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Liverpool sollte Aquilani und Cole zur „Rodgers-Revolution“ willkommen heißen

Beide waren in der letzten Saison ausgeliehen, aber haben geäußert, dass sie an der „Anfield Road“ bleiben wollen. Bekommen sie unter Rodgers eine neue Chance, sich zu beweisen?

KOMMENTAR
Von David Lynch

Wenn es zwei Spieler gibt, die am besten Liverpools Status als einen Klub, der im Übergangsprozess stecken geblieben ist, repräsentieren, dann sind das Joe Cole und Alberto Aquilani.

Zwar verbrachten beide die letzte Saison bei anderen Vereinen – Cole ausgeliehen an Lille, Aquilani an Milan – dennoch haben sie signalisiert, dass sie in Liverpool bleiben wollen würden, sollte der neue Boss Brendan Rodgers mit ihnen planen. Der Nordire wird diese Äußerungen begrüßt haben, sind Spieler, die bleiben wollen – wie Liverpool im Falle von Fernando Torres gesehen hat – doch die halbe Miete.

Finanzieller Part spielt eine Rolle

Ebenso wichtig wie das Urteil des früheren Swansea-Managers über ihre Vorzüge wird jedoch auch die Haltung der Fenway Sports Group (FSG) sein, die der Eigentümer der „Reds“ ist. Die im US-amerikanischen Boston ansässige Gruppe ist bestens bekannt dafür, die aufgeblähte Gehaltsliste des Vereins trimmen zu wollen. Und das Auftauchen von Cole und Aquilani unter den Top-Fünf-Verdienern des Klubs ist keine Statistik, die solch sparsame Geschäftsmänner gerne sehen werden.

Würde man solche „Gehaltsschwergewichte“ problemlos von der Gehaltsliste bekommen, indem man das Mittelfeldduo einfach erneut ausleihen würde, gäbe es wohl nur wenig Zweifel an ihrer Zukunft. Im letzten Jahr zahlte Liverpool jedoch einen großen Teil ihres Gehalts, obwohl sie nicht eine Minute für die Engländer spielten, und das ist ein Fehler den man nur ungern wiederholen will.

FSG muss nun abschätzen, ob weitere Ausleihen mit derart teuren Konditionen für den wichtigsten Teil ihres Produktes, nämlich der Mannschaft, wirklich gut sind. Wenn man über all diese Dinge nachdenkt, könnte man Cole und Aquilani ebenso gut die Chance geben.

Aquilani deutete seine Klasse an

Es ist nicht so, als hätten beide gezeigt, dass sie unfähig wären, bei Liverpool erfolgreich zu spielen. Besonders Aquilanis Situation ist rätselhaft, bedenkt man, dass er in seiner ersten Saison unter Rafael Benitez lediglich sporadisch spielte und dennoch regelmäßig seine Qualität unter Beweis stellte.
COMEBACK?

 ALBERTO AQUILANI
IM VEREIN SEIT
EINSÄTZE
TORE
TORVORLAGEN
2009
28
2
6

 JOE COLE
IM VEREIN SEIT
EINSÄTZE
TORE
TORVORLAGEN

2010
32
3
2

Ein 20-minütiger Einsatz als Einwechselspieler im DW Stadium war ein ungewöhnliches Highlight, da es aufgrund der Bedingungen nicht gerade ein Spiel war, wo man vom Italiener, dem man mentale Schwächen nachsagt, hätte erwarten können, zu glänzen. Weitere Topleistungen gegen Portsmouth im eigenen Stadion und, am beeindruckendsten, beim Halbfinalheimsieg über Atletico Madrid in der Europa League zeigten ebenfalls, dass der ehemalige Roma-Akteur auf jeden Fall die Fähigkeiten besitzt. Also warum sollte man es nicht probieren?

Kritik an Coles Fitness

Legte der Berater des 28-Jährigen nur ein Lippenbekenntnis ab, als er am Anfang der Woche behauptete, sein Klient sei froh, beim Verein zu bleiben? Es gibt viele Theorien über Aquilanis Bereitschaft, es weiterhin bei Liverpool zu versuchen, aber Rodgers wäre unklug, es nicht zumindest zu versuchen, einen Platz für den Italiener zu finden. Eine Situation, dass der ausleihende Klub einen halben Einsatz (mit anderen Worten eine Einwechslung) davon entfernt ist, eine Klausel zum Kauf auszulösen – wie es letzte Saison bei Milan der Fall war – darf auf keinen Fall noch einmal geschehen.

Im Falle von Cole richtete sich ein Großteil der Kritik am in London geborenen Mittelfeldspieler an seinen erkennbaren Mangel an Fitness während seiner ersten Saison bei den „Reds“. Nachdem nun aber nahezu jeder weiß, dass Mannschaften unter Trainer Roy Hodgson selten den Ballbesitz an sich reißen, gibt es ein logisches Argument dafür, dass der 30-Jährige in seinen ersten Spielen einfach nur so viel laufen musste wie nie zuvor in seiner Karriere – und das sah man.

Seine Leistungen in der Ligue Un geben Anlass, zu glauben, dass er in der nächsten Saison durchaus seinen Beitrag leisten kann. 42 Einsätze und neun Tore sind in jeder Liga ein viel versprechender Ertrag. Auch seine früheren Erfolge in einem System mit drei Offensivspielern – welches wohl auch Rodgers bei Liverpool spielen lassen wird – sind ein weiterer Grund dafür, dass man seine Rückkehr in Betracht ziehen sollte.

Kader in der Breite zu dünn

Es deutet also einiges darauf hin, dass beide Spieler in der nächsten Saison wichtige Rollen im Kader spielen könnten, auch wenn es reichlich Gründe dafür geben mag, dass sie keine Stammspieler werden. Wenn es aber etwas gibt, dass Liverpool durch das Fehlen von Lucas Leiva, Luis Suarez und Steven Gerrard in der letzten Saison gelernt haben sollte, dann, dass die Breite und die Qualität des Kaders in diesem Sommer verbessert werden muss.

Tatsächlich sollte man mal darüber nachdenken, dass die viel verspotteten Transferflops Stewart Downing und Charlie Adam auf den Positionen Stammplätze besaßen, auf denen das wiederkehrende Paar Cole/Aquilani am besten gespielt hat. Man könnte nur schwer dagegen argumentieren, dass Aquilani und Cole im Vergleich zu ihren Mitspielern eine deutlich spürbare Verbesserung sind.

Leistung letztlich entscheidend

FSG muss jetzt zumindest über die Möglichkeit nachdenken, auf Transferausgaben zu verzichten und dafür einfach einmal einen Schlag auf der Gehaltsliste hinzunehmen. Das langfristige Ziel, die wöchentlichen Gehälter der Spieler, die nur wenig Leistung bringen, zu drücken, ist aufgrund der drohenden Ankunft des Financial Fair Play vernünftig, aber es ist eben auch eines: langfristig.

Nach Jahren der Stagnation bei Liverpool macht sich bei der Fanbasis verständlicherweise langsam Ungeduld breit. Deshalb sind es gerade die Besitzer, die nun auch einmal die Vorzüge eines Klubs zeigen müssen, der gemäß ihrer Visionen finanziell effizienter ist.
 
Die Belohnungen für solchen Wagemut sieht man dort, wo es letztlich wirklich zählt: auf dem Platz.

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