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Nach dem Spiel gegen Valencia mehrten sich die Stimmen, Ronalds Nerven würden bei den wichtigen Spielen flattern. Das wusste er im Derby gegen Atletico zu widerlegen.

Kommentar
Von Ben Hayward

Der Portugiese im Trikot von Real Madrid, Cristiano Ronaldo, hat in der Derby-Schlacht beim Ortsrivalen Atletico Madrid (4:1) sein Bestes gegeben und in dieser entscheidenden Nacht im Calderon mit seinem herausragenden Hattrick dafür gesorgt, dass seine Mannschaft in der Primera Division auf Meisterschaftskurs bleibt. Das war ganz großer Sport und eine Ronaldo-Show.

Das Bild sprach mehr als tausend Worte. Den Kopf in den Händen und im Santiago Bernabeu Stadion auf die Knie gesunken - Cristiano Ronaldo als einsame und frustrierte Figur nach dem Spiel, als es am vergangenen Sonntag für Real Madrid im heimischen Stadion nur zu einem torlosen Remis gegen Valencia reichte.

Der Portugiese hatte alles getan – nur nicht selbst getroffen. Er schaffte es, seine Mitspieler in Szene zu setzen, die aber die Chancen leichtfertig liegen ließen, er zwang Keeper Vicente Guaita zu Glanzparaden und ballert selbst den Ball ans Gehölz. Aber letztlich, auch wenn er der Beste im königlichen Trikot war, konnte er nicht Zählbares abliefern. Und das wusste er.

Aber wie sich das an diesem Mittwoch änderte.

Madrid hatte zwar seit 1999 nicht gegen Atletico verloren, aber seit der Ankunft von Diego Simeone kann es einem Beobachter so vorkommen, als wäre Reals Stadtrivalen neues Leben eingehaucht worden. Es war klar, Atletico wollte im Vincente Calderon Revanche für die vergangenen Jahre und darum sah es so aus, als sollte es für Real das schwerste Derby seit Jahren werden.

Im ersten Viertel des Spiels wurde Real tief in die Abwehr gedrückt und die Königlichen sahen nicht eben gut gegen das intensive Spiel der Ortsrivalen aus. Atletico war zu Beginn der Partie nicht nur auf Augenhöhe mit Real, sondern man dominierte die Elf von Mourinho. Alle, außer eben jenem einen Spieler.

Ronaldo war die tragische Figur beim Sonntagsspiel gegen Valencia

Nach 24 gespielten Minuten erhielt Real Madrid einen Freistoß rund 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Cristiano Ronaldo stellte sich der Verantwortung und ließ einen Flatterball folgen, der rechts unten im Tor von Atletico einschlug – Keeper Thibaut Courtois schien dem Ball bewegungslos und fasziniert zugleich auf seinem Weg ins Netz zuzuschauen.

Da zeigte CR7 seine Genialität. Er, der er in der laufenden Saison oft und unberechtigt dafür gescholten wurde, bei den Big-Point-Matches nicht zu treffen. Es war der dritte Treffer in vier Spielen, womit er nicht nur der beste Real-Schütze ist, sondern, was noch wichtiger ist, er traf da, wo es am meisten gebraucht wurde.

Ronaldos sensationelles Tor traf Atletico Madrid hart und drehte die erste Hälfte für die Königlichen, die damit den Rest der Halbzeit als domierendes Team absolvierten. Doch sofort nach der Halbzeit war es Radamel Falcao, der per Kopf den Ausgleich markierte und das Calderon zum Kochen brachte. Und Real schockierte.

Nach dem Treffer wurde Mourinho erstmals in dem Spiel von seinem Sitz gerissen. Denn wieder einmal sah es so aus, als würde sein Team dringend benötigte Punkte auf dem Weg zur Meisterschaft leichtfertig liegen lassen. Ein erneutes Unentschieden, das vierte Unentschieden in den letzten Wochen, hätte bedeutet, die komfortable Führung in der Liga aufs Spiel zu setzen.

Wieder einmal brauchte Madrid einen Helden - und wieder einmal war dieser Held Cristiano Ronaldo. Seine Mannschaftskollegen quälten sich, sein Trainer war mehr als besorgt und der Portugiese überragte wieder einmal alles. Er war es, der sein Team wieder ins Rennen brachte, indem er sich auf der linken Seite durchtankte, am Strafraumeck das Herz in die Hand nahm und den Ball über Courtois hinweg zum 2:1 für Real in den Winkel des langen Ecks setzte.

CRISTIANO RONALDO | 52 Tore 2011/2012
LA
LIGA
CHAMPIONS
LEAGUE
COPA
DEL REY

SPANISCHE SUPERCOPA
40
(32 Spiele)
8
(8 Spiele)
3
(5 Spiele)
1
(2 Spiele)

Dieser Treffer war vielleicht sogar besser als sein erstes Tor und dieses Mal fanden die Hausherren keinen Weg zurück ins Spiel. Ronaldos gleich doppelte Brillanz war es, die den exzellent aufgelegten Madrilenen von Atletico die Grenzen aufzeigten, und Real blieb für den Rest des Spiels klar am Drücker.

Der Portugiese machte dann noch seinen Hattrick klar, als er vom Elfmeter-Punkt aus den dritten Treffer seines Team markierte, nachdem Diego Godin sehr ungeschickt gegen Gonzalo Higuain zu Werke ging. Das war sein zwölfter Dreierpack in der Liga und mit seinem dritten Treffer stellte er seinen eigenen Torjägerrekord von 40 Treffern in einer Saison ein. Außerdem hat er mit seinen Treffern das zweite Jahr in Folge die Marke von 50 Pflichtspieltreffern geknackt. Zusätzlich übertraf er den Uralt-Rekord von Telmo Zarra, der Atheltic-Bilbao-Legende, die in der Saison 1950/1951 23 Treffer in der zweiten Saisonhälfte erzielte. Ronaldo liegt jetzt bei 25 Toren nach der Pause und hat damit einen Rekord pulverisiert, welcher 61 Jahren Bestand hatte. Telmo Zarra - durch CR7 aus den Geschichtsbüchern des spanischen Fußballs getilgt.  

Doch er wäre nicht Cristiano Ronaldo, wenn er damit schon bedient gewesen wäre. Als die Spielzeit dem Abpfiff entgegenlief, schnappte er sich den Ball im Mittelfeld, spielte Ersatzmann Jose Callejon auf der rechten Seite genial frei und es stand 4:1 für die Königlichen. Damit hatte Ronaldo seine außerirdische Vorstellung mit dem elften Assist in der laufenden Saison, ebenso ein herausragender Wert, passend abgerundet.

Die Art und Weise der Vorstellung von Ronaldo war absolut beeindruckend, denn der Portugiese liefert dann punktgenau ab, wenn es am wichtigsten ist - und das wird vor allen Dingen Mourinho und Madrid mehr als erfreuen. Cristiano war in der Vergangenheit dafür kritisiert worden, dass er in den wichtigen Begegnungen nicht Bestleistungen bringen würde. Selbst im eigenen Stadion war er nach einer armseligen Mannschaftsleistung bei der 1:3-Niederlage gegen Ligakonkurrenten Barcelona verhöhnt worden, als er zwei glasklare Chancen leichtfertig verspielte, die dem Clasico eventuell eine Wendung zu Gunsten von Real hätten geben können.

Die Tabelle sechs Spietage vor Schluss

  P G U V Pkt

Real Madrid
32 26 4 2 82

Barcelona
32 24 6 2
78

Am Mittwoch jedoch, als es so aussah, die Madrilenen würden die Ligaführung aus den Händen gleiten lassen, war Ronaldo auf den Punkt da und lieferte den Zuschauern im Stadion und an den Bildschirmen einen wahren Fußball-Augenschmaus. Sechs Spiele verbleiben noch in der laufenden Saison und es warten schwere Aufgaben auf Real Madrid – nicht zuletzt die spannende Reise ins Camp Nou zu Barca am 21. April. Aber dank ihres genialen Portugiesen werden die Madrilenen die Reise mit einem Vorsprung von vier statt zwei Punkten antreten und das lässt den anstehenden Betriebsausflug der Königlichen zu den Katalanen doch gleich viel freundlicher aussehen.

Während Messi auf der einen Seite Rekord um Rekord für Barcelona bricht, ist das, was Ronaldo auf der anderen Seite für die Madrilenen leistet nicht weniger sensationell und verdient den vollsten Respekt sowie Anerkennung. Der 27-jährige Portugiese kann immer noch die vom kleinen Argentinier vorgelegte Marke von 60 Treffern überbieten – aber was weitaus wichtiger ist, er hat bewiesen, dass er der Mann für die Big Points ist! Und gerade seine außerirdische Leistung am Mittwoch – in einem Spiel, welches auf der Kippe stand - könnte unter Umständen die Meisterschaft und somit La Liga entschieden haben.

Eure Meinung: Hat CR7 endlich den unsinnigen Malus, er würde in den wichtigen Spielen nicht vollkonzentriert zur Sache gehen, abgelegt und seine Kritiker verstummen lassen?

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