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Deutschland und die „Anzeigetafel-Analysen“

Alles gut, alles schlecht, alles mittelmäßig? Was kann man vom Auftritt des DFB-Teams in Wien mitnehmen?

Berlin. „Scorebordjournalistiek“ – das ist das Wort, das der niederländische Trainer Co Adriaanse den Medienvertretern in seiner Zeit bei AZ Alkmaar entgegen schleuderte. Es war vorwurfsvoll gemeint. Der Begriff lässt sich als „Anzeigetafel-Journalismus“ übersetzen, Adriaanse hatte ihn erfunden. Wie man von Adriaanse zum Nationalteam Deutschlands kommt? Der Vorwurf des Coaches war, dass die Analysen und die Einschätzungen eines Spiels durch die Journalisten ausschließlich mit dem Ergebnis verknüpft werden. Wenn das Team gewinnt, ist alles gut, wenn es verliert, war alles schlecht.

Die Natur des Sportlers

Deutschland hat am Dienstag mit 2:1 in Österreich gewonnen, doch überzeugend war das Ganze nicht – und deshalb gab es in den Medien auch kritische Anmerkungen zum Auftritt der DFB-Elf. Eben kein „Anzeigetafel-Journalismus“. Dass die Spieler ihre Leistungen grundsätzlich positiver sehen als sie eigentlich waren, liegt in der Natur des Sportlers. Da können Philipp Lahm und Thomas Müller nach dem Schlusspfiff erst einmal gerne die bislang erreichten sechs Punkte aus zwei Duellen in den Vordergrund stellen, besser werden die Leistungen dadurch rückblickend nicht.

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So wie früher

Die deutschen Kicker scheinen nach dem Halbfinal-Aus bei der EM leicht bis mittelschwer verunsichert zu sein und sie wollen das mit dem Verweis auf die Optimal-Ausbeute bezüglich der Punkte in der WM-Quali überspielen. „Anzeigetafel-Analysen“ – könnte man sagen. Bei genauerer Betrachtung des Auswärtsspiels in Wien dürfte jedoch allen Beteiligten klar werden, dass der Sieg nur mit viel Glück zustande kam. Das an sich ist natürlich nicht schlimm: Ganze Generationen von deutschen Fußball-Fans werden sich an Spiele der „Rumpelfußballer“ erinnern, die am Ende irgendwie noch zu einem 1:0 hingebogen wurden.

Unsicher

Dennoch kann einen das ungute Gefühl beschleichen, dass der Sieg wieder einmal die Schwächen überdecken wird. Vielleicht ist die Erinnerung an das 1:2 im Halbfinale gegen Italien noch zu frisch. Aber wenn es ein Gegner wie Österreich schafft, Manuel Neuer richtig nervös zu machen, Mats Hummels zu schlimmen Fehlpässen zu verleiten, die Außenverteidiger schlecht aussehen zu lassen und das Mittelfeld so zu verunsichern, dass es den Ball phasenweise nicht mal mehr in die gegnerische Hälfte bekommt, dann sind das keine guten Zeichen.

Schönreden

Das DFB-Team wird sich natürlich dennoch für die WM in Brasilien qualifizieren, doch in der aktuellen Lage ist es sehr wahrscheinlich, dass irgendwann im Turnierverlauf ein Gegner kommt, der die Schwächen der jungen Mannschaft erneut gnadenlos aufzeigen wird, so wie es die Spanier zwei Mal und Italien ein Mal geschafft hat. Bei der WM 2010 siegte Deutschland beispielsweise im Achtelfinale gegen England mit 4:1, doch im Nachhinein wird gerne vergessen, dass die Löw-Truppe auch damals erheblich wackelte und das Duell mit dem regulären Treffer von Frank Lampard 2:2 gestanden hätte. Im Nachhinein wurde von einem großen Sieg geredet – „Anzeigetafel-Journalismus“.

Bis nach Brasilien ist es noch lange hin und Jogi Löw hat noch genug Zeit, um mit seiner Mannschaft an den Problemen zu arbeiten. Die Ergebnisse stimmen bislang – jetzt müssen am besten noch die Leistungen zu diesen Ergebnissen passen.

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