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KOMMENTAR - „No More Mister Nice Guy“, Stale ist „klar in Köln“. Das System Solbakken ist beim FC gescheitert. Doch auch Frank Schaefer wird den FC kaum retten können.

Köln. Vier Spieltage vor Schluss trennt sich der 1. FC Köln (Platz 16) von seinem Cheftrainer Stale Solbakken. Der Norweger, aufgrund seiner sympathischen, selbstironischen Art und Headlines bei vielen FC-Fans und Gazetten gleichermaßen beliebt, geht als einer der erfolglosesten Trainer der „Geißböcke“ in die Geschichtsbücher ein. Kein anderer Trainer der Domstädter sammelte nach mindestens dreißig Partien auf der FC-Bank weniger Punkte pro Spiel als der 44-Jährige, der im Sommer von einem dänischen Champions-League-Teilnehmer kam. Daher kommt das Ende für den 58-fachen Nationalspieler auch nicht überraschend – auch wenn man am Rhein vor nicht einmal  zwei Wochen noch überzeugt davon war, „mit Solbakken die sportliche Wende erreichen“ zu können. Der Satz vom Vorsitzenden der Gesellschaftersammlung des 1. FC Köln, Dr. Werner Wolf, war nur die im Bundesligageschäft mittlerweile so üblich gewordene letzte Phrase vor dem unvermeidbaren Rauswurf eines Cheftrainers. Doch warum scheiterte Solbakken in Köln mit seiner Idee, Fußball zu spielen?

Ausrechenbare Kölner

Solbakken wurde als so genannter „Konzepttrainer“ verpflichtet. Wegen einer bestehenden Vereinbarung mit dem norwegischen Verband hat der FC sogar eine sechsstellige Ablöse auf den Tisch gelegt, um ihn zu bekommen. Er hatte eine klare Vorstellung davon, wie seine Mannschaft auf dem Feld zu agieren hat, von der nicht abwich: Mit zwei linear ausgerichteten Abwehr- und Mittelfeldlinien, in denen die Spieler in Zonen aufgeteilt werden. Allein – das Spielermaterial, welches der Glatzkopf mit dem Herzschrittmacher von Volker Finke vor die Nase gesetzt bekam, war nicht in der Lage, seinen taktisch hohen Ansprüche zu genügen.

Konnte Lukas Podolski in der Hinrunde das mangelhafte taktische Verhalten von Eichner und Co. noch durch seine erstaunliche Treffsicherheit (die Kölner stellten das effektivste Team in puncto Chancenverwertung in der Hinrunde) wettmachen, wurden spätestens ab der Rückrunde die eklatanten Fehler im steifen Taktikkorsett offenkundig.  Unter anderem durch das starre Festhalten an der Marschroute, die Viererabwehrkette weit nach vorne zu ziehen, wurden die Kölner leicht ausrechenbar: Gerade nach Ballverlusten und Bällen, die vertikal durch die Schnittstellen der Kölner Außen- und Innenverteidigerpositionen gespielt wurden, sammelte der FC Gegentore wie Kunden Treuepunkte an der Supermarktkasse.



BLICK IN DIE VERGANGENHEIT | Die FC-Flopcoaches
Trainer
Im Verein
BL-Spiele
Punktedurchschnitt
Marcel Koller
Uwe Rapolder
Georg Kessler
Stale Solbakken
Friedhelm Funkel
Stephan Engels
Zvonimir Soldo   
Hans-Peter Latour
Wolfgang Jerat
Lorenz G. Köstner
2003-2004
2005-2005
1986-1986
2011-2012
2002-2003
1995-1996
2009-2010
2006-2006
1993-1993
1997-1998
23
17
21
30
22
23
43
17
9
26
0,70
0,71
0,90
0,97
1,00
1,00
1,00
1,06
1,10
1,12
Trainer Im Verein BL-Spiele Punktedurchschnitt

Statistiken: Opta

Ein anderes Dilemma ergab sich auf den Außenpositionen: Solbakken forderte von seinen Außenbahnspielern nicht, den Gegner durch „Doppeln“ am Flanken zu hindern, sondern die Bälle im eigenen Sechzehner im Luftkampf aus der Gefahrenzone zu befördern. Die Folge: Massenhaft Flanken hagelten in den Sechzehner der Kölner – und die Abwehrspieler Geromel, Sereno, Jemal und McKenna erwiesen sich nicht als die erhofften Lufthoheiten. Hinzu kamen etliche individuelle Fehler und vermeidbare Zweikämpfe, die zu Elfmetern für den Gegner führten. Somit ist der 1. FC Köln heute die Schießbude der Liga: 63 Gegentore in 30 Spielen sprechen eine eindeutige Sprache.

Trotz prominenter Befürworter wie Lukas Podolski, schaffte Solbakken es nicht, sein Erfolgssystem aus Kopenhagen beim Bundesligisten zu verinnerlichen, im Gegenteil: Nach jedem noch so kleinem Rückschlag brachen seine „Geißböcke“ meist völlig ein. Zwölf Mal musste Michael Rensing in dieser Saison bereits mindestens drei Mal pro Spiel hinter sich greifen. Zu viel für ein System, das auf destruktive Defensive, punktuelles Pressing und das schamlose Auskontern von gegnerischen Fehlern ausgelegt ist.

Mentale Schwäche?

Solbakken unterstellte seinem Team nach der jüngsten 0:4-Auswärtsniederlage eine „mentale Schwäche“. Auch der Coach selbst sollte sich hinterfragen: Er schaffte es nicht, seinen „Kindergarten“ – wie er seine Spieler selbst bezeichnete, in den Griff zu bekommen. An dieser Stelle sollen nicht die Spieler in Schutz genommen werden, die die lange Leine des Trainers schamlos ausnutzten und sich mitunter als Thekentruppe präsentierten, statt als Mannschaft aus dem Profisport, die gerade um das sportliche und finanzielle Überleben kämpft. Doch da Solbakken nicht konsequent Durchgriff, hatte er als Haupt-Autorität am Ende ein Glaubwürdigkeitsproblem. Nach der unterirdischen Leistung in Mainz am Dienstag gab es einfach keine Argumente mehr am „Kein-Bock-Heim“, die für ihn sprachen und eine Entlassung war unvermeidlich, so sehr dies auch das peinliche und widersprüchliche Führungschaos im Club weiter zementiert.

Schaefer Reloaded

Mit Frank Schaefer kehrt nun die „kölsche Lösung“ zurück auf die vakante Trainerposition beim Krisenclub. Was davon zu halten ist? Sicher hat die weiterhin äußert populäre (und auch sicher auch für den aufgebrachten Fanmob beruhigende) „lokale Lösung“ die Fähigkeiten, den jungen Spieler zu besseren Leistungen zu verhelfen. Auch von Podolski darf man sich unter Schaefer bessere Leistungen erhoffen, vielleicht findet auch ein Christian Eichner seine 2011er Rückrunden-Stabilität zurück. Zudem holte der 49-Jährige bereits in seiner letzten Amtszeit als FC-Chefcoach Milivoje Novakovic erfolgreich aus der zweiten Reihe zurück, in die ihn Zvonimir Soldo abgeschoben hatte.



Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Frank Schaefer schon einmal in Köln gescheitert ist und nun mit Großteils derselben Truppe die Saison beenden muss, dich sich nach einem starken Anfang plötzlich teilweise gegen ihn verschworen hatte. Der Heilsbringer-Effekt ist abgenutzt und auch das harte Restprogramm lässt die Hoffnung auf eine FC-Rettung trüben.

Eigentlich wollte Schaefer nicht mehr ins Rampenlicht des Haifischbeckens Bundesliga zurückkehren. Nun ist er erneut Hauptdarsteller auf einer sonst leeren Bühne., auf der sich die Mannschaft hinterm Vorhang versteckt und erneut um Volker Finke gebettelt haben soll, der 2011 die Saison zu Ende bringen musste. Aber der ist nun auch nicht mehr da. Somit hat der FC keinen Präsidenten, keinen Sportdirektor und keinen Cheftrainer – und bald auch keinen Lukas Podolski mehr. Ein Novum in der Bundesliga.

Eure Meinung: Ist die Entlassung von Solbaken die richtige Entscheidung von Dr. Werner Wolf und Claus Horstmann? Warum ist der Norweger in Köln gescheitert? Was kann man von Schaefers Rückkehr erwarten?

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