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Das Comeback gegen Augsburg ist in die Hose gegangen. Doch erste Anzeichen von „König Ottos“ Arbeit waren bereits zu erkennen - jetzt nur nicht verrückt machen, Berlin!

Berlin. Was war denn das? Jeder Berliner musste sich am vergangenen Samstag mehrmals die Augen reiben um zu begreifen, was da auf der Anzeigentafel stand. Augsburg gegen Hertha 3:0. Und das obwohl „König Otto“ und „Rehakles“ höchstpersönlich zur Rettung verpflichtet wurde. Wie kann die Mannschaft eines Trainers, der mit Abstiegskonkurrent Kaiserslautern Deutscher Meister und mit Griechenland sogar Europameister wurde, gegen Augsburg 0:3 verlieren? Die bittere Wahrheit ist, auch ein Otto Rehhagel wird sich daran gewöhnen müssen, dass in Berlin alles etwas anders läuft. Lucien Favre, der Trainer, der mit Borussia Mönchengladbach die Champions League anvisiert, musste das erkennen und auch ein Michael Skibbe, der zuvor mit Eskisehirspor für Furore in der Türkei sorgte, ging bei der Hertha unter.

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Erster wichtiger Schritt

Fußballdeutschland diskutiert derzeit, ob die Verpflichtung Rehhagels die richtige Entscheidung war. Eine Antwort dafür kann es jetzt noch nicht geben, doch erste Veränderungen sind immerhin sichtbar. Zum Beispiel wurde Neuverpflichtung Felix Bastians endlich auf der Position des linken Außenverteidigers eingesetzt anstatt im linken Mittelfeld. Ob es nur daran lag, dass Kobiashvilli den gesperrten Ottl in der Zentrale ersetzen musste, sei dahingestellt. Auch wenn der 23-Jährige es gegen Augsburg noch nicht zeigen konnte, wird er für Berlin im Abstiegskampf wichtig sein. Erstens, weil er aus Freiburg den Abstiegskampf kennt, zweitens, weil der zugegeben erfahrenere Levan Kobiashvili kein Monopol mehr auf seiner Position hat. Das größere Problem hat Rehhagel trotz großer Verletzungssorge und vieler Sperren trotzdem nicht in der Defensive, sondern im Mittelfeld, das den Hertha-Sturm eigentlich mit Bällen füttern müsste.



Ebert nicht bundesliga-tauglich

Die beiden „Neuen“ Änis Ben-Hatira und Tunay Torun wurden zuletzt häufiger auf der Tribüne und der Bank gesichtet als auf dem Rasen. Zu ihnen sollte sich Patrick Ebert gesellen. In den letzten drei Jahren war Berlins offensichtlicher „Stammplatzgarant“ genau an fünf Liga-Toren beteiligt. Dass pure Identifikation mit dem Verein nicht ausreicht, um in der Liga zu bestehen, dürfte spätestens seit dem Babbel-Tatoo klar sein. Zum Vergleich: Nikita Rukavytsya, der immerhin schon für Twente (amtierender niederländischer Pokalsieger) und die australische Nationalelf spielte, konnte im Zweitliga-Jahr zwölf Torvorlagen und vier Treffer beisteuern. Im Bundesliga-Oberhaus kam der Australier erst 536 Minuten zum Einsatz, Null-Tore-Ebert spielte bereits 1586 Minuten. Torun, Ebert, Ben-Hatira, Rukavytsya – gelingt es Rehhagel die Köpfe dieser vier Spieler frei zu kriegen, ist mit Berlin wieder zu rechnen.

Kader der Mannschaft stark genug


Nach seiner Verpflichtung im Winter war das Erste, was Michael Skibbe verstand, dass der Kader der Hertha keine neuen Spieler braucht. Otto Rehhagel hat nicht einmal den Luxus, sich darüber Gedanken machen zu können. Er muss mit denen arbeiten, die da sind. Doch Skibbe hat Recht. Ottl kam zwar zusammen mit Christian Lell von den Bayern, beide erlebten mit Nürnberg und Köln aber schon niedere Bundesliga-Sphären. Kapitän Mijatovic, Neuzugang Bastians oder Maik Franz sind Abstiegskampf-Profis. Mit Adrian Ramos und Pierre Michel-Lasogga stehen in Nomalform zwei treffsichere Angreifer zur Verfügung und die technische Komponente wird durch Spieler wie Raffael komplementiert. Hier war „König Ottos“ cleverer Schachzug, seinem Spielmacher direkt klar zu machen, wie wichtig er für das ganze Team ist.



Der Kopf ist das Problem


Otto Rehhagel muss in Berlin nicht großartig an der Taktik arbeiten. In Berlin steht er vor ganz anderen Problemen. In Freiburg, Augsburg oder Kaiserslautern sind der Mediendruck und die Erwartungshaltung nicht annähernd so groß wie in der Hauptstadt. Hinzu kommt, dass der erfolgsverwöhnte Zweitliga-Kader wieder auf dem harten Boden der Bundesliga-Tatsachen landen muss. Leistungsträgern wie Roman Hubnik oder Adrian Ramos merkt man an, dass der Abstieg 2010 wieder im Gedächtnis sitzt. Die Laufbereitschaft, der Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte, die Zweikampfwerte – in fast allen Statistiken ist Berlin Schlusslicht der Liga. Vielleicht sind vier Gelbe Karten gegen Ausgburg zumindest ein erstes Zeichen von steigender Einsatzfreude.

Rehhagel wird’s packen

Zusammengefasst hat Otto Rehhagel schon beim ersten Spiel gegen Ausgburg mit Bastians als Linksverteidiger, mit Rukavytsyas Ein- und Eberts Auswechslung und mit der öffentlichen Adelung Raffaels einiges richtig gemacht. Wenn er es jetzt noch schafft, das Abstiegsgespenst von 2009/10 aus den Köpfen der Spieler zu bekommen und den Mittelfeldmotor wieder zum Knattern zu brigen, dann wird Hertha BSC nicht nur durch Kampf, sondern auch wieder durch spielerische Mittel beweisen, dass die Hauptstadt in die Bundesliga gehört. Wichtig, liebe Berliner, ist die Geduld. Wer, wenn nicht Otto Rehhagel, könnte die Hertha in so einer Lage noch retten?

Eure Meinung: Wird Otto Rehhagel die Hertha auf Bundesliga-Kurs halten?

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