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Der Ghanaer war zu Beginn wie eine Bombe im San Siro eingeschlagen, doch seine jüngsten Vorstellungen waren weit entfernt von denen, die ihn zum Publikumsliebling gemacht hatten.

Kommentar | Von Kris Voakes
Italien-Redakteur

Mailand. Eins der großen Mysterien rund um den missratenen Saisonstart des AC Mailand 2012/13 ist sicher die schwache Form von Kevin-Prince Boateng. Während Stephan El-Shaarawy derzeit der einzige Lichtblick bei den Rossoneri ist, wird der Druck auf Boateng immer größer, endlich wieder die Form zu erreichen, die ihn bei den Fans so beliebt gemacht hatte.

Boateng war 2010/11 nach seinem Transfer von Portsmouth via Genua zu Milan der Shooting Star, was darin gipfelte, dass er auf der San-Siro-Scudetto-Party mit seinem Moonwalk a la Michael Jackson für den mit Abstand größten Jubel sorgte. Doch während er in der vergangenen Spielzeit seinen Ruhm unter den Milanisti noch vergrößern konnte, steht diese Saison bisher unter einem eher dunklen Stern für den Ex-Herthaner.

Einst von sich überzeugt, kraftvoll und kreativ erscheint Boateng nun unsicher, abgeschottet und ohne die Fähigkeiten, in den wichtigen Spielen zu glänzen, mit denen er in den ersten zwei Jahren überraschte und überzeugte. Die Gründe dafür variieren, je nachdem, mit wem man spricht – einige gehen sogar so weit, seine Freundin Melissa Satta verantwortlich zu machen.

„Ich bin nicht Boatengs Problem. Ich bin eine ganz normale Freundin, und er wird seine Form bald finden. Ich habe ihn und den AC Milan immer unterstützt.“
- Melissa Satta

„Ich bin nicht Boatengs Problem. Ich bin eine ganz normale Freundin, und er wird seine Form bald finden. Ich habe ihn und den AC Milan immer unterstützt“, sagte Satta als Reaktion auf das Rampenlicht, in dem ihre Beziehung plötzlich steht. „Ich habe den Gazetta-dello-Sport-Bericht über seine Form gelesen, doch es ist nicht meine Schuld.“

Satta hatte Vanity Fair einst erzählt, dass sie der Grund für die vielen Verletzungen ihres Freundes zu Beginn des Jahres zu sein glaubte, doch wahrscheinlicher ist es, dass der Schlüssel zum Rätsel Boateng irgendwo auf dem Platz liegt.

Dadurch, dass Milan in diesem Sommer so viele große Namen und prägende Gesichter verloren hat, war Boateng plötzlich in der Rolle des Führungsspielers, für die er eventuell noch nicht bereit war. Das Trikot mit der Nummer zehn bedeutet in Italien eine große Verantwortung, doch die Entscheidung Allegris, ihm diese Bürde anzuvertrauen und zuzutrauen war ein Beispiel dafür, wie groß die Wertschätzung in Mailand für ihn inzwischen ist.


          Bessere Tage | Vor seinem Formeinbruch war Boateng der Held in Mailand

Von dem Spieler, der als „normaler“ Mittelfeldmann angekommen war, sich jedoch schnell zum präsenten Angreifer rund um den Sechzehner entwickelte, den nur wenige Serie-A-Klubs vorweisen können, hatte man allerdings erwartet, dass er den Übergang schnell schaffen würde. Das war nicht der Fall.

„Lui? Con il number 10? Che disastro!“ bellte zuletzt im San Siro ein Milanista in Hörweite von Goal.com: „Er? Mit der Zehn? Was für ein Desaster!“ Ihn ein Desaster zu nennen mag etwas harsch sein, doch letztlich lieferte er nur ein einziges gutes Spiel bisher ab.

Nach einem höchstens durchschnittlichen Eröffnungsspiel gegen Sampdoria, indem er an der Seite von Robinho und El Shaarawy einen „falschen Neuner“ gab, schlug Boateng beim Sieg gegen Bologna zurück und spielte dort eine Schlüsselrolle, doch danach brach er völlig ein, was zuletzt in einer unauffälligen Vorstellung gegen Lazio gipfelte.

BOA IM WÜRGEGRIFF | Seine Goal.com -Einzelkritiken 2012-13
SAMPDORIA (h)
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ATALANTA (h) Serie A
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Lazio (a) Serie A
     
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Mehr Verantwortung und eine gestiegene Erwartungshaltung brachten nun, wo es nicht läuft, ein viel grelleres Rampenlicht mit sich. Teilweise wurde sein schwacher September der Handverletzung zugeschrieben, die ihn um Koordination und Balance kämpfen ließ, doch seither hat sich zu wenig getan, als dass dies zu mehr als einer willkommenen Ausrede hätte reichen können.

Allegris regelmäßige Systemveränderungen könnten natürlich ebenso als Erklärung angeführt werden, da gerade Boateng in verschiedenen Rollen eingesetzt wurde, doch selbst dann wäre ein wenig Anpassung nicht zu viel verlangt gewesen.

Als Resultat seiner Unzufriedenheit hängen seine Schultern derzeit noch ein wenig mehr herunter als ohnehin in einer schwachen Milan-Mannschaft. In der Kabine, die er zu dominieren pflegte, hat er nun die undankbare Aufgabe, seinen Status als stolzer, draufgängerischer und frecher Star wiederherzustellen, dessen Einstellung einst genau die Renaissance der Rossoneri widerspiegelte, doch nun repräsentativ ist für eine Mannschaft mit Problemen, die Mühe damit hat, ihre neue Rolle in der Calcio-Landschaft zu akzeptieren.

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