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Ricardo Quaresma hatte nach seiner Rückkehr in die Türkei deutlich gesagt, er wolle weiter für Besiktas spielen und auf Gehalt verzichten. Doch auch das ignoriert Fikret Orman.

Kommentar
Von Christian Ehrhardt

Istanbul. Kaum ist es mal einige Tage ruhiger um Besiktas Istanbul, schafft es Präsident Fikret Orman erneut dadurch, dass er ein Mikro entdeckt und fröhlich drauflos plappert, all diese Ruhe, welche die Mannschaft eigentlich dringend nötig hätte, über den Haufen zu werfen. Nicht nur, dass er die ausgestreckte Hand von Publikumsliebling Ricardo Quaresma wegschlägt, nein, nun vergleicht er sich auch noch mit den spanischen Topvereinen Real Madrid und FC Barcelona. Wobei er positiv von Barca spricht, aber bar jedes Wissens über Real mal wieder ein Fettnäpfchen besetzt.

Quaresma soll gehen

Direkt nach seiner Ankunft in Istanbul hatte sich Ricardo Quaresma, portugiesischer Nationalkicker und neben Manuel Fernandes letzter Star sowie Publikumsliebling im massiv ausgedünnten Besiktas-Kader von Trainer Samet Aybaba, positiv hinsichtlich seiner Zukunft in der Türkei geäußert. Er wollte sogar auf Gehalt verzichten, um dem Verein zu helfen und den Fans ihre Sympathie zu ihm zurück zu zahlen. Doch auch das klare Bekenntnis stößt bei Präsident auf taube Ohren. Anstatt mit dem Spieler und Star des Teams zu sprechen, von dem junge Spieler lernen könnten, zerschneidet er ohne Not gegenüber der Zeitung Radikal das Tischtuch.

Plappernder und selbstdarstellender Lautsprecher, sobald ein Mikro nahe ist

Im Trainingslager von Besiktas nutzte Orman wieder einmal die günstige Gelegenheit und hämmerte in die Mikros. Und das frei nach dem Motto: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. „Ich habe meine Sichtweise zu unserem Spieler Quaresma schon häufig mit der Presse geteilt. So ein Spieler ist schlicht und ergreifend zu teuer für uns. Insgesamt, also in den letzten beiden Jahren kommen wir als Verein an Kosten für den Spieler auf fast 18 Millionen Euro. Auch wenn ich gesagt habe, sollte der Spieler mit einer Gehaltskürzung einverstanden sein, planen wir weiterhin mit ihm und verlängern sogar, war das falsch. Da unser Trainer Aybaba nicht mit ihm plant und arbeiten will, wird sich Quaresma einen neuen Klub suchen müssen. Trotzdem, auch wenn wir ihn verkaufen wollen, möchten wir eine angemessene Ablösesumme für ihn erzielen. Uns hat er 7,3 Millionen Euro gekostet und in die Nähe dieser Summe wollen wir bei einem Verkauf kommen. Je mehr wir uns dem Betrag nähern, desto besser.“


„Ich weiß nur zu genau, was es bedeutet, nichts zu haben und wenn ich meinen finanziellen Beitrag leisten kann, dass BJK aus der Krise kommt, werde ich das tun, um hier zu bleiben. Ich will meine Schuld bei den Fans begleichen, die stets zu mir gehalten haben und mit Besiktas gemeinsam die Meisterschaft erringen.“

- Ricardo Quaresma

Neue Transferstrategie geplant

„Auch wenn unsere aktuellen Transfers nicht von einem System künden, so werden wir das für die Zukunft ändern. Jeder Spieler, der für uns in Frage kommt, wird beobachtet werden und zu den Beobachtungen werden Berichte gefertigt. Nur wenn der Spieler wirklich zu uns passt, werden wir ihn zu uns holen. Wir brauchen ein System. Dafür wird ein Kommitee ausgebaut und ein System fürs Scouting aufgebaut. Darum wird Besiktas in der Zukunft keine teuren Stars mehr kaufen, sondern gezielt die eigenen Nachwuchsspieler stützen und über Ergänzungstransfers den Erfolg holen“, sagte Orman in Österreich. Es ist ja fast revolutionär zu nennen, dass der Fachmann in Sachen Transfers ein geschriebenes Berichtsystem zu Spielern einführen will – und das in Zeiten, wo es zu quasi jedem Spieler Bildmaterial gibt. Wäre es nicht so elend traurig, was der Mann in die Mikros spricht, man wäre fast geneigt, ob der unfreiwilligen Komik zu lachen.

Barca ist das Vorbild, nicht die Königlichen

„In Spanien gilt Real Madrid, die Königlichen, als das Team des spanischen Königs. Darum war es Real schon immer vergönnt, jeden Spieler zu kaufen, den sie haben wollten. Als Barcelona dann erkannte, dass sie auf der Ebene nicht mit den Königlichen konkurrieren konnten, bei denen die Transfers viel Geld kosten und die Spieler teuer sind, haben sie sich auf andere Bereiche konzentriert. Es ging alles über den eigenen Nachwuchs von Barcelona und mit dem bauten sie ein tolles System auf. Darum ist der FC Barcelona unser Vorbild und danach wollen wir Besiktas aufbauen“, fuhr Herr Orman fort.

Natürlich ist die Jugendarbeit von Barca vorbildlich zu nennen. Aber zu behaupten, Barca tätige keine hohen Transferausgaben und würde keine hohen Spielergehälter zahlen, ist realitätsfremder Nonsens, der eigentlich dem Präsidenten eines Fußballvereines unwürdig ist. Alleine Fabregas kostete Barca 34 Millionen Euro – die eventuell sogar auf rund 40 Millionen ansteigen können. Oder David Villa. Er kostete ebenso 40 Millionen Euro. Und Alexis Sanchez, der immerhin am Ende 38 Millionen gekostet haben wird. Damit wären diese drei Spieler – immerhin fast 120 Millionen an Transfersummen - um rund das Doppelte teurer, als der gesamte Besiktas-Kader an Wert besitzt. Wie kommt dieser Mann also auf die verwegene Idee, Barca würde keine Stars transferieren? Und wieso wird er dafür nicht bei Pressekonferenzen einfach ausgelacht, wenn er so einen Unsinn redet?

Sollte Besiktas weiterhin den Anspruch erheben wollen, dass man den Verein und seine Vereinsführung ernst nimmt, sollte man schleunigst dafür Sorge tragen, Fikret Orman von Mikros fern zu halten. Nicht nur die Spieler sollten durch professionellen Umgang mit den Medien bestechen, das gilt auch und ganz besonders für die Vereinsführung.

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EURE MEINUNG: Sollte man Fikret Orman mit einer außerordentlichen Mitgliederversammlung stoppen, bevor er noch mehr Schaden anrichtet?
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