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Feierabend! Jürgen Klinsmann hinterlässt Chaos und einen Scherbenhaufen
„Klinsi go home“ war nur eines der zahlreichen Transparente, die zuletzt immer wieder in der Allianz-Arena in München zu erblicken waren. Als dann die Schalker kamen und den Bayern ein 0:1 einschenkten, war das Maß voll. Randvoll. Jetzt geht der Stuttgarter Sonnyboy wirklich. Bye, bye, Klinsi!
Ein Kommentar von Nils RESCHKE
München. Jürgen Klinsmann war schon immer ein Kämpfer. Einer, der nie aufgibt. Er hätte es auch beim FC Bayern München nicht getan. „Wir ziehen das durch, mit allem, was wir haben“, sprach er nach der 0:1-Pleite gegen den FC Schalke noch in die Mikrophone. Man muss dem einstigen Torjäger eingestehen, dass er eines immer tat: Er stellte sich der Kritik. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu Manager Uli Hoeneß, der nach den Niederlagen in Barcelona oder jüngst gegen die Königsblauen auf Tauchstation ging und nur noch redete, als die Bayern zwischen diesen zwei Spielen ein kleines Zischenhoch erlebte.
Fans haben schon lange die Nase voll
Doch sich der Kritik stellen alleine reicht eben nicht bei einem Verein wie dem FC Bayern, der immer höchstes Anspruchsdenken lebt. Wenn man als Trainer in München eines nicht hat, dann ist das Zeit. Jetzt ist selbige abgelaufen für Jürgen Klinsmann, dem Visionär, der bei den Fans längst auf taube Ohren stieß mit seinen Plänen. Die quittierten schwache Leistungen zuletzt immer lauter: „Klinsmann raus!“ schallte es unüberhörbar auch am Samstag von den Rängen. Die Vereinführung war gefordert. Es gab nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder, man stellt sich vehement und mit Nachdruck hinter den Trainer. Oder aber man leistet Abbitte. Die Bayern entschieden sich für Variante zwei.
WM ist nicht Bundesliga
Was bei einer Weltmeisterschaft in einem abgesteckten Zeitraum funktionieren mag, funktioniert noch lange nicht bei einem Bundesliga-Team, das täglich – und zwar über ein Jahr lang – miteinander arbeiten muss. Der Aha-Effekt geht schnell flöten. Erst recht, wenn die Erfolge ausbleiben. 2006 hatte Klinsmann noch das Sommermärchen geschrieben. 2008/09 wurde er schnell Hauptdarsteller im Komödienstadl. Zu oft machten sich die Bayern mit ihren Leistungen lächerlich. München schwächelte, der Rest der Republik lächelte.
Hohn und Spott
Klinsmanns Hauptproblem war, dass seine Ankündigungen nicht mehr ernst genommen wurden. Selbst jetzt nicht, als Bayern „Glück im Unglück“ hatte, nach dem Wolfsburger Patzer in der Lausitz nach wie vor gute Karten im Meisterrennen besitzen. Er wollte „jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser machen“. Heute klingt das wie Hohn. Spott gab es reichlich. Man wollte alles erreichen. Im Pokal gingen die Bayern gegen entfesselt aufspielende Leverkusener unter. In der Champions League demontierte der FC Barcelona den Rekordmeister in alle Einzelteile.
Münchner Scherbenhaufen
So schlecht wie in dieser Saison haben die Fans die Münchner Mannschaft selten erlebt. Die Bayern kassierten Gegentore wie noch nie. Eine Taktik war kaum zu erkennen. Alles fixierte sich (zu sehr) auf Franck Ribery und Luca Toni. Wenn die zwei Legionäre fehlten, oder ihre Leistung nicht abrufen konnten, hieß es „Land unter“, weil Klinsis Handschrift unleserlich blieb. Jetzt muss Jürgen Klinsmann gehen – und hinterlässt Chaos. Lukas Podolski, die Torwart-Frage, mangelhafter Ersatz auf der Reservebank, bittere Pleiten im Hinterkopf – selbst die Champions League-Qualifikation ist in akuter Gefahr. Ein Scherbenhaufen. Kann Jupp Heynckes das noch kitten?
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