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Nicht nur die Partie in Köln, es gibt noch viele andere Beispiele. Die Gewalt ufert aus. Es muss langsam ein Ende finden. Die echten Fans müssen sich offen dagegen zeigen.

KOMMENTAR |
Von Fabian Biastoch

Köln. Es war wieder einmal so weit. Die Gewalt ist eskaliert. Nach dem Spiel des 1. FC Köln gegen den FC Bayern München zog eine schwarze Rauchwolke von der Südtribüne im Rhein-Energie-Stadion über das Spielfeld. Im Schatten des Rauchs stürmten teils vermummte „Fans“ gen Innenraum. Sie zerrissen das Fangnetz und gingen auf die, auf sie wartenden Polizisten los. Eine Prügelei mit 20 leicht verletzten Menschen ist die Folge. Doch auch am Abend des 34. Spieltages soll sich in den privaten Häusern und Wohnungen der FC-Spieler noch einiges abgespielt haben. Im Haus von Kapitän Geromel sollen Betrunkene randaliert haben, der Kapitän war noch nicht zu Hause. Vielleicht sein Glück.

Neuer Höhepunkt in Köln

Das Spiel am Wochenende ist nur ein weiterer Höhepunkt der Gewalt im Fußball. Aber auch die Prügeleien rund um das Spiel von Werders Zweiter kommen immer häufiger vor. Uns allen ist noch das Pokalspiel der Dresdner in Dortmund im Kopf oder der Banner von Eintracht-Ultras, die sich stolz als „Deutsche Randalemeister 2011“ betiteln. Auch die Meldungen aus der Regionalliga Nord, in der „Fans“ des 1. FC Magdeburg den Spieler Daniel Bauer vor seiner Haustür bedrohten. Er hatte nicht das Glück Geromels und war zu Hause. Er verließ fluchtartig die Stadt an der Elbe. Er unterschrieb inzwischen bei Eintracht Trier.

Daniel Bauer in Magdeburg bedroht

Das sind nur Beispiele, doch sie sind erschreckend. Bei schlechten Spielen oder gar Abstiegen ist die Wut und Trauer groß. Dafür habe ich vollends Verständnis. Ich selbst leide mit meiner Mannschaft, da sie in der Regionalliga Nord ganz unten steht. Ja, ich bin Fan eben diesen 1. FC Magdeburgs. In der Region gibt es viele kleine Vereine, doch nur einen großen, den FCM. Als ich die Meldungen von den Attacken gegen Bauer las, habe ich mich wahrlich geschämt. Geschämt für den Verein und für den Fußball. 2006 hieß es noch „Zu Gast bei Freunden“, heute kann man das leider nicht immer sehen. Die Gewalt ist eskaliert, nicht nur in unteren Klassen, auch im Profifußball.

Ich habe schon so viele Spiele in den verschiedensten Stadien in Deutschland, ja der Welt besucht. Doch so viel Angst, wie heute ist wohl selten gewesen, gerade bei sogenannten „Risikospielen“. Davon gibt es gefühlt immer mehr. Ja selbst in der fünften Spielklasse oder in den Bezirksklassen ist erhöhtes Gewaltpotenzial. In der Oberliga müssen aufgrund von Sicherheitsbedenken auch mal Spiele im Leipziger WM-Stadion ausgetragen werden. In einem Stadion, welches mehr als 40.000 Zuschauer fasst! Ein Oberligaspiel, bei dem sonst nicht mehr als ein paar Tausend Besucher zu den Spielen gehen! In einem WM-Stadion!

„Das sind keine Fans, das sind Idioten, die die Fußballbühne nutzen.“

Wie es schon Mario Gomez nach dem Spiel in Köln sagte, „das sind keine Fans, das sind Idioten, die die Fußballbühne nutzen.“ Gewaltbereite Fans benutzen Spiele nur, um sich zu prügeln. Ob nun Köln, Dresden oder andere Vereine, egal. Es muss einfach etwas passieren! So kann es nicht weitergehen! Schon Dynamo Dresden hat nach Hilfe gerufen, doch die mediale Berichterstattung ist auch schon wieder abgeebbt und so ist es scheinbar auch aus den Augen, aus dem Sinn. Der DFB wollte eine drakonische Strafe gegen den stets finanziell klammen Verein aus der Elbmetropole verhängen: Pokalsperre! Unvorstellbar, für diesen Verein und für noch so viele andere. Da steckt Geld drin, ja, sogar ganze Etats planen damit. Es ist das falsche Signal nur die Vereine zu bestrafen. Klar, sie sind verantwortlich für Personenkontrollen etc., doch dem Übel muss es an die Wurzel gehen!

Echte Fans müssen auch etwas tun

Natürlich sind Worte immer leicht gesagt, doch Fanprojekte müssen gefördert werden, auf die gewaltbereiten Menschen zu gegangen werden und es darf nicht nachgelassen werden, nur weil es vielleicht ein paar Monate keine Ausschreitungen gibt. Die Polizei muss ebenso deeskalierend in Risikospiele gehen. Doch am allerwichtigsten ist das Verhandeln untereinander. Die Ligen und die Verbände müssen der Gewalt entgegenwirken. Stadionverbote sind sicher ein Weg, aber nicht die Lösung. Die „Fans“ müssen von den echten Fans „ausgegrenzt“ werden. Wenn man ihnen keine Plattform gibt, wird es nachlassen. So haben die echten Kölner auch Anti-Ultra-Lieder gesungen und die Polizei unterstützt, das ist natürlich lobenswert, doch es muss endlich ein Ruck durch die oberen Etagen gehen. Denn Gewalt und Fußball gehören nicht zusammen. Fußball verbindet, auf verschiedenste Art und Weise Menschen miteinander - und zwar friedlich! Wenn Menschen einfach nur das Spiel zelebrieren, ist es wundervoll mit anzusehen. Das muss nun auch in jedem Stadion der Welt die Hauptagenda sein. 

Nichts legitimiert Gewalt

Szenen, wie in Köln oder Plakate wie in Frankfurt sind eine Schande und wenn Spieler den Schiedsrichter bitten, früher abzupfeifen, damit sie noch sicher in die Kabine gelangen, ist es zu weit gegangen. Viel zu weit. Auch wenn Niederlagen oder gar Abstiege wehtun, all das rechtfertigt keinerlei Gewalt, nicht gegenüber Dingen, erst recht nicht gegenüber Lebewesen. Ich hoffe, auf den gesunden Menschenverstand, auf die Funktionäre im Sport und auf die echten, wahren Fußballfans, denn es muss endlich etwas passieren. Es ist an der Zeit etwas zu ändern!

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