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Der Italiener führte seine Mannschaft im Camp Nou ins Finale der Königsklasse. Damit vergrößerte er seine Chancen, noch weitere Jahre in London arbeiten zu können.

Ein Kommentar von Jonathan Birchall

Barcelona. „Wir haben langsam angefangen, aber die erste Halbzeit gut beendet. In der zweiten Hälfte waren wir meiner Meinung nach fantastisch“, sagte ein emotional erschöpfter Roberto Di Matteo. „Die Spieler waren in dieser Saison fantastisch. Sie haben alles für mich gegeben - und am Ende kommt es auf das Schicksal an“, sagte er.

Auch wenn es passen würde: Das sagte Di Matteo nicht nach dem glücklichen 2:2 beim FC Barcelona, das seine Mannschaft ins Finale der Champions League brachte. Das sagte Di Matteo auf dem Tiefpunkt seiner bisherigen Trainerkarriere vor drei Jahren, als er mit MK Dons im Play-Off der englischen League One gerade gegen Scunthorpe im Elfmeterschießen verloren hatte.

Mehr als eine Übergangslösung

Wie schnell sich die Dinge doch verändern! Die Sache mit dem Schicksal bleibt jedoch bestehen - und mit jeder Woche, die vergeht, baut Roberto Di Matteo an seinem persönlichen Schicksal beim FC Chelsea auf unglaubliche Weise. Nachdem er vor etwas mehr als einem Monat die Mannschaft anvertraut bekam und eigentlich nur als Übergangslösung vorgesehen war, ist er jetzt schon deutlich mehr als ein Interimstrainer.

Oft wurde gesagt, dass die Chelsea-Spieler für ihren Ex-Trainer Jose Mourinho alles gemacht hätten. Für den Mourinho, den Chelsea auf der Bank von Real Madrid im Königsklassen-Finale wiedersehen könnte. Im Camp Nou sah es nun zum ersten Mal nach der Mourinho-Ära so aus, als ob die Chelsea-Spieler wieder bereit wären, für ihren Coach durchs Feuer zu gehen.
ÜBERNAHME GEGLÜCKT

 DI MATTEOS BILANZ
SPIELE
GEWONNEN
UNENTSCHIEDEN
VERLOREN
SIEGQUOTE
15
10
4
1
67%

Viel Glück

In beiden Spielen gegen Barcelona bekam Chelsea nur vier Torschüsse zustande, traf dabei drei Mal und benötigte ganz viel Glück, um weiter zu kommen. Mit schmerzverzerrten Gesichtern warfen sich die Blues den Spaniern entgegen und es sah lange danach aus, als ob der Einsatz nicht belohnt werden würde. Aber dennoch gab Chelsea nie auf.

Ramires, der das Finale wegen einer Gelbsperre verpassen wird, rannte und kämpfte, als ob sein Leben davon abhängen würde. Ashley Cole lieferte eine Leistung ab, mit der alle daran erinnerte, dass er immer noch ein Weltklasse-Außenverteidiger ist. Und Didier Drogba gab Barcelona wieder einige Frage, wenn auch weniger als an der Stamford Bridge, auf, einem Team, das unter Pep Guardiola immer die richtigen Antworten parat hatte.

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Bei all den Heldentaten war es irgendwie passend, dass der Mann, der seit der Ablösung von Andre Villas-Boas durch Roberto Di Matteo als „Quasi-Trainer“ bezeichnet wurde, gar nicht mehr zum Schluss auf dem Feld stand: John Terry glänzte am Ende eines denkwürdigen Abends durch Abwesenheit. 

Terry, der Kapitän, ließ sein Team im Stich. Terry, der meist seine Teamkollegen auf dem Platz dirigiert, war unsichtbar, als seine Mannschaft das hinbekam, was nach dem 2:0 durch Andres Iniesta in der 43. Minute unmöglich erschien.

Terrys Stoß mit dem Knie in den Oberschenkel von Alexis Sanchez und die anschließende Rote Karte sechs Minuten vor dem 2:0 schienen das Ende für den nächsten Chelsea-Trainer zu sein. Aber unter Roberto Di Matteo glaubten Terrys Teamkollegen daran, opferten sich auf und bekamen es hin. Das alles für ihren neuen Chef - und das mit echter Leidenschaft.

Was macht Abramovich?

Ob das etwas an der Haltung von Klub-Eigentümer Roman Abramovich gegenüber Roberto Di Matteo verändert, ist schwer zu sagen. Für den Russen könnte der Ex-Trainer von West Brom eine Figur wie Avram Grant sein, der Chelsea ebenfalls ins Champions-League-Finale führte. Während Grant das Team aber einfach von Mourinho übernahm und es einfach machen ließ, versucht Di Matteo seine eigene Philosophie verwirklichen zu wollen.

Der holländische Mittelfeldspieler Barry Hulshoff, der mit Ajax drei Mal hintereinander den Europapokal zwischen 1971 und 1973 holte, sagte einmal: „Eine Mannschaft kann es nicht alleine schaffen. Eine Mannschaft kann nicht die Regeln festlegen.“

Integrationsfigur

Es gab Momente in dieser Saison, besonders unter Villas-Boas, in denen die erfahrenen Spieler bei Chelsea aber genau das versucht haben. Unter Di Matteo ist das anders, denn der hat gezeigt, dass er den Wandel an der Stamford Bridge weiter vorantreiben will, aber gleichzeitig auch die einflussreichen Spieler auf seine Seite zieht.

Abramovich könnte aber dennoch so lange unzufrieden bleiben, bis sein Team die Champions League gewinnt. Und deshalb könnte eine Niederlage im Finale in München auch für Di Matteo das Ende bedeuten. Obwohl es eigentlich anders sein sollte, könnte selbst ein Sieg im Endspiel für den Trainer nicht genug sein - denn Abramovich ist immer für Überraschungen gut.


Nachdem Lionel Messi die Latte und den Pfosten getroffen hatte, sein Kapitän vom Platz geworfen wurde und Gary Cahill mit einer Verletzung das Feld verlassen musste, wäre es Di Matteo zu verzeihen, wenn er nun denkt, dass sein Zeit beim FC Chelsea noch mindestens bis zur nächsten Saison dauern wird.

Das könnte sein Schicksal sein.

Eure Meinung: Wie beurteilt Ihr die Arbeit von Roberto Di Matteo?

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