„Beckers Borussia“ - Dante geht? Na und!

Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?

Von Gregor Becker

Dante, Borussia Mönchengladbach
Bongarts

Mönchengladbach. Die Anhänger von Borussia Mönchengladbach müssen dieser Tage stark sein. Ich bin auch so einer, aber ich lasse mir die Stimmung einfach nicht verderben. Nachdem sich die direkten Konkurrenten um die internationalen Fleischtöpfe oder gar um die Meisterschaft schon ordentlich im „Kaufhaus des Westens“ bedient haben, kommt jetzt allem Anschein nach endlich Bayern München zum Zuge. Da sich die Verantwortlichen des Rekordmeisters bereits den Spieler der bisherigen Saison, Marco Reus, von Borussia Dortmund haben wegschnappen lassen mussten, sind sie in Gladbachs Abwehrchef, Dante, vermutlich doch noch fündig geworden.

Es ist wie bei Del`Haye

Nun ja, Dante fühlt sich wohl in Mönchengladbach und ist dort zur Kultfigur aufgestiegen. Doch leider war er für uns zu erfolgreich. Wie zu Grasshoffs Zeiten schon, bedient sich der zur Geldmaschine emporgestiegene Klub aus der bayrischen Landeshauptstadt mal wieder bei den „kleinen“ Borussen vom Niederrhein. Vermutlich jedenfalls. Nennen wir es den Kalle Del´Haye-Effekt. Doch inzwischen bleibt ein Großteil der Anhängerschaft gelassen.

Zu groß ist der Erfolg, den man in der aktuellen Saison feiert. Zu groß die Spürnase von Max Eberl und das Geschick des Trainers Lucien Favre. Wir Borussen lassen uns diese tolle Saison nicht nehmen und werden im Sommer mit voraussichtlich über 20 Millionen Euro auf dem Transfermarkt angreifen. Vor allem dann, wenn tatsächlich die Qualifikation zur Champions League gelingen sollte.

Der „schnöde Mammon“ als Perspektive?

Ja, ich gebe es gerne zu. Es nervt. Endlich haben wir mit Max Eberl einen Sportdirektor, der ein Konzept mitbrachte und den besten Kader der letzten Jahrzehnte zusammen gestellt hat. Doch im größten  Erfolg denken die Spieler nicht darüber nach, was es heißt, das Trikot der „Elf vom Niederrhein“ zu tragen. Oder vielleicht doch? Nein. Lasst uns ehrlich sein.

Dass ein Marco Reus mehr sportliche Perspektive in seiner Heimatstadt Dortmund sieht und gerne bei seiner Familie ist, scheint ebenso verständlich wie der Weggang von Roman Neustädter, der gerade 24 Jahre alt geworden, auch mal einen tollen Vertrag unterschreiben möchte. Da hat er in Gelsenkirchen anscheinend einen wohlwollenderen Arbeitgeber gefunden. Meine Güte, eine Millionen Euro mehr oder weniger im Jahr? Was soll es? Ich kenne den richtigen Anlageberater, der gleicht so etwas im Rahmen einer Fußballer-Karriere locker aus.

Menezes ist schuld

Jetzt also Dante Bonfim Costa Santos, der nur Millimeter davon entfernt war, nach Igor Demo der nächste „Fußballgott“ im Borussia-Park zu werden. Und ehrlich gesagt: Bei ihm verstehe ich es sogar. Schuld daran ist nicht das liebe Geld, sondern einzig und allein Mano Menezes, der, ebenso Ignorant wie seine Vorgänger, bisher nicht einmal auf den Trichter kam, einen der besten Innenverteidiger Brasiliens für die Nationalmannschaft zu nominieren. Klar, Mönchengladbach ist (noch) nicht im internationalen Geschäft tätig, aber man wählt doch seine Nationalspieler nicht aus dem Handbuch für europäische Spitzenvereine aus, oder?

Erst einmal müssen die Bayern mehr Erfolg haben

Ja, Bayern ist toll, aber wir stehen einen Punkt vor denen und in der Champions League müssen sie auch erst einmal weiterkommen. Nächstes Jahr messen wir uns dann gerne in der „Königsklasse“ und dann wird Dante nicht in Form sein, weil er vorher mit der brasilianischen Nationalmannschaft um die Welt getourt ist. Dann wird Patrick Herrmann, dem im Spätherbst seiner Karriere stehenden, Daniel van Buyten um die Ohren laufen und lässt sich nach seinem Siegtreffer von den neuen Dantes, Reus´ oder Neustädters abklatschen. Und er wird zum Passgeber Juan Arango laufen und Marc-Andre ter Stegen umarmen, der weit aus seinem Tor gelaufen kommt. Mit der Arithmetik im internationalen Geschäft kennt er sich  immer noch nicht aus – kann er auch nicht, weil er bis zum Viertelfinale immer noch kein Gegentor kassiert hat. Warum sollte es nicht so laufen?

Wir geben vielleicht Dante her – aber nicht den Erfolg

Nein, nein, wir Borussen lassen uns die Stimmung nicht verderben. Dafür standen wir dem Abgrund schon zu nahe. Wir werden Dante lieben, solange er noch da ist. Wir lassen uns den Erfolg, den wir diese Saison ohne jeden Zweifel einfahren werden, nicht nehmen. Weder von der Konkurrenz, noch von der Presse, die bereits den nahenden Untergang prophezeit, obwohl sie bezüglich der Neuverpflichtungen zur neuen Saison noch gehörig im Dunklen tappt.

Wir haben etwas erreicht. Nach Jahrzehnten. Mit Dante. Und wenn er dann tatsächlich gehen sollte, finden wir in nicht ganz so doof, denn er hat mitgeholfen und hilft auch am Freitagabend gegen den HSV wieder mit. Danke, Dante! Und wenn du gehst? Na und? Du hast viel für uns getan. Meiner Dankbarkeit kannst du dir sicher sein. Und ich bin nicht der Einzige. Ganz sicher.

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