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Mit Paolo Guerrero verlässt der dienstälteste Spieler der Rothosen den Verein. Ein Ausfall, der intern nicht zu kompensieren sein wird.

Hamburg. Die Nachricht kam überraschend, viele Fans schienen diesen Tag jedoch herbeigesehnt zu haben. Paolo Guerrero wechselt nach sechs Jahren beim Hamburger SV zu Corinthians Sao Paolo. Er hinterlässt eine sportliche Lücke, die mit eigenen Mitteln nicht zu stopfen sein wird. Ein Kommentar.

Die Meinungen über ihn gehen weit auseinander, aber grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass der Großteil der Fans diesen Verkauf nicht bedauert. Guerrero hat in seiner Zeit beim Hamburger SV Fehler gemacht, die ihm nicht mehr verziehen wurden und ihn schon früh in eine Schublade gedrängt haben.

Ich möchte hier kein Plädoyer für Guerrero halten, sondern an diesem Beispiel darauf hinweisen, dass wir uns alle, Medien und Fans, auch selbst hinterfragen müssen. Der Beruf des Fußballprofis, so schön und glamourös er auch sein kann, hat definitiv auch eine Schattenseite. Hinter jedem Fußballer steckt ein Mensch mit ganz persönlichen Eigenheiten und Problemen.

Guerrero war stets selbst sein größter Kritiker. Er hasst Niederlagen und vor allem – Ungerechtigkeit. So emotional und temperamentvoll er auf dem Platz agierte, umso verwunderlicher war das Bild, was er nach dem Spiel ablieferte. Ein schüchterner, zurückhaltender und stets höflicher junger Mann, der sich fast immer für alle Fragen Zeit nimmt und in der schwierigen Phase in der letzten Saison zu den wenigen gehörte, die sich den kritischen Fragen auch gestellt haben.

Doch manchmal brannte eben auch eine Sicherung durch und wir erlebten einen Guerrero, der den Unmut vieler Stadionbesucher auf sich zog. Sein Flaschenwurf und das brutale Foul gegen Uhlreich werden an ihm haften bleiben. Wüste Beschimpfungen und Pfiffe waren die Folge – mit dem Finger zeigte jedoch niemand auch auf die, die sich auf den Rängen nicht benehmen konnten.

Legitimiert wird dieses Verhalten seitens dieser „Fans“ stets damit, dass ein Fußballprofi doch haufenweise Geld verdient und mit Kritik umgehen muss. Jeder Art von Kritik. Aber macht man es sich damit nicht viel zu einfach? Können und dürfen wir unsere eigenen emotionalen Ausbrüche mit dem Kontostand anderer Menschen rechtfertigen? Und dabei vergessen wir, dass es sich um junge Erwachsene handelt. Guerrero zog als Teenager von Zuhause aus und erlebte, auf sich allein gestellt, eine Welt mit teils anderen Vorstellungen und Erwartungen.

Sportlich werden die verbleibenden Stürmer die Lücke nicht schließen können. Die Zeiten, in denen man Stürmer nur nach Toren misst, gehören längst der Vergangenheit an. Guerrero gehört zu den wenigen Spielern im Kreise der Hamburger, die sich in den vergangenen Jahren spielerisch stetig weiterentwickelt haben. Zu seinen besonderen Stärken gehörte es, hohe und lange Bälle innerhalb weniger Augenblicke auf den Boden zu bringen und zu kontrollieren. Gerade im so kreativlosen Spiel des HSV eine wichtige und notwendige Option. Dem kritischen Zuschauer ist diese Spielweise nicht attraktiv genug. Und genügend Tore hat Guerrero auch nicht erzielt. Ich hingegen wünsche ihm viel Erfolg.

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