Pokalausschluss von Dynamo Dresden: Der DFB konnte gar nicht anders

Der Ausschluss aus dem DFB-Pokal von Dynamo Dresden ist ein einmaliges und hartes Urteil im deutschen Fußball. Doch hatte der Verband überhaupt eine Wahl?

Ein Kommentar von Patrick Niedel

Dynamo-Fans benahmen sich in Dortmund daneben
Getty Images
Dresden. Natürlich ist der Ausschluss aus einem für einen Zweitligisten durchaus lukrativen Wettbewerb, wie den DFB-Pokal, durchaus eine harte Strafe. Doch der Verband musste im Falle von Dynamo Dresden so handeln.

Dynamo hält Urteil für überzogen

Sie fühlen sich benachteiligt bei Dynamo. Das geflügelte Wort vom „ungeliebten Kind des DFB“ macht, wieder einmal, die Runde. Sportdirektor Steffen Menze findet „es absolut nicht akzeptabel, dass ein Exempel an uns statuiert wird“. Für Ex-Spieler Hans-Jürgen Dörner wäre „eine Geldstrafe auch angemessen“.

Allein 80.000 Euro Geldstrafen in den letzten zwei Jahren

Doch schaut man sich die Ausfälle der sogenannten Dynamo-Fans allein in den letzten beiden Jahren an, so muss man zu dem Schluss kommen, dass dieses im deutschen Fußball einmalige Urteil gerechtfertigt ist. Fast 80.000 Euro an Geldstrafen musste der Klub in dieser Zeit berappen. Bei einem Auswärtsspiel in der dritten Liga in Unterhaching wurden die Anhänger Dynamos ausgeschlossen und mehrfach wurden die Sachsen gewarnt, dass auch mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit gerechnet werden müsse.

Angriff auf den Fußball

Die Vorfälle beim Pokalspiel in Dortmund brachten nun das Fass zum Überlaufen. 17 Verletzte, 15 Festnahmen und ein Sachschaden von 150.000 Euro. Die Ausschreitungen vor, während und nach der Partie waren nicht bloße Gewalttätigkeiten gegen einzelne Personen, vorrangig Polizisten. Das, was unter dem Dynamo-Wappen dort passiert ist, war ein Angriff auf den Fußball.

DFB hatte keine Wahl

Natürlich ist diese Strafe ungerecht gegenüber dem Klub, der nicht nur sprichwörtlich wichtig „für die Region“ ist. Selbstverständlich ist die Strafe unfair gegenüber den vielen friedlichen, engagierten und leidenschaftlichen Fans Dynamos. Doch der DFB konnte eigentlich gar nicht anders, als nun zu drakonischen Mitteln zu greifen. Geldstrafen haben offensichtlich nichts bewirkt.

 

Gute Ansätze in Sachen Aufklärung und Prävention

In den vergangenen Jahren hatte der Verein gute Ansätze im Kampf gegen gewaltbereite und teilweise rechtsgerichtete Fans. Es gab viele Aktionen, viel Aufklärung und auch, nachdem es eine Zeit lang eine eher brachliegendes Feld bei Dynamo zu sein schien, viel Präventionsarbeit. Dennoch scheint es der Verein nicht zu schaffen, das Problem der gewaltbereiten Anhänger in den Griff zu bekommen. Leider scheinen es die Fans der Dresdener nicht verstanden zu haben, dass Leute, die den Fußball und den Klub als Bühne für ihre perverse Lust an der Gewalt nutzen, nichts im Stadion und nichts inmitten von Fußballfans zu suchen haben.

Dynamo sollte Urteil akzeptieren

Dynamo täte gut daran, sich nun nicht in eine „Märtyrerrolle“ hineinzusteigern. Es wäre kontraproduktiv, mit dem Finger auf andere zu zeigen, so wie es Menze nach der Urteilsverkündung getan hat, als er fragte, „wo da die Grenze nach oben sein soll, angesichts der neuerlichen Ausschreitungen in Rostock“. Die Rolle des verbrämten und benachteiligten (Ost-) Klubs steht Dynamo nicht, sie steht dem Verein gerade jetzt nicht.

Strafe als Chance

Auch wenn es abgedroschen klingen mag: Aber Dresden sollte dieses Urteil als Chance begreifen. Wann, wenn nicht jetzt, sollte auch der letzte Verantwortliche im Klub verstanden haben, dass es mit gutem Zureden eben nicht getan ist. Wann, wenn nicht jetzt, sollten die Fans bemerkt haben, dass eine Duldung, gar eine Verbrüderung mit verkappten Pyromanen und Gewalttätern ihnen und ihrem Klub nur schadet.

Beispiel aus den achtziger Jahren

Das Beispiel des Ausschlusses englischer Klubs aus dem Europapokal in den achtziger Jahren zeigt, dass solche Maßnahmen durchaus auch einen Prozess der Selbstreinigung auslösen können. Damals gab es bei Europapokalspielen mit englischer Beteiligung immer wieder heftige Krawalle. Als dann 1985 im Brüsseler Heyselstadion 39 Menschen ihr Leben verloren, als vor dem Europacupendspiel zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool, Anhänger Liverpools prügelnd Jagd auf Menschen machten, schloss die UEFA sämtliche Mannschaften aus England aus den europäischen Vereinswettbewerben aus.

Lehre aus Heysel-Tragödie

Das Urteil des DFB ist in diesem Zusammenhang auch eine Lehre. Es muss nicht gewartet werden, bis es wirklich ein Todesopfer zu beklagen gibt, weil kriminelle Dummköpfe ihre Triebe nicht im Griff haben. Das Urteil des DFB ist auch eine Warnung an Klubs, wie Hansa Rostock oder Eintracht Frankfurt. Gerade diese Vereine werden dieses Strafmaß äußerst aufmerksam registriert haben.



Rostock: Sponsor zieht sich zurück

Bei den Rostockern haben die Ausschreitungen der eigenen Anhänger inzwischen auch schon mittelbare wirtschaftliche Folgen, gab doch der Hauptsponsor kürzlich bekannt, seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Sogar einen sofortigen Ausstieg wird beim Hauptgeldgeber nicht ausgeschlossen.

Konsequente Ab- und Ausgrenzung erforderlich

Dresden sollte dieses Urteil dazu nutzen, konsequent gegen Straftäter in den eigenen Reihen vorzugehen. Und auch die Fans sollten deutlich machen, dass leidenschaftlicher Support und unabdingbare Unterstützung nichts mit dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern und mit Prügeleien gegen Polizisten oder gegnerische Fans zu tun hat. Fußballfans sind keine Verbrecher- Leute, die andere Menschen mit Knallkörpern und Gegenständen bewerfen und die Gewalt in und um die Stadien bringen, sind es schon.

Eure Meinung: Ist das Urteil gegen Dynamo gerechtfertigt?

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