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Carles Puyols schwere Verletzung torpediert Spaniens EM-Pläne und könnte das Ende einer großen Länderspiel-Karriere bedeuten

Der 34-Jährige Veteran fällt sechs Wochen lang aus und wird damit die EM verpassen. Es dürfte das Ende einer glanzvollen Nationalmannschafts-Karriere sein.

Barcelona. Es ist die schlimmstmögliche Nachricht für Spanien: Einen Monat vor dem Start der Europameisterschaft bangt „La Roja“ weiter um die Fitness von Rekordtorjäger David Villa. Und nun der Schock: Abwehrchef Carles Puyol muss sechs Wochen lang pausieren und das bedeutet, dass der Kapitän des FC Barcelona mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nach Polen und in die Ukraine reisen wird.

Puyol wurde nach dem 4:0-Heimsieg seines Arbeitgebers im Derby über Espanyol eingehend untersucht und muss sich nun einer Arthoskropie im Knie unterziehen. Die wird ihn für eineinhalb Monate außer Gefecht setzen. Ein früheres Comeback wird als unwahrscheinlich eingestuft, zumal der Innenverteidiger sich mittlerweile im Spätherbst seiner Karriere befindet. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass eine der herausragenden Figuren in der Geschichte der „Seleccion“ nicht mehr ihr Trikot tragen wird.

Puyol ist stolzer Katalane, doch er spielte seit seinem Debüt im Jahr 2002 stets voller Herzblut für sein Land. Er lief auch angeschlagen auf, ließ sich fitspritzen und ging mit der Nationalamannschaft durch dick und dünn. Auch in den schlechten Zeiten konnte sich Spanien stets auf Puyol verlassen. Der Routinier blickt mittlerweile auf jede Menge Turniererfahrung zurück: Er spielte bei drei Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften. Er nahm an den Olympischen Spielen teil und kam auch beim Confederations Cup zum Einsatz.

Immer voller Hingabe und Ehrgeiz, hat der Verteidiger jede Menge Weggefährten kommen und gehen sehen. In zentraler Position war er der Anführer der Mannschaft, deren Kapitän Real Madrids Iker Casillas ist

PUYOLS BESONDERE MOMENTE

MEHR ZU
CARLES PUYOL

Spanien - Holland 1:2 - 15. November, 2000
Zwar endete die Partie mit einer Niederlage für Spanien, doch für Puyol war es der Beginn einer Ära: Denn in Sevilla absolvierte er sein erstes Länderspiel.
Spanien - Deutschland 1:0 - 29. Juni, 2008
Puyol war Spaniens Fels in der Brandung beim ersten Titelgeinn der Iberer seit 1964. Er wurde anschließend in die Mannschaft des Turniers gewählt.
Spanien - Deutschland 1:0 - 7. Juli, 2010
Der Barca-Kapitän war der Kopf der Spanier beim Gewinn des WM-Titels. Im Duell mit Deutschland erzwang er seinen dritten Länderspieltreffer und damit dein Einzug in das Enspiel um den größten aller Titel.


Puyol verhalf Spanien zunächst bei der EM 2008 zum ersten Titel seit 1964 und war anschließend beim WM-Triumph zwei Jahre später erneut eine Schlüsselfigur. Unvergessen bleibt dabei sein wuchtiger Kopfball nach Xavis Ecke im Halbfinale gegen die DFB-Elf: Voller Kraft und purem Willen, stellte er den Sieg über Deutschland sicher.

Nach diesem Erfolg erklärte Puyol (damals 32), er werde noch mindestens zwei weitere Jahre für die Nationalelf auflaufen. Allerdings hatte er schon in der anschließenden Saison immer wieder mit Knieproblemen zu kämpfen und musste sich deswegen im vergangenen Sommer bereits einer Operation unterziehen. Zunehmend machten sich Zweifel an der Fitness des Kämpfers breit.

Doch wie gewohnt arbeitete Puyol hart für sein Comeback und auch in der aktuellen Spielzeit wirkte die Defensive der Elf von Pep Guardiola deutlich stabiler, wenn Puyol im Zentrum agierte. Es darf allerdings dabei auch nicht unter den Teppich gekehrt werden, dass ihm der eine oder andere (ungewohnte) Fauxpas unterlief. Zum Beispiel in den letzten Wochen gegen Real Madrid oder den FC Malaga.

Nun muss er wieder bei Null anfangen. Puyol wird den Willen haben, es erneut zu schaffen, das ist sein Markenzeichen. Aber so langsam beginnen sich die Verletzungen auf sein Spiel auszuwirken. 99 Einsätze hat er für die „Furia Roja“ absolviert und möglicherweise wird er die 100-Spiele-Grenze nicht mehr erreichen. Jedenfalls nicht in diesem Sommer.

In der Zwischenzeit müssen sich die Spanier einen Plan B einfallen lassen. Eine Option wäre, Sergio Ramos von der rechten Seite in die Defensiv-Zentrale zu ziehen. Der Ex-Spieler vom FC Sevilla war auf dieser Position für Real Madrid in den letzten Monaten herausragend und könnte nun dort an der Seite Gerard Piques auch für Spanien glänzen.

Pique selbst hatte in dieser Saison mit ein paar Problemen zu kämpfen. Dennoch dürfte er unter Trainer Vicente Del Bosque zum Stammpersonal zählen. Rückt also Ramos nach innen, wäre der Weg für dessen Klubkamerad Alvaro Arbeloa als Rechtsverteidiger frei.

Eine weitere Möglichkeit auf der Außenbahn wäre Athletic Bilbaos starker aber unterschätzter Javier Iraola. Sein Mannschaftskamerad Javi Martinez dagegen könnte in der Innenverteidigung auflaufen. Martinez hat in Bilbaos defensivem Mittelfeld eine famose Saison hinter sich.

Wer auch immer spielt, Spanien wird stark sein. Doch Puyol zu ersetzen, ist unmöglich. Sowohl auf, als auch außerhalb des Platzes. Del Bosque selbst hat den Ausfall als „schweren Schlag“ bezeichnet. Der Nationalmannschaft fehlt beim Highlight des Sommers und vielleicht sogar für immer eine Attraktion: Fußballfans aus allen Ländern hoffen, dass die Klappe noch nicht gefallen ist und es mit dem 100. Länderspiel weitergeht. Einfach nur, weil es so nicht enden sollte.

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