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Allem Anschein nach zählt bei der DFB-Elf nicht mehr nur das Ergebnis. Die Siege sollen auch überzeugend sein. Ein Kommentar.

Berlin. Manchmal täte es gut, sich die nackten Fakten anzuschauen: Verlustpunktfreier Durchmarsch in der EM-Qualifikation, die Vorrunde der Euro 2012 ohne Punktverlust abgeschlossen, Gomez ist mit Dzagoev und Mandzukic auf dem ersten Platz des Torjäger-Rankings und er führt gemeinsam mit dem Spanier Silva die Scorer-Liste an. Man hat den Vize-Weltmeister Holland geschlagen, die gefährlichen Portugiesen mit Superstar Cristiano Ronaldo bezwungen und konnte auch gegen Dänen bestehen, die zu viel Chelsea geschaut hatten.

Jedes andere Land würde sich überschlagen vor Freude – nicht zuletzt unsere Nachbarn aus Holland – wenn deren Team so erfolgreich spielen würde. Nicht so Deutschland. Da wird gemeckert, gemoppert und das Haar in der Suppe gesucht. Da ist Gomez, der zwei wesentliche Wertungstabellen mit anführt, das Haar in der Suppe mit Namen „Angriff“. Da ist Özil, der ja nicht die ach so wichtige Hymne mitsingt – liebe Freunde, schaut euch mal Videos vom Endspiel 74 an, da hat auch kein Mensch die Hymne mitgeplärrt – plötzlich nur ein belastender Störfaktor im Mittelfeld.

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Da wird sich an Schweinsteiger hochgezogen, der im Spiel gegen Dänemark fast 13 Kilometer abgespult hat – eine Hausnummer, welche die meisten Zuschauer im Monat nicht absolvieren, sofern der Weg vom Wohnzimmer zum Kühlschrank oder der Toilette nicht besonders weit ist.

Ja, die Mannschaft hat 2006, 2008 und auch 2010 teilweise anbetungswürdigen Fußball geboten. Aber was war unter dem Strich drin? Genau, zwei dritte Plätze und ein Vizetitel. Hurra. Schön gespielt haben wir. Was haben wir gewonnen? Ja genau, die Bayern-Trophäe. Also nix. Nada. Null. Niente. Ich kann mich an etliche internationale Turniere erinnern, bei denen man schön spielte – und in Schönheit starb.

Und ich kann mich an Turniere erinnern, da wurde grottig gekickt, aber am Ende gewonnen. Das sind die Turniere, die der deutschen Elf noch heute den Respekt einbringen. Wie sagte Gary Lineker am 04. Juli 1990 so treffend: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnen die Deutschen.“ Ist es nicht das, was wir wollen? 90 oder 120 Minuten Fußball und am Ende haben „wir“ den Pokal?

Chelsea hat es vorgemacht, die Griechen haben es vorgemacht. Wichtig ist, dass du am Ende mit dem Eimer in der Hand und der güldenen Medaille um den Hals da stehst. Jahre später kräht kein Hahn mehr danach, wie du den Pott geholt hast. Und es ist noch niemanden ein Titel wegen Rumpelanfällen aberkannt worden.

Wenn ich ihn schon lese, den Kaiser und die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, schwillt mir der Kamm. Schön sollen sie spielen. Nein, Herr Kaiser, gewinnen sollen sie. Den Pott holen sollen sie. Da schert es mich einen Feuchten, wie sie auf das Podium gekommen sind. Nenne man es so, dass ich „chelseaisiert“ bin. Damit kann ich gut leben, wenn „wir“ Europameister sind.

Schauen wir uns kurz Gomez an. Zuerst kritisiert, dann lag ihm Fußball-Deutschland nach seinen KO-Schlägen gegen Portugal sowie gegen die Holländer zu Füßen und nun wird wieder nach Klose gejault, weil Gomez gegen Dänemark nicht traf. „Ja was wollts ihr denn?“, würde der Kaiser fragen. Gegen die Dänen hat er den Führungstreffer von Poldi vorbereitet. Ja was denn noch? Er bindet Verteidiger und öffnet dadurch Räume. Was kann er dafür, wenn die nicht genutzt werden?

Nein, liebe Freunde. Da muss etwas mehr „Demut“ ins Spiel kommen. Wir sollten wissen, was wir wollen: Entweder ein erfolgreiches Turnier mit dem Pott oder Hacke-Spitze-Eins-Zwei-Drei. Nicht wenige Fußballnationen beneiden uns um unser Team, denn sie wären gerne überhaupt dabei, wie beispielsweise die Türkei oder sie beneiden uns, weil sie gerne noch dabei wären, wie zum Beispiel Holland, Russland, Dänemark, Schweden, Irland oder der Co-Gastgeber Polen. Was würden diese Nationen dafür geben, mit dem deutschen Team tauschen zu können?: Nicht grandios gespielt, aber ohne Verlustpunkt weiter. Ein zweites Loch würden sich die Mannschaften, die Verbände und die Fans in den Bauch freuen.

Nicht so Deutschland. Wenn schon siegen, dann doch bitte perfekt und das auf jeder Mannschaftsposition. Ist es das, was „Deutschland“ nicht selten sehr unsympathisch rüberkommen lässt? Dieses Denken „Ich will alles und bin sonst nicht zufrieden“? Die konstante Suche danach, etwas zu meckern zu finden? Denkt zurück an die Champions League. Bayern München hat im „Finale dahoam“ streckenweise anbetungswürdigen Fußball zelebriert und am Ende hat Chelsea mit der Trophäe in der Hand gefeixt – bescheiden gespielt, Anti-Gekicke neu definiert und perfektioniert, aber gewonnen. Und ab dafür.

Ja – und ab dafür! So sollte das Motto lauten. Deutschland ist im Viertelfinale. Da ist Griechenland eine lösbare Aufgabe. Spielt nicht schön, gewinnt einfach. Ihr müsst sie nicht zerstören, kein Fußballfest abfackeln, denn ein Tor Unterschied reicht aus. Das im Halbfinale und im Endspiel wiederholen und ihr seid Europameister. Drei Siege noch.

Wollt ihr meine ehrliche Meinung wissen? Ja? Mich interessiert es kein Stück, wie die drei Siege zustande kommen, solange am 01. Juli Deutschland mit dem Pott da steht und sie rufen „Hier ist das Ding!“. Es darf dafür auch in den kommenden drei Spielen gerne gerumpelt werden was das Zeug hält, denn das ist am 02. Juli schon kein Thema mehr. Ach was schreibe ich? Von wegen 02. Juli! Am 01. Juli um 22.35 Uhr deutscher Zeit auf den Fanmeilen wäre es schon kein Thema mehr, wenn Fußball-Deutschland gemeinsam die Europameisterschaft feiert. Und das ist es doch, was zählt. Oder etwa nicht mehr? Für mich schon – aber ich bin ja auch „chelseaisiert“.

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