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KOMMENTAR - Der Schotte spielte zum ersten Mal seit dem letzten November wieder mit. Und er könnte dem Team das bringen, was zuletzt immer wieder gefehlt hat.

KOMMENTAR
Von Joe Wright

Manchester. Es war eine Nacht der Besonderheiten im Old Trafford am Dienstag: Es war das erste Champions-League-Spiel seit dem frühen Ausscheiden in der letzten Saison, es war das erste Tor auf internationaler Bühne seit drei Jahren für Michael Carrick und das erste CL-Pflichtspiel für den neuen Klub für Shinji Kagawa und Robin van Persie.

Trotz des positiven Ausgangs war die Rückkehr von Manchester United unter die Großen Europas ein eher unglücklicher Auftritt. Kagawas Beiträge kamen selten, van Persie kam überhaupt nicht im Spiel vor und der Gegner Galatasaray wurde zum Schluss hin immer stärker, angefeuert von den Tausenden Gala-Fans, die die United-Spieler nervös werden ließen. Das war das Bild bis zur 79. Minute: Dann kam Darren Fletcher für Paul Scholes auf den Platz - und der Applaus der Manchester-Fans ließ das ganze Stadion zittern.

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Der Schotte hatte seit dem vergangenen November kein Spiel mehr für die erste Mannschaft absolviert. Er hatte sich zeitweise vom Fußball verabschiedet, um eine chronische Darm-Erkrankung zu überwinden. Sein zehnminütiges Comeback begann er unter dem tosenden Beifall der United-Fans, die - zugegebenermaßen - wenig nach dem frühen Tor durch Michael Carrick zu jubeln hatten.

Sein erster Einsatz sorgte auf dem Platz für wenig Veränderung, denn United hielt einfach den 1:0-Vorsprung bis zum Ende, doch insgesamt hätte das Comeback zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Denn der Auftritt von United zeigte, dass dem Spiel der Red Devils noch einiges fehlt.

Der Ruf nach einer Verstärkung für das Mittelfeld ist bei Manchester United schon inzwischen ein bedrohliches Hintergrundgeräusch bei jedem schwierigen Match, das die Engländer überstehen müssen. Marouane Fellaini, Mousa Dembele, Javi Martinez, Cheikh Tiote, Mohamed Diame: Es scheint so, als ob jeder kampfstarke Mittelfeldspieler, der gegen die Red Devils eine halbwegs passable Vorstellung geboten hat, sofort als „das fehlende Puzzle-Teil“ für die Mannschaft von Trainer Sir Alex Ferguson bezeichnet wird.

Aber eigentlich ist es ganz egal, wie viel Härte und Power irgendein Spieler United bringen könnte: Es ist der Schub durch Fletchers Rückkehr, der ihnen beim Versuch, City von der Spitze der Premier League zu stoßen, am meisten weiterhelfen kann.

Ferguson gab nach dem Schlusspfiff zu, dass seine Mannschaft „leichtsinnig“ mit dem Ballbesitz gegen Galatasaray umgegangen sei. Der Kommentar wurde durch die Statistik bestätigt, die für die Türken einen Ballbesitz-Anteil von 52 Prozent auswies. Die Gäste arbeiteten im Mittelfeld hart und versuchten, United im eigenen Stadion in der Zentrale zu überrennen.

Carrick und Scholes glänzten zwar wie immer als Ballverteiler im Mittelfeld, doch oft zogen sie im direkten Duell gegen Felipe Melo und Selcuk Inan den Kürzeren, die sie zu Ballverlusten oder einfachen Fouls zwangen.

Während Carrick in der Mitte in seinem eher trägen Stil auf- und abmarschiert, versucht Scholes, den Ball so früh wie möglich auf dem Feld mit kurzen Pässen zu verteilen. United braucht aber einen Läufer, einen Strippenzieher im Hintergrund, der auch den Rhythmus des Gegners unterbrechen kann. Und genau da kommt Fletcher ins Spiel: Der Schotte kann dieses Zahnrad in Uniteds Maschine sein.



Die Red Devils haben im Mittelfeld auch fast gar keine andere Wahl: Tom Cleverley und Anderson blieben gegen Galatasaray auf der Bank, Ryan Giggs wurde nach dem intensiven Spiel gegen Wigan am Samstag geschont und der vielseitige Phil Jones ist verletzt. Außerdem kommt noch Shinji Kagawa dazu, der allerdings mehr dazu dient, die Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff herzustellen und damit diese Aufgabe von Paul Scholes zu übernehmen.

Keiner kann jedoch Verstand und Kampf, Einsatz und Emotionen so gut verbinden wie Fletcher. Sein vielseitiges Spiel macht ihn zur perfekten Ergänzung im Mittelfeld, zum Positionsspiel von Carrick oder zum Passspiel von Scholes. Daher ist Darren Fletcher wahrscheinlich einer der wichtigsten United-Spieler in dieser Saison.

Ob der Schotte nach seiner Erkrankung wieder völlig fit wird, bleibt noch abzuwarten. Nach seiner langen Pause wegen einer Krankheit, die vom Verein nicht genauer benannt wurde, kann man sich aber vorstellen, dass der Kampf noch nicht vollständig gewonnen ist. Es wäre dementsprechend unvernünftig, ihn gleich wieder als Stammspieler in die Mannschaft zu bringen, auch wenn am Wochenende ein Knaller in Liverpool an der Anfield Road ansteht. Aber es wäre auch eines dieser Spiele, in denen Fletcher in der Vergangenheit seinen besonderen Wert für das Team bewiesen hat.

Man kann es als eine graue Rückkehr in die Champions League bezeichnen, an einem Abend, den viele schnell vergessen werden. Doch für die meisten United-Fans ist der Dienstag der Tag, an dem Darren Fletcher zurückgekehrt ist. Und das kommt keinen Augenblick zu früh.

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