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Der 27-Jährige enthüllte vor kurzem seine Trauer im Santiago Bernabeu und blieb auf dem Platz hinter den Erwartungen zurück. Aber für das Wohl des Klubs muss er einfach bleiben.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Die Bühne war vorbereitet. Cristiano Ronaldo fuhr nach der Länderspielpause zurück in die Stadt und seine Trauer war offenbar Vergangenheit. Der Portugiese hatte schnell eine Erklärung veröffentlicht, in der er seine Verbundenheit mit Real Madrid betonte und alles schien gut zu sein.

Ronaldo konnte bei den letzten beiden Auswärtsspielen gegen Sevilla jeweils drei Tore erzielen und glücklich oder nicht, Jose Mourinho stärkte ihm den Rücken. „Wenn er spielt, wie er das normalerweise macht und kann, spielt es keine Rolle, ob er traurig ist", stellte der Trainer fest.

Aber er konnte nicht - und das spielte eine Rolle.

Cristiano war die tragische Figur in Sevilla. Nachdem er früh im Spiel einen guten Freistoß und einen Weitschuss setzte, war es mehr Melodram als Zauberei des Portugiesen. Schmerz und Leid hatten sich förmlich in seinem Gesicht festgeätzt, er sah aus wie ein Mann, der am Samstag die Welt gegen sich hatte und es zeigte sich, egal was er auch versuchte, er scheiterte kläglich damit. In der Tat, seine Leistung schien seinen Gemütszustand widerzuspiegeln und, was noch dramatischer ist, es beeinflusste seine Teamkollegen.


IN ZAHLEN:
Cristiano Ronaldo bei Real Madrid
1 Der 27-Jährige hat einmal den Ballon d'Or gewonnen - aber während seiner Zeit bei Manchester United
3 Der Portugiese hat drei Titel in Spanien gewonnen: Ein Liga-Titel, eine Copa del Rey und eine Supercopa
37 Cristianos Assists in seiner Karriere bei Real Madrid. 99 Assists hat er auf der Klubebene erzielt.
60 Seine Tore in der letzten Saison und das in nur 55 Spielen. Das ist seine Rekordmarke bis jetzt.
94 Die Zahl der Millionen an Euro, die Real an Manchester United zahlte, um sich seine Dienste zu sichern.
150 Ronaldo hat 150 Tore für Real Madrid erzielen können - in 150 Spiele

Bereits acht Punkte beträgt der Rückstand auf Barcelona in der Primera Division und Madrid könnte bereits im September als Außenseiter auf den Titel gelten.

Während der Länderspielpause wurde viel über Cristiano, seine Zukunft und sogar über möglichen Ersatz für den Portugiesen geschrieben. Einer von ihnen war Atleticos Stürmer Radamel Falcao, der laut seinem Vater, bereits als Jugendlicher davon träumte, einmal für Real zu spielen. Füge den kolumbianischen Stürmer einfach einmal ins aktuelle Team von Real und du hast wohl das weltweit beste Team - aber nimm Ronaldo aus dem Kader und das Madridmodell ergibt keinen Sinn mehr.

Es ist Ronaldos Verdienst, dass Madrid mit Barcelona und Lionel Messi mithalten kann. Mit ihm im Kader konnten die Männer von Mourinho den Katalanen drei Titeln in den letzten zwei Kalenderjahren abspenstig machen. Aber all das wäre ohne den weltweit teuersten Spieler nicht möglich.

Ronaldo leitete die Siege in die Wege, als beispielsweise Madrid gegen Barca im Copa del Rey Finale 2010-11 siegreich blieb, er erzielte 46 Treffer und machte weit mehr Tore, als Mourinhos Männer La Liga in der vergangenen Saison dominierten – und er zusätzlich noch jeweils ein Tor beisteuerte, als die Los Blancos Ende August die Supercopa gewinnen konnten. Ohne ihn würde Madrid sicher noch weit länger im Schatten von Barcelona dümpeln.

Die einfache Lösung, um seine Schmerzen beizulegen, wäre sicher, dass man ihm einen neuen Vertrag anbietet. Schließlich spielte er eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Mannschaftserfolge und knipste unglaubliche 150 Tore - Cristiano ist jetzt ein weit besserer Fußballer, als er es bei seiner Ankunft im Bernabeu im Jahr 2009 war. Obwohl er bereits jetzt die beeindruckende Summe von 10 Millionen Euro nach Steuern verdient, sind ist die Form auf dem Platz und der Marktwert, die den Wert eines Spielers bestimmen und ausgehend von diesem Grundprinzip, verdient Ronaldo eine Gehaltserhöhung.

Allerdings ist es nicht so einfach. Um dem Spieler zusätzliche 5 Millionen Euro nach Steuern zukommen zu lassen, wäre Madrid gezwungen, 31 Millionen Euro für ihn zu berappen. Das ist so, da Ronaldo, der noch bis 2015 unter Vertrag steht, vom sogenannten „Beckham Gesetz“ profitiert, das noch in Kraft war, als der Portugiese im Jahr 2009 zu Real kam. Das ist jetzt nicht mehr so und jeder neue Deal würde bedeuten, dass Madrid einen viel höheren Steuersatz zu zahlen hat.

Wie auch immer, Cristiano betont, seine Verzweiflung und Mutlosigkeit hätten nichts mit Wünschen um einen neuen und verbesserten Vertrag zu tun.

„Ich möchte nochmals bekräftigen, ohne dass es meine Verträge betrifft, mein Fokus ist ausschließlich auf den Gewinn jedes Spieles und jeder verfügbaren Trophäe mit dem Team, meinen Teamkollegen und allen Madridistas ausgerichtet“, sagte er erst kürzlich in einem veröffentlichten Statement.

In der Tat fehlt Ronaldo Liebe und nicht Geld

Die Portugiese sieht, wie sehr Messi bei Barca verwöhnt und geschützt wird, aber dass er nicht die gleiche Unterstützung in Madrid erhält. Jeder im Camp Nou, sei er Spieler, Trainer oder Offizieller, nimmt sich die Zeit, Leo und seine außerordentlichen Taten auf dem Platz zu loben, ihn als würdigen Gewinner für den Ballon d'Or ins Gespräch zu bringen und er wird überschwänglich von der katalanischen Presse in den Himmel gehoben.


Ich möchte nochmals bekräftigen, ohne dass es meine Verträge betrifft, mein Fokus ist ausschließlich auf den Gewinn jedes Spieles und jeder verfügbaren Trophäe mit dem Team gerichtet.

- Cristiano Ronaldo vor dem Spiel gegen Sevilla

Ronaldo hat es schwerer in der Hauptstadt. Er wird laufend eingehend überprüft und oft von den Madrider Medien kritisiert. Cristiano weiß, mit einem Mehr an Unterstützung aus dem Klub wären viele Dinge einfacher - vor allem im Vorfeld des Ballon d'Or Award in diesem Jahr. Im Gegensatz zu Messi bei Barca steht der Portugiese unter enormem Druck und glaubt, dass seine Erfolge bei Real nicht dazu ausreichen, echten Respekt und Anerkennung zu erhalten. Kurz gesagt, er fühlt nicht, dass er geliebt wird.

Mourinho hat unterdessen zwischenzeitlich gesagt, er erwarte eine andere Madrider Mannschaft am Dienstag gegen Manchester City in der Champions League zu sehen und das, nachdem er aussagte, am Samstag „ohne Team“ gewesen zu sein. Er wird zweifellos auch einen anderen Ronaldo auf dem Platz erwarten, aber die Probleme verschwinden nicht einfach so von selbst und seine Mannschaft muss handeln, um so sicherzustellen, dass ihr wertvollster Darsteller all das hat, was er braucht, um im Bernabeu zu wachsen - einschließlich öffentlicher Unterstützung und vielleicht auch mehr Geld. Er ist es wert.

Denn wenn Cristiano gehen sollte, ist niemand seiner Qualität da draußen, um ihn zu ersetzen. Verliere Ronaldo und der Klub-Traum vom Erfolg der kommenden zehn Jahre mit seinem Weggang sterben - zumindest für ein paar Jahre und ohne seinen brillanten Landsmann Ronaldo ist es schwierig sich vorzustellen, dass Mourinho noch lange beim Klub bleiben wird. Und auch das wäre sehr traurig für Real Madrid.

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