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Nach dem Anschlag in Gaziantep mit neun Toten und vielen Verletzten wurde Fenerbahce gegen Moskau ein Zeichen des Respekts und des Andenkens von der UEFA verweigert.

KOMMENTAR
von Christian Ehrhardt

Istanbul. Manchmal kann man anlässlich der Aussagen und Entscheidungen der UEFA nur noch verständnislos den Kopf schütteln. Fenerbahce Istanbul hatte im Vorfeld der Qualifikationsbegegnung zur Champions League gegen Spartak Moskau bei der UEFA angefragt, ob man angesichts der zahlreichen Opfer des Bombenanschlags vom 20. August in Gaziantep mit einem Trauerflor spielen dürfe. Damit wollten die Spieler und der Verein Fenerbahce den Opfern und ihren Hinterbliebenen ihren Respekt sowie ihr Mitgefühl ausdrücken. Dieses Zeichen der Solidarität und der Anteilnahme wurde dem Klub und seiner Mannschaft durch die UEFA unter sehr fadenscheinigen und peinlichen Gründen verweigert.

Anschlag in Gaziantep zum Zuckerfest

Die Türkei befand sich bis zum gestrigen Dienstag, wie viele muslimische Länder, in der Feierphase nach Ramadan. Beendet wird die Fastenzeit mit dem Zuckerfest, das mit dem Opferfest die höchsten islamischen Feiertage bildet. In diese Zeit des Feierns wurde Gaziantep und seine Bevölkerung Ziel eines feigen und hinterhältigen Bombenanschlags. Neun Menschen wurden bei dieser Attacke getötet, zwischen 50 und 70 Menschen zum Teil schwer verletzt. Gerade dann ist es eigentlich nur natürlich, dass man auch beim Sport eine Sekunde verharrt und eventuell den getöteten Frauen, Kindern und Männern gedenkt. Das – und sonst nichts – wollte Fenerbahce tun und stieß bei der UEFA auf taube Ohren und Ablehnung.

UEFA mit unverständlicher und skandalöser Entscheidung

Auf die Anfrage von Fenerbahce, ob man in der Partie gegen Moskau mit Trauerflor auflaufen dürfe, mit welchem man der Opfer des Terroranschlags von Gaziantep gedenken wollte, erhielten die Verantwortlichen des Klubs vom Bosporus eine Antwort, bei der sie sich garantiert erst einmal ungläubig die Augen gerieben haben werden. Die UEFA verweigerte diese Minimalform des Respekts vor den Opfern mit der Aussage, die Taten und die Opfer hätten keinerlei Bezug zum Fußball oder zum Sport allgemein. Bitte was? Weil kein Sportler unter den Opfern war, untersagt man es Fenerbahce, toten türkischen Mitbürgern ihren Respekt zu zollen? Muss Mitgefühl und Ehrerbietung im Sport einen sportlichen Hintergrund haben?

Fatih Terim reagierte nach dem Spiel gegen Kasimpasa vorbildlich

Im Anschluss an die Auftaktpartie gegen Kasimpasa sollte Löwen-Coach Fatih Terim von Lig TV interviewt werden. Der Trainerfuchs, der im Vorfeld zum Spiel von den Bombenanschlägen erfahren hatte, lehnte einen Talk über Fußball mit den Worten ab: „Ich wollte hier über Fußball reden und die Fragen beantworten. Allerdings habe ich mich sehr aufgeregt, nachdem ich von dem Anschlag in Gaziantep gehört habe. Es wird viel Blut vergossen, Brüder bringen Brüder um und man sollte sich schämen. Was geschieht nur in diesem Land? Glauben Sie mir, ich möchte in diesem Moment echt nicht über Fußball sprechen. Ich bin so wütend und traurig. Ich entschuldige mich bei der Presse, aber bitte erwarten Sie am heutigen Abend keine Aussagen zum Spiel mehr von mir.“

Was ist nur mit der UEFA und den Sportvereinigungen allgemein los?

Schon zu Olympia war man geneigt, den Kopf zu schütteln, weil das IOC sich weigerte, anlässlich des 40. Jahrestages des Olympia-Attentats von München die Spiele mit einer Gedenkminute an die Opfer zu beginnen. Nun folgt die UEFA mit einer nicht weniger rüden und skandalösen Entscheidung. Regieren nur noch das Geld und der Profit im Sport? Ist jede Menschlichkeit und der Respekt vor dem Leben der Menschen, die Sportevents verfolgen und die für die Einnahmen sorgen, auf der Strecke geblieben? Was hätte es den Sport und die UEFA gekostet, die Spieler von Fenerbahce mit einem Trauerflor spielen zu lassen? Nichts! Aber man hätte damit viel gewonnen – nämlich den Respekt. Ich möchte mich der abgewandelten Worte Fatih Terims bedienen: Schäm dich, UEFA. Wer das Fair Play im Logo wie eine Monstranz vor sich herschiebt, der sollte sich überlegen, ob er das nach so einer peinlichen Aktion noch ruhigen Gewissens tun kann.

Die UEFA sei aufgerufen, sich ein Beispiel an der Federation Internationale de Basketball (Sektion Europa) zu nehmen. Im EM-Qualifikationsspiel der Türkei, die auswärts gegen Italien antreten musste, war es für die FIBA kein Problem, sondern eine Frage der Ehre, dass die türkischen Spieler mit einem Trauerflor als Zeichen des Respekts vor den Toten und Verletzten antreten durften. Aber vielleicht hat der Basketballsport ja nur noch nicht ganz die Bodenhaftung sowie den Blick fürs Wesentliche verloren.

EURE MEINUNG: Hätte die UEFA Fenerbahce das Tragen des Trauerflors erlauben müssen und sollte die UEFA anfangen, ihre Position zu überdenken?
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