Umgang mit Depressionen – welche Wege können Licht ans Ende des Tunnels bringen?

Die Depression ist eine Volkskrankheit. Eine empirische Studie belegt, dass jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer leidet. Doch gibt es auch ein Patentrezept zum Lösen einer Depression?

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Von Johannes RUPPRECHTER

München. Der tragische Suizid von Nationaltorhüter Robert Enke hat nicht nur Fußball-Deutschland bewegt. Nein, die Fassungslosigkeit über die Tat des 32-Jährigen bewegte auch viele Menschen, die keine Freunde des runden Leders sind. Auch weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus. Immer und immer wieder war in den letzten zehn Tagen ein Wort zu vernehmen, welches die Ohnmacht über den schrecklichen Vorfall noch steigern ließ: Warum? Fakt ist, diese Frage kann nicht beantwortet werden. Nur Robert Enke selbst weiß, was genau ihn zu diesem Schritt bewegt hat und nicht mehr weiter wissen ließ.

Zu hoffen bleibt, dass der Umgang mit dieser Thematik – nicht nur im Profisport - künftig ein anderer wird. Ein offenerer. Dass sich die Betroffenen aufschließen und ihre Schwächen und Ängste gegenüber ihrem Umfeld nicht verbergen. „Wir können aus diesem schrecklichen Ereignis für die Zukunft nur mitnehmen, offener mit diesem Geschäft umzugehen und sich nichts vorzumachen, sondern es so zu akzeptieren, wie es ist“, bringt es Schalke-Trainer Felix Magath auf den Punkt. Doch dazu muss einem Großteil der Gesellschaft zunächst bewusst werden, dass es sich bei den Depressiven nicht um Weicheier handelt, sondern um Menschen, die an einer heimtückischen Krankheit leiden. Eine Krankheit, die von einer Stoffwechselstörung des Gehirns ausgelöst wird. Ein qualvolles Leid, vor dem keiner gänzlich gefeit ist.

Zusätzlich ist es wichtig, dass die Leidenden sich an professionelle Stellen wenden und deren Hilfe in Anspruch nehmen. Doch dazu muss eben jener Sinneswandel in der Gesellschaft Einzug halten. Damit die Zuhilfenahme eines Psychotherapeuten eines Tages als „normal“ angesehen wird und sich die Patienten dafür nicht mehr genieren müssen. Oliver Kahn hat diesbezüglich einmal einen bemerkenswerten Satz gesagt: „Sich psychologische Hilfe zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Nein – es ist ein Zeichen von Stärke!“ Der ehemalige Bayern-Torwart weiß, wovon er spricht. Begab er sich doch, nachdem er im Anschluss an die Weltmeisterschaft 2002 in ein Loch fiel und an einem Burnout litt, selbst in professionelle Hände. „Die Krankheit Depression ist mit Medikamenten-Einnahme hundertprozentig heilbar. Wenn du in der dringend nötigen Therapie den Schlüssel dafür findest und bereit bist, mit dem Fachmann daran zu arbeiten“, sagt der Fecht-Olympiasieger von 1984, Matthias Behr, der selbst lange Zeit an einer Depression litt. Die Therapie sei genauso anzusehen, wie eine Reha nach einer Knochenfraktur. „Nur dass du dort den Kranken am Gips erkennst oder einen Grippekranken am Husten. Aber einen Depressiven erkennst du nicht“, so Behr. Selbstverständlich ist jedes Krankheitssymptom und jede Geschichte unterschiedlich zu bewerten und der eine Fall nicht mit dem anderen vergleichbar. Dennoch ist in jedem Fall die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe richtig bzw. zumeist sogar von Nöten.

Wenn in diese Richtung ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet, ist es anderen kranken Spielern künftig möglich, sich eine Auszeit vom Profifußball zu nehmen und eventuell geheilt wieder zurückzukehren. Sebastian Deisler wurde nach dem Schritt, aufgrund Versagensängsten und Selbstzweifeln seine Karriere zu beenden, von vielen als „Psycho-Basti“ abgestempelt. Und seien wir uns ehrlich: Auch ein Robert Enke hätte bei einem Outing unrühmliche Sprechchöre der Gästefans über sich ergehen lassen müssen. Tragisch, dass der glücklicherweise „positiv“ endende Fall Deisler kaum jemanden wachrüttelte, sondern erst der schreckliche Tod des Robert Enke.


 
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