Berliner Rosenkrieg: Alle verlieren - vor allem Hertha BSC!

Wenn sich zwei streiten, leidet auch der Dritte. Das Zerwürfnis zwischen Michael Preetz und Markus Babbel schadet vor allem Hertha BSC.

Von Martin Ernst

Wer sagt die Wahrheit: Markus Babbel oder Michael Preetz?
Getty Images
Berlin. Es war leider kein Ende mit Schrecken, sondern vielmehr ein wochenlanger Schrecken ohne Ende. Die Trennung zwischen Hertha BSC und Trainer Markus Babbel – sie hätte kurz und schmerzlos sein können, stattdessen ist daraus eine Schlammschlacht entstanden, die nicht nur den beiden Hauptakteuren, Trainer Babbel und Manager Michael Preetz, und ihrem Ruf schadet. Babbel selbst bemerkte richtig: „Wir haben beide keine gute Figur abgegeben.“

Der eigentliche Leidtragende: Hertha BSC


Wie bei jeder Scheidung gibt es aber auch noch einen dritten Leidtragenden, in diesem Fall ist das leider Hertha BSC. Der Imageschaden ist beträchtlich. Und das, obwohl der Verein sich in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt deutlich im Aufwind befand und verlorene Sympathien wiedergewonnen hatte: Die Fans haben das Team begeistert und ohne Murren durch die zweite Liga gepuscht und dabei neue Besucherrekorde aufgestellt, die Mitgliederzahlen sind in diesem Jahr  angestiegen und haben jüngst die 30.000-Marke durchbrochen. Vergessen waren für eine Weile die Randale aus dem Abstiegsjahr, vergessen war die unschöne Trennung vom damaligen Sympathieträger Lucien Favre.

Sexy Hertha? Das ist schon wieder vorbei...


Berlin ist nach einem vielzitierten Statement seines Bürgermeisters nicht nur arm, sondern auch sexy - und für einen kurzen Moment war es nach Abstieg und zweiter Liga in diesem Herbst auch mal wieder die Hertha. Das Tandem Michael Preetz und Markus Babbel sorgte mit dem sofortigen Wiederaufstieg für frischen Wind. Dem Führungsduo, das sich in der Zweitligasaison noch beim gemeinsamen Joggen zu besprechen pflegte, gelang es tatsächlich, so etwas wie Aufbruchsstimmung zu verbreiten und den Muff der Hoeneß-Ära vergessen zu machen. Dazu gesellten sich sportliche Erfolgserlebnisse: Die blau-weiße Elf bezwang in Dortmund den deutschen Meister, ärgerte an der Weser zu neunt die heimstarken Bremer bis in die Nachspielzeit, schoss Köln aus dem Olympia-Stadion.  

Unfähig oder verlogen?

Damit ist es vorerst vorbei. Das Hickhack um Babbels Vertrag, die seit Wochen aufgeheizte Berichterstattung und das Kommunikations-Desaster zwischen den beiden Führungsfiguren – das alles erinnert dann doch wieder sehr an vergangene, graue Zeiten. Und das nur, weil zwei erwachsene Männer in Führungspositionen angeblich über einen Monat lang aneinander vorbei geredet haben? Oder nicht in der Lage waren, eine sauberen Trennstrich unter eine Beziehung zu ziehen? Babbel behauptete nach dem 1:1 in Sinsheim, Preetz schon Anfang November darüber informiert zu haben, dass er seinen im Sommer 2012 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Der Manager wiederum schwört seinerseits, davon erst vergangenen Dienstag erfahren zu haben. Entweder unfähig oder verlogen – die Alternativen bei der Deutung der Ereignisse sind wahrlich unbefriedigend und werfen kein gutes Licht auf die „alte Dame“ Hertha. Der Rosenkrieg zwischen Manager Preetz und Trainer Babbel wird dem Ruf beider schaden, vor allem aber auch dem gerade erst verbesserten Image des Klubs.

Reicht reine Professionalität?

Für die beiden Hauptfiguren wiederholt sich mit der Trennung ein Stück weit auch die eigene Geschichte. Es gibt wenig Grund daran zu zweifeln, dass Babbel seinen Vertrag bis zum Sommer professionell erfüllt hätte. Aber bei aller in Berlin an den Tag gelegten Korrektheit, wird der 38-Jährige sich fragen müssen, warum es wie schon in Stuttgart nicht geklappt hat - auch mit einer sauberen Auflösung des Verhältnisses. Seinerzeit pendelte Babbel zwischen Stuttgart und Köln, wo er an der Hennes-Weisweiler-Akademie der Sporthochschule sein Diplom als Fußballlehrer ablegen musste. Im Nachhhinein musste Babbel eingestehen, dass der zeitliche Ausfall nicht zu kompensieren war: „Es ist doch logisch: wenn ich dienstags und mittwochs, den wichtigsten Tagen im Training, nicht als Chef bei der Mannschaft sein kann, dann ist das ein großes Problem“, sagte er im August rückblickend der Stuttgarter Zeitung.



Babbels mangelnde Identifikation

Auch wenn die Situation in Berlin nicht mit der in Stuttgart identisch ist: Hat Babbel nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, dass der Spagath zwischen zwei Städten nicht funktioniert? In der Hauptstadt gilt es schon lange als sicher, dass Babbel die Trennung zu seiner Familie zu schaffen macht, die in seiner Heimatstadt München lebt. Und aus seinem Fremdeln mit der preußischen Kapitale Berlin hat der Vollblutbayer, der bis zum Ende in einem Hotel wohnte, nie einen Hehl gemacht. Dazu kamen regelmäßige Äußerungen gegenüber den Medien, die eine mangelnde Identifikation mit der Stadt und ihrem Charakter offen legten. Natürlich, ein Tattoo ist charmant, aber Babbels Treue beschwörender Körperschmuck hat sich nun leider als Abziehbild erwiesen. Zum Fußball gehört manchmal mehr als nur sachliche Professionalität...

Die Preetz-Bilanz: Zwei Trennungen mit Schlammschlacht

Und Preetz? Der ehemalige Top-Stürmer war mit dem Ziel ins Amt gekommen, Kontinuität in den Verein zu bringen und für Nachhaltigkeit zu sorgen. Dass Babbel am Ende nicht so wollte wie Preetz, dass daraus eben keine Liebesheirat sondern eher eine zeitlich begrenzt Zweckgemeinschaft wurde, hat der Manager anscheinend nie richtig oder erst viel zu spät realisiert. Hat Preetz möglicherweise einfach nicht wahr haben wollen, dass der Wunschpartner nicht will? Eine saubere Trennung und einer neuer Anlauf hätten dem Wunsch nach Beständigkeit nicht widersprochen! Stattdessen muss der 44-Jährige nun die zweite Trainerentlassung mit anschließender Schlammschlacht in seiner Amtszeit verantworten. Würde Babbel sich nun im Hotel Adlon einmieten und eine eigene PK einberufen wie einst Favre, wäre die Wiederholung der Geschichte perfekt.

Und kein Ende in Sicht...?


Wie die Bild gestern meldete, will man im Berliner Vereinspräsidium nun prüfen, ob gegen Babbel wegen seiner sogenannten „Baron-Münchhausen“-Äußerungen arbeitsgerichtlich vorgegangen werden kann. Das wäre fatal, der Rosenkrieg ginge damit in seine nächste Runde, als wäre nicht bereits genug Geschirr zu Bruch gegangen. Dass den Erstligaverein Hertha BSC nur noch fünf Punkte vom Abstiegsplatz trennen und demnächst ein neuer Trainer seine Arbeit in einer völlig überdrehten Atmosphäre beginnen muss, sollten die Verantwortlichen nicht vergessen!

Eure Meinung? Wer trägt die Schuld an der Berliner Krise?

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