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Es sollte alles besser werden, als im März Yildirim Demirören den Präsidentschaftsposten der TFF von Mehmet Ali Aydinlar übernahm. Jetzt steht der türkische Fußball vor dem Ende!

Kommentar

Von Christian Ehrhardt

Seit fast einem Jahr hält der Manipulationsskandal den türkischen Fußball fest im Würgegriff. Zehn lange Monate, die Zuschauer kosteten und den türkischen Fußball in Verruf brachten. Doch statt eine Lösung herbei zu führen, Härte zu zeigen und rigoros Strafen durchzudrücken, die das beschädigte Ansehen des türkischen Fußballs wiederhergestellt hätten, wurde nach wachsweichen Lösungen gesucht, welche pekuniäre Interessen zu vertreten scheinen – die Interessen von Lig TV, die Interessen der Politik, die Interessen der Vereine.

Der Versuch eines Betrugs ist nicht mehr strafbar

Der Skandal daran ist der, dass die Vorstellung der TFF eigentlich allen rechtsstaatlichen Maßgaben widerspricht. Bestraft wird nicht nur ausschließlich der, der erwischt wird, sondern das auch nur dann, wenn die Tat erfolgreich war. Manipulationsversuchen werden damit Tür und Tor geöffnet. Sie könnten ja eventuell misslingen. So und nicht anders ist die Aussage der TFF zu verstehen, dass alle in der Türkei der Manipulation verdächtigten Klubs schuldlos seien, denn keiner der Manipulationsversuche habe gefruchtet oder das gewünscht Ergebnis erzielt. Mit anderen Worten: Wer ein ganzes Sportland, die Fans, die Vereine und Co betrügen will, der darf das gerne tun – solange er damit keinen Erfolg hat. Was für eine Moralvorstellung ist das bitte, die den Fans da verkauft werden soll?

Die Angst vor dem Finanzdesaster

Es drängt sich der Eindruck auf, in der Türkei geht es nicht mehr um anständigen Sport, nicht mehr um Gerechtigkeit. Sofort nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe und der möglichen Verstrickung des Rekordmeisters Fenerbahce in diesen Skandal, ging die nackte Angst um. Was geschieht, wenn Fenerbahce absteigen muss? Nicht wenige Klubs sahen den finanziellen Super-GAU auf die Liga zukommen, steigt Fenerbahce ab. Lig TV, der Sender, der Jahr für Jahr rund 330 Millionen Euro in die Ligakasse zahlt, hatte die schiere Panik in den Augen, als von Serienzwangsabstiegen die Rede war. Und Lig TV hat Macht. Wie viel Macht, könnte sich jetzt gezeigt haben.

Europas Fußball ohne die Türkei

Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei, wandte sich nach den Veröffentlichungen zu dem Skandal an UEFA-Präsident Platini und tat das dies mit der Maßgabe, man wolle lieber die Betrüger bestrafen und die Vereine verschonen. Schon er biss damit auf Granit bei der UEFA und darum wird man den Versuch des aktuellen Vorstandes der TFF in der Schweiz kaum Willkommen heißen. Dieser Verstoß zur Statutenänderung, der laut Demirören ohne Rückendeckung der UEFA stattfand, kann für die Türkei das internationale Aus auf Jahre bedeuten – für die Vereine und die Nationalelf.

Kostet Fenerbahce die Türkei die EM 2020?

Die Vorgaben der UEFA waren klar. In der Schweiz sah man deutliche und unmissverständliche Beweise, dass zum Beispiel Fenerbahce manipulieren wollte. Darum forderte die UEFA angemessene Strafen. Diese Strafen versucht die TFF durch diese Halbherzigkeit zu umgehen, will dafür sogar die Statuten ändern, um Fenerbahce Rechnung zu tragen, Lig TV zu befriedigen sowie die vor dem Finanzkollaps stehenden Vereine zu retten und merkt offensichtlich nicht, wie sehr man dem türkischen Fußball schadet. Wer nimmt einen Verband noch ernst, in dem Vereine, die manipulieren wollen, nicht hart sanktioniert werden?

Es ist jetzt an der Zeit Flagge zu zeigen

Noch hat der Verband die Möglichkeit – über den Disziplinarausschuss PFDK, Profesyonel Futbol Disiplin Kurulu – dem ganzen unwürdigen Schauspiel die richtige Richtung zu geben. Niemand kann und wird fordern, dass Fenerbahce und die restlichen Manipulierer für Nichts ausgeschlossen werden. Doch wenn manipuliert wurde – der Versuch muss strafbar bleiben, wie auch Motivationsprämien weiterhin einen Manipulationsversuch darstellen müssen – sind die Konsequenzen durchzusetzen, will man als Fußball-Land und als Fußballverband weiterhin glaubwürdig rüber kommen. Auch Italien hat den Skandal verkraftet, Juventus Turin oder Lazio Rom sind nicht untergegangen, die heißblütigen Fans in Italien haben die Verbandsspitze nicht gelyncht. Nur hatten die Italiener Cojones oder, um es mit Oliver Kahn zu sagen: „Wir müssen jetzt endlich den Arsch hochkriegen und Eier zeigen!“ Das ist es, was ich mir vom türkischen Verband, der TFF und Yildirim Demiören jetzt wünschen würde!

Eure Meinung: Darf das TV-Geld über Recht oder Unrecht im Fußball entscheiden?


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