballer dann keine Chance mehr – erst wenn er einen neuen unterschrieben hat“, beschrieb die Fifaopro diese Konstellation.

Dabei war rund um das San Mames gerade wieder etwas Ruhe eingekehrt. Ob das Komunique im richtigen oder falschen Moment erschienen ist, sei dahingestellt. Sicherlich wird es aber nicht ungelesen wieder verschwinden – schon gar nicht vom Anhang Bilbaos. Das Umfeld, in dem Llorente sich zur Zeit bewegt ist alles andere als einfach, es oszilliert zwischen Tradition und Trotz. Bei all dem Klimbim und Nationalstolz muss es schwer sein, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Dabei wäre genau das langsam wieder angebracht!

Aber: Es mag etwas voreilig von FIFApro sein, die Maßnahmen gegen Llorente alleine als „Strafe“ zu verstehen, denn aus sportlicher Sicht gibt es nicht allzu viel, dass gegen die Entscheidungen von Marcelo Bielsa spricht: Llorente hat diese Saison 16 Partien bestritten, dreimal von Beginn an, meist aber als Ersatz für Aduriz. Dabei kam der Mann mit der Mähne nicht über zwei Tore gegen Espanyol und Hapoel Shmona hinaus. Aduriz hingegen traf elf mal in 18 Einsätzen. Zumindest diese Zahlen sprechen für Aduriz, für Bielsa – und auch noch für Athletic.

Die Einlassung der FIFApro wäre also angebrachter, falls Llorente sein Gehalt nicht bekommt. Denn bezahlt zu werden ist sein Recht, zu spielen aber ein Privileg, das man sich verdienen muss. Die Einschätzung der Spielergewerkschaft zeigt aber erneut: Die Basken täten gut daran schon bald eine angemessene Lösung für alle zu finden – und Llorente in Frieden gehen zu lassen, wenn er weg will! Ansonsten werden auch sportliche Argumente diesen Verein nicht vor einem größeren Image-Schaden bewahren.

Bisher waren dem baskischen Klub und seiner Vereinspolitik, nur auf baskische Spieler aus der Region zu setzen, die Sympathien sicher. Vor allem unter Fussballromantikern, aber die klare Linie und die Erfolge fanden auch weltweit große Anerkennung. Schon der Fall Martinez hat die Kehrseite der Vereinspolitik gezeigt, die im Grunde auch gegen ein ur-baskisches Anliegen verstößt. Wie Katalonien kämpft das Baskenland um seine Unabhängigkeit, das Recht, Spanien auf Wunsch zu verlassen. Gilt das gleiche nicht auch für Llorente?

EURE MEINUNG: Kann Juve sich Llorente angeln?
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