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Andriy Voronin ist der 17. Neuzugang von Fortuna Düsseldorf. Durchdacht wirken die Transfer-Aktivitäten des Aufsteigers nicht immer. Der Umbruch ist aber notwendig.

Düsseldorf. In Andriy Voronin hat Fortuna Düsseldorf den 17. neuen Spieler für die kommende Saison verpflichtet. Für ein Jahr kommt der Ukrainer auf Leihbasis vom russischen Erstligisten Dynamo Moskau. Angesichts der Vielzahl an Transfers unken die Kritiker, da sei das Motto wohl „Masse statt Klasse“ gewesen. Nur wenige können verstehen, warum der Aufsteiger den Kader komplett umbaut anstatt auf bewährte und zuletzt erfolgreiche Kräfte zu setzen.

Die Erklärung ist simpel: Es gibt keine Alternative zum großen Umbruch. Ein Grund sind die Abgänge von drei Aufstiegshelden. Innenverteidiger Assani Lukimya wechselte zu Werder Bremen, Maximilian Beister ging zurück zu seinem Stammverein Hamburger SV, und Thomas Bröker entschied sich für einen Wechsel zum 1. FC Köln – wohl nicht zuletzt, weil ihm der Zweitligist ein höheres Gehalt geboten hat als Fortuna.

Dort liegt ein weiteres Problem der Fortuna. Es fehlen die finanziellen Mittel, um hochkarätige Spieler zu behalten und jene zu holen, die garantiert und sofort in der Bundesliga einschlagen. Zwar ist der Westklub seit Ende vergangenen Jahres schuldenfrei, mit 15 Millionen Euro ist der Etat aber einer der niedrigsten in der Eliteklasse.

Fortuna braucht Phantasie

Also ist Phantasie bei den Entscheidungsträgern gefordert. Das war schon bei Beister und Lukimya so, die erst in Düsseldorf auf ein Leistungsniveau kamen, das sie für ambitionierte Erstligisten interessant machte. Und das wird auch bei vielen Neuzugängen so sein.

Trainer Norbert Meier und Manager Wolf Werner müssen sich vorstellen können, dass junge Talente wie André Fomitschow und Ronny Garbuschewski, die in diesem Sommer gekommen sind, den Verein einmal nach vorne bringen können.

Sie müssen sich erklären können, warum ein in Augsburg gescheiterter Stürmer wie Nando Rafael in Düsseldorf plötzlich die Tore zum Klassenerhalt schießen soll, und wie ein Innenverteidiger namens Bruno Soares, der in Duisburg nur ein mittelmäßiger Zweitliga-Spieler war, nun Mario Gomez und Robert Lewandowski stoppen soll.



Was will Fortuna mit Al-Huthayfi?

Den Düsseldorfer Fans bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass die Entscheidungsträger ihr Gefühl bei den Transfers nicht täuscht. Dennoch werden auch sie sich fragen: Was will Mazin Ahmed Al-Huthayfi, 26 Jahre alter Rechtsaußen und zuletzt tätig beim saudi-arabischen Erstligisten Al-Ittihad, bei Fortuna? Diese Verpflichtung erinnert dann doch an Chaos-Käufe à la Felix Magath.

Der Voronin-Deal dagegen macht Sinn. Der Ukrainer hat seine Klasse bei sämtlichen seiner Stationen unter Beweis gestellt, womöglich wird der 33-Jährige zum Anführer der zusammengewürfelten Truppe. Voronin hat Champions League gespielt, stürmte in Mönchengladbach, Köln, Leverkusen und Berlin in der Bundesliga. Im Nationaltrikot machte er 74 Länderspiele.

Wer sagt, Fortuna habe es versäumt, im Hintergrund eine schlagkräftige B-Mannschaft zusammenzustellen, liegt richtig. Aber die Kritik ist unberechtigt. Erst vor drei Jahren stieg Düsseldorf in die zweite Liga auf, schon jetzt gelang der ganz große Sprung. Das Konzept des Klubs musste ein kurzfristiges sein, es musste schnellen Erfolg garantieren, um die riesige Euphorie auszunutzen.

Wundertüte Düsseldorf

Der Nachteil: Spieler wie Sascha Rösler, Michael Ratajczak und Ranisav Jovanovic waren zwar gut genug, um die Fortuna in die Bundesliga zu schießen. Aber nicht nur Meier und Werner waren der Meinung: Für die Eliteklasse selbst reicht das nicht. Also mussten sie gehen, um Platz zu machen für Personal, das größere Hoffnungen weckt.

Fortuna ist die Wundertüte der kommenden Bundesliga-Saison. Der Klassenerhalt ist drin, der Abstieg aber genauso gut möglich. Wenn der Klub am Ende tatsächlich zurück in die zweite Liga stürzt, darf nur niemand sagen: Der Umbruch im Vorfeld war ja auch eine törichte Idee.

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