Kommentar: Grenzenlose Utopie

Diese Transferperiode wird noch lange einen faden Beigeschmack behalten. Unglaubliche Ablösesummen wurden gezahlt und immer mehr hat man den Eindruck, dass reiche Privatpersonen ohne Konzept und Plan den Fußball zerstören. Geld regiert immer mehr das Geschäft und es scheint ein Trend zu sein, der sich nicht mehr stoppen lässt. Aber dennoch gibt es Hoffnung: Das Beispiel Chelsea London zeigt, dass Geld nicht als Titel-Garantie einsetzbar ist. Sei es nun Kaka, de Jong oder ein anderer Fußballer – manche Summen sind einfach nur noch unmoralisch!

Money in football

Ein Kommentar
von Dennis WEINACHT

München. 120 Millionen Euro – Eine Summe, die sich die meisten Menschen nicht einmal bildlich vorstellen können. Mit diesem Geld könnte man Unglaubliches leisten, stattdessen sind andere Personen bereit, es in Fußball zu investieren. Die aktiven Goal.com-Leser werden wissen, um was es geht. Richtig, um Kaka! Noch vor wenigen Tagen stand dieser unmittelbar vor einem Wechsel zu Manchester City. Aber der Transfer platzte zum Glück im scheinbar letzten Moment. Dennoch scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die ersten Stars dem Lockruf des Geldes folgen, um bei den Engländern und anderen Vereinen sportliche Erfolge durch großen finanziellen Gewinn zu ersetzen.

Wo bleibt die Moral?

Nein, den Spielern kann man keinen Vorwurf machen. Es ist nur allzu menschlich und nachvollziehbar, dass man für das doppelte Gehalt den Arbeitgeber wechseln würde. Nicht nur im Fußball ist das so! Jeder Maschinenschlosser, jeder Maurer, jeder Busfahrer und auch jede Arzthelferin würde es nicht anders machen. Auch reden die Fans heute viel zu früh von sogenannten „Söldnern“! Es ist keinem Spieler zu verdenken, dass er während der kurzen Zeit seiner Berufstätigkeit so viel Geld wie nur möglich verdienen möchte.

Der Vorwurf geht viel mehr an die Vereine, die bereit sind solch utopische Summen zu zahlen. Gewissenlos und vor allem unmoralisch sind diese Angebote. Jährlich sterben auf europäischen Straßen viele tausend Kinder wegen des Mangels an Nahrung. 120 Millionen Euro. Damit könnte man mehr als nur ein Leben retten. Für andere ist das der legitime Preis für einen Angestellten, der im besten Fall zehn Jahre Topleistung zeigen kann. Dieser Fußballer ist also mehr wert, als Menschenleben. Sehr bedenklich!

Geld = Erfolg? Nein!

Zumal man sich mit Geld nicht einmal im Ansatz den Erfolg kaufen kann. Das beste Beispiel ist Chelsea London. Auch Abramowitsch wollte den europäischen Spitzenfußball dominieren. Das ist ihm auch mit vielen, vielen Millionen nicht gelungen. Nun steht er bei den Londonern vor dem Aus. Fraglich finde ich es dann zudem, wenn die Gelder ohne Plan aus dem Fenster geworfen werden. Ich vergleiche an dieser Stelle immer wieder gerne mit der TSG 1899 Hoffenheim. Dort findet man ohne Frage ein Konzept, eine ideologische Vorstellung von Investition im vernünftigen Rahmen vor.

Genau diese Vernunft vermisse ich bei Manchester City und Co. Bei allem Respekt für Nigel de Jong, aber ist dieser Spieler wirklich eine Ablösesumme von 18 Millionen Euro wert? Ich denke nicht! Dahinter steckt kein langfristiges Konzept. Der Spieler sollte verpflichtet werden, koste es was es wolle. Die Relationen gehen immer mehr verloren und man fragt sich ganz allmählich: Was ist dieser Sport noch wert?

Rückgang in der Zukunft

Hier aber bin ich sehr hoffnungsvoll. In den kommenden Jahren wird sich diese Entwicklung weiter zuspitzen, um dann aber schlagartig abzuklimmen. Es wird kein dauerhafter Zustand bleiben, dass Milliardäre das Geschäft Fußball kontrollieren. Eine Unterlassung in Form von Gesetzen zu fordern, wird sehr schwer! Denn wo setzt man die Grenzen? Bei fünf Millionen Euro? Oder bei zehn Millionen? Oder doch erst bei 50 Millionen? Man sollte den Dingen ihren Lauf lassen, denn diese Projekte werden auf Dauer immer und immer wieder scheitern. Bis auch der letzte dem Größenwahn verfallene Klubeigner merkt, dass das Herz dieses Sportes eben doch nur während der 90 Minuten auf dem Rasen schlägt. Doch bis diese Erkenntnis auch den Allerletzten erreicht hat, werden noch viele, viele Millionen ins Land streichen...

Eure Meinung: Wie bewertet Ihr die Entwicklung im Fußball? Und wie sollte man dieser entgegenwirken?



 
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