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Einwurf: Hecking nur das Bauernopfer
Am Mittwoch-Abend waren die Kräfte von Dieter Hecking endgültig ausgeschöpft. Der Trainer von Hannover 96 konnte nicht mehr, bot nach einem Krisengespräch Martin Kind seinen Rücktritt an. Der Klub hat diesen Schritt angenommen und dadurch endlich einen angespannten Knoten gelöst. Und dennoch sollte eines auch jedem klar sein: Der Coach war nur das schwächste Glied der Kette, ein Bauernopfer. Die Probleme liegen aber ganz deutlich nicht bei ihm. Bei den Niedersachsen muss sich einiges ändern. Sonst geht es mit wehenden Fahnen in die zweite Liga!
Ein Kommentar
von Dennis WEINACHT
Hannover. Nein, reden wollte Dieter Hecking unmittelbar nach seinem Rücktritt nicht. Das Handy am Ohr stieg er in sein Auto und fuhr davon – für immer! Der Trainer wird nach dem Mittwoch-Abend nicht mehr als Coach bei Hannover 96 zurückkommen. Die Ära ist nach drei Jahren beendet, das Projekt Hecking trotz der Erfolge letztlich doch auch gescheitert. Gegenüber dem kicker sprach Hecking nun erstmals: „Es war spontan, aber dennoch ein konsequenter Schritt. Ich hatte am Ende einfach das Gefühl, als derjenige dazustehen, der alles bremst. In den vergangenen Tagen hatte sich viel aufgestaut. Die Situation war sehr unübersichtlich geworden, vor allem durch unsere schlechten Ergebnisse zum Saisonbeginn.“ Wieder einmal – so tickt das Geschäft – muss ein Trainer wegen eines kurzfristigen Misserfolges gehen.
Trennung wäre früher sinnvoll gewesen
Eine Trennung wäre dabei schon im letzten Winter sinnvoll gewesen. Da hatte der Trainer schon den Kredit bei den Fans verspielt. Auch innerhalb der Mannschaft hatte es längst gekriselt und in der Führung des Klubs waren sich wohl auch nicht mehr alle einig, ob es denn nun mit oder ohne Hecking besser werden würde. Nun hat der Verein die Gelegenheit, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Das Ziel: endlich den Kampf um den Klassenerhalt gegen die große Bühnen der Bundesliga einzutauschen. Viel Geld wurde unter Hecking investiert, der Erfolg aber war überschaubar. Das sahen zumindest die meisten Personen im Umfeld des Vereins so. In der Tat schien der gewünschte sportliche Wertegang zuletzt nicht mehr unter den Gegebenheiten realisierbar zu sein.

Hecking nicht der Grund des Übels
Und obwohl die Trennung bereits früher hätte erfolgen müssen, so ist Hecking dennoch in keiner Weise der alleinige Schuldige am Misserfolg der Niedersachsen. Die Klubführung sollte sich hinterfragen, ob nicht im Sommer andere Kaderplanungen und Transferaktivitäten hätten getätigt werden sollen. Nicht zuletzt auch Jörg Schmadtke trägt einen entscheidenden Anteil an der jetzigen Situation. Über die Mannschaft selbst muss man nicht weiter reden. Einige Spieler haben sich schlichtweg geschmacklos und unprofessionell verhalten. Hinter dem Rücken des Trainers soll es immer wieder Abstimmungen über Hecking gegeben haben innerhalb einer Gruppe von Kickern. Dabei soll der Coach meistens nicht eine Stimme auf seiner Seite gehabt haben.
Der Verein sollte schnell den Charakter einiger Spieler überprüfen. Wer nicht den Mut besitzt, offen zu kritisieren. Wer nicht die Courage hat, persönlich für den Erfolg gerade zu stehen. Und wer nicht den Charakter hat, offen mit Problemen umzugehen. Ja, der hat in der Bundesliga nichts verloren. Leistungs-technisch haben sich ohnehin nicht viele Spieler das Privileg erkämpft, über den Trainer zu urteilen. Nun muss der Klub reagieren. Denn mit diesem Kader und dem scheinbar nicht besonders ausgeprägten Charakter einiger Spieler wird Hannover 96 nächstes Jahr in anderen deutschen Fußball-Regionen spielen. Dann wird der Traum vom europäischen Fußball zur Utopie und die Realität heißt wieder zweite Liga!
Eure Meinung: War der Rücktritt von Dieter Hecking die Lösung der 96-Probleme?
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