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Auf dem Transfermarkt geht es nun in die spannende Phase, nur vom VfB Stuttgart ist nichts zu hören. Ein Risiko, wie VfB-Experte Julian Wöhr in seinem Kommentar meint.

Stuttgart. Wenn es sogar die Kanzlerin sagt, dann muss es ja wohl stimmen. Im Zuge der Finanzkrise verwies Angela Merkel einmal auf die schwäbische Hausfrau, die nur so viel Geld ausgibt, wie sie auch zur Verfügung hat und die stets solide wirtschaftet. Hat sich der VfB Stuttgart dieser Devise nun auch verschrieben? Der Rest der Liga ist sich in seinem Urteil also schnell einig: typisch Schwaben. Allerdings: Das Verhalten der Schwaben in dieser Transferperiode wirft Fragen auf und könnte sich rächen.
VFB: DIE FÜNF TEUERSTEN NEUZUGÄNGE
Spieler
Kumanovic

Tomasson
Meira
Marica
Boulahrouz

Jahr

2009
2005
2001
2007
2008


Klub

Fiorentina
AC Milan
Benfica
Shachtjor
Chelsea

Ablöse
9 Mio €
8 Mio €
8 Mio €
7 Mio €
5 Mio €

Hohe Transfereinnahmen

Seit Jahren nimmt der VfB Stuttgart jeden Sommer durch hohe Transfererlöse mehrere Millionen Euro ein. Schließlich wurden Stars wie Mario Gomez, Sami Khedira, Christian Träsch und viele andere verkauft. Jüngstes Beispiel ist der Abgang von Julian Schieber in Richtung Dortmund. Seit dem Abgang von Aljaksandr Hleb im Jahr 2005 zum FC Arsenal für mehr als zehn Millionen Euro Ablöse, war es immer die Aufgabe des jeweiligen Sportdirektors, das Geld in Neuzugänge zu investieren. So wurden unter anderem Yildiray Bastürk, Zdravko Kuzmanovic und Pavel Pogrebnyak verpflichtet.

Neuzugänge schlugen nicht ein

Das Problem bei der Sache: Die teuren Neuzugänge schlugen fast alle nie richtig ein. Das berühmteste Beispiel ist wohl Ciprian Marica, der nach der Deutschen Meisterschaft des VfB im Jahr 2007 als Verstärkung für die Champions League nach Stuttgart wechseln sollte, der aber richtig in Fahrt kam und schließlich im vergangenen Sommer für deutlich weniger Geld als er gekauft wurde an den FC Schalke 04 abgegeben wurde. Diese kostspieligen Akteure verdienten auch immer auf Champions-League-Niveau, was noch heute die Finanzen der Schwaben belastet und den aktuellen Sportdirektor Fredi Bobic auf dem Transfermarkt deutlich einschränkt.

Bobic´ Devise: Wenig Geld, großer Erfolg

Bevor wir uns der Rolle von Fredi Bobic beim aktuellen Sparkurs widmen, gilt es, einen Blick zurück zu werfen. Denn es war noch sein Vorgänger Horst Heldt, der Durchschnittskicker mit hoch dotierten Verträgen ausstattete. So musste Fredi Bobic in den vergangenen beiden Jahren zunächst einmal den Kader von diesen teuren Altlasten des Vorgängers befreien, was ein absolut notwendiger Schritt war, da seit 2009 die Champions League nicht mehr erreicht und 2011 das internationale Geschäft gar komplett verpasst wurde. Zuletzt wurde der Vertrag von Khalid Boulahrouz nicht mehr verlängert, weil der Niederländer zu den Topverdienern bei den Schwaben zählte.



Bilanz wird besser

Als Fredi Bobic das Zepter am Neckar übernahm, standen ihm also nicht die Millionenbeträge wie seinem Vorgänger zur Verfügung. Doch zur Überraschung vieler landete der Sportdirektor gute Treffer auf dem Transfermarkt in den letzten Jahren. Ein bis dahin in Deutschland unbekannter Shinji Okazaki begeisterte die Fans in der Mercedes-Benz Arena ebenso wie sein Landsmann Gotoku Sakai. Tamas Hajnal halt in der Vorsaison kräftig mit beim erfolgreichen Kampf gegen den Abstieg und Vedad Ibisevic – in diesem Winter von der TSG Hoffenheim verpflichtet – schlug ein wie eine Bombe und ist aus der Startelf der Stuttgarter nicht mehr wegzudenken. Der Verein für Bewegungsspiele gibt also mittlerweile weniger Geld aus auf dem Transfermarkt, der Ertrag hat sich aber gleichzeitig erhöht.

VFB: DIE FÜNF TEUERSTEN ABGÄNGE
Spieler
Gomez

Hleb
Khedira
Träsch
Leno

Jahr

2009
2005
2010
2011
2011


Klub

FC Bayern
FC Arsenal
Real Madrid
VfL Wolfsburg
Leverkusen

Ablöse
30 Mio €
15 Mio €
14 Mio €
9 Mio €
8 Mio €
Zu viel des Guten

Jetzt aber bewegt sich der VfB Stuttgart auf einem sehr schmalen Grat. In Tunay Torun und Timo Hoogland wurden lediglich zwei neue Spieler in diesem Sommer verpflichtet, weitere Neuzugänge stehen momentan nicht zur Diskussion, zumindest nicht zur öffentlichen – und das trotz der Doppelbelastung mit der Europa League im kommenden Jahr, die den VfB zumindest in der Hinrunde begleiten wird. Der Kader scheint nicht gerüstet zu sein für drei Wettbewerbe in einer Saison, sowohl in der Breite als auch in der Spitze wirkt er unvollendet.

Keine Frage: Dem Trainer Bruno Labbadia steht ein gutes Bundesliga-Team zur Verfügung, aber eben auch nicht mehr. Klar, die Finanzpolitik beim VfB ist vernünftig und Schulden verursachen nur ein viel größeres Problem. Und dennoch könnte die Sparpolitik den sportlichen Erfolg gefährden. Als Anhänger der Schwaben fragt man sich trotz der vielen Ursachen immer noch, wo denn die ganzen Transfereinnahmen der letzten Jahre hin sind. Bruno Labbadia hat schon im vergangenen Jahr sportlich besser abgeschnitten mit seinem Team, als es ihm die meisten Experten zugetraut haben. Vielleicht schafft er das wieder, leichter geworden ist diese Aufgabe allerdings nicht. Im Gegenteil, bei aller Vernunft geht der VfB ein hohes Risiko ein. Oftmals wird man dafür belohnt, angesichts der wirtschaftlichen Vernunft der letzten Jahre hätten es sich der VfB und seine Anhänger jedenfalls verdient.

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