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Der Deutsch-Engländer kämpft mit dem FC Fulham gegen den Abstieg. Bei Goal erzählt er, ob der Wechsel zu Tottenham richtig war und wie es mit ihm weitergeht.

INTERVIEW
Von Hassan Talib Haji

London. Lewis Holtby ist unter Felix Magath beim FC Fulham eine tragende Säule. Die Cottagers befinden sich im Abstiegskampf und kämpfen nahezu ums Überleben. Der Linksfuß kam im Januar auf Leihbasis von Tottenham Hotspur und genießt es, wieder regelmäßig auf dem Platz zu stehen.

Denn das war bei den Spurs nicht der Fall. Der 23-jährige Spielmacher brauchte dringend Spielpraxis, deshalb scheute er auch nicht den Weg von einem Europapokal-Aspiranten zu einem Abstiegskandidaten. Für Holtby lohnte sich der Wechsel zum Londoner Stadtrivalen, dennoch macht er nun im exklusiven Gespräch mit Goal klar, dass er Stand jetzt zu Tottenham zurückkehren wird.

Herr Holtby, wie fühlen Sie sich gegen Ende der Saison – werden die Beine schwer?

Holtby: (Lacht) Zum Glück noch nicht. Ich fühle mich sehr gut, bin körperlich fit und mental gut drauf. Nach so einem Sieg, wie letztes Wochenende, tankt man natürlich viel Selbstvertrauen. Wir haben noch alles in eigener Hand. Ich freue mich auf die nächsten Spiele.

Sie sprechen es an. Gegen Aston Villa haben Sie mit dem FC Fulham auswärts 2:1 gewonnen. Was hat Felix Magath mit der Mannschaft gemacht, um absoluten Glauben an den Klassenerhalt zu vermitteln?

Holtby: Er redet sehr viel mit dem Team. Er vermittelt uns den absoluten Willen und Glauben an uns selbst. Wir trainieren natürlich auch sehr hart, damit wir unsere Qualität jedes Wochenende bestmöglich auf den Rasen bekommen. Bei Aston Villa war es natürlich schön, dass wir knapp 3.000 Fans dabei hatten. Umso schöner sind natürlich die drei Punkte, die wir ihnen schenken konnten. Ich hoffe, dass wir diese Stimmung und den Glauben aufrechterhalten, und weiter Gas geben.

Wie optimistisch sind Sie, den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen?

Holtby: Ich glaube einfach an unsere Qualität und daran, dass wir es noch schaffen können. Wenn wir am Wochenende das Heimspiel gegen Norwich City gewinnen, dann sind es nur noch zwei Punkte Rückstand. Wir haben noch alle Möglichkeiten. Unsere kommenden Gegner kämpfen wie wir gegen den Abstieg. Wir müssen weiter Taten folgen lassen, erzählen bringt uns nichts.

Sie haben sich bewusst für die Ausleihe zu Fulham entschieden. Von einem Europapokal-Aspiranten zu einem Abstiegskandidaten. War es im Nachhinein dennoch eine richtige Entscheidung?

Holtby: Absolut. Es waren zwar noch einige andere Dinge im Gespräch, aber für mich hat hier alles gepasst. Viele Faktoren haben den Ausschlag gegeben. Der Verein ist sehr familiär, einfach ein toller Klub. Man spürt hier richtig den Zusammenhalt. Für mich war das also kein Rückschritt. Ich spiele in der Premier League und kann mich Woche für Woche in der besten Liga beweisen. Ganz wichtig ist einfach, dass ich zu meinen Einsätzen komme.

"Ich habe das Gefühl, dass mein Weg hier noch nicht zu Ende ist."

Lewis Holtby

Die mangelnde Einsatzzeit bei Tottenham hatte großen Anteil an Ihrer Entscheidung. Warum hat es bei den Spurs nicht direkt auf Anhieb geklappt?

Holtby: Ich bin mir sicher, dass ich alles dafür getan habe, um zu spielen. Wir hatten einen großen Kader und es wurde viel rotiert. Da war es nicht immer leicht für mich. Ich bin ein Spieler, der immer auf dem Platz stehen will. Von daher war es wichtig, diesen Schritt zu Fulham zu machen und mich ausleihen zu lassen. Mit meiner jetzigen Aufgabe kann ich mich identifizieren und fühle mich sehr wohl.

Was haben Sie daraus gelernt, beziehungsweise an Erfahrung sammeln können?

Holtby: Eine ganze Menge, ich bin ja noch ein junger Spieler. Mit Tottenham habe ich um die Europapokalplätze gespielt und mit Fulham nun um den Klassenerhalt. Für mich sind das tolle Erfahrungen und ich nehme viel für mich mit. Ich bin von meinen Qualitäten überzeugt und sicher, dass ich mich noch weiterentwickeln werde, und den nächsten Schritt mache.

Rene Meulensteen hat Sie im Januar ins Craven Cottage gelotst, dann wurde er von Felix Magath abgelöst. Hand aufs Herz: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie wussten wieder auf Ihren damaligen Ex-Trainer zu stoßen?

Holtby: Zu dem Zeitpunkt war ich in Dänemark, es kam schon ziemlich plötzlich. Ich fand es etwas schade für Rene Meulensteen, zu dem ich ein gutes Verhältnis hatte. Als Profi darf dich so was aber nicht tangieren, du musst dich nur auf deine Leistung konzentrieren. Ich habe überhaupt kein Problem mit Felix Magath. Er hat zu mir gesagt, dass er von meinen Qualitäten immer überzeugt war. Wir haben einen sehr, sehr guten Umgang miteinander.

Tottenham-Trainer Tim Sherwood vermisste in der letzten Zeit Charakter in seiner Mannschaft. Sie sind dafür bekannt, dass Sie mit viel Herzblut und Leidenschaft Ihrem Beruf nachgehen. Die Spurs hinken den Europapokalplätzen hinterher. Fehlt da nicht gerade jetzt ein Lewis Holtby?

Holtby: (Lacht) Das ist eine gemeine Frage.

Da haben Sie recht.

Holtby: Jeder Trainer hat seine Vorstellungen von Fußball und von Personen. Wie gesagt bin ich von meinen Qualitäten und der Art Fußball zu spielen überzeugt. Die Fans haben das bei mir auch immer honoriert, ob es bei Tottenham oder jetzt bei Fulham war. Ich gebe stets 100 Prozent und spiele immer mit Herz. Ich fühle mich bei Fulham wohl und konzentriere mich voll auf den Abstiegskampf. Alles andere ist erstmal unwichtig.

Louis van Gaal wird als Nachfolger von Sherwood in den Raum geschmissen. Da Sie an der White Hart Lane noch bis 2018 Vertrag haben, ist die dortige Entwicklung sicherlich nicht uninteressant für Sie.

Holtby: Es wird immer viel gesprochen. Dass Louis van Gaal ein herausragender Fußballlehrer ist, ist unbestritten. Er hat schon große Mannschaften zu großen Erfolgen geführt. Ich weiß nicht, ob er dort Trainer wird oder nicht, das liegt auch nicht in meiner Hand. Darüber will ich mir auch keine Gedanken machen.

Ihr Vertrag beim FC Fulham läuft im Sommer aus. Kehren Sie definitiv zu Tottenham zurück oder gibt es auch andere Optionen?

Holtby: Es bringt jetzt für mich nichts über andere Vereine zu sprechen, ich habe schließlich einen langfristigen Vertrag bei Tottenham. Ich weiß Stand jetzt, dass ich nach meinem Sommerurlaub wieder ins Training bei den Spurs einsteige. Was bis dahin passiert, kann ich nicht sagen. Mein Berater kümmert sich um alles, und wie ich weiß ist sein Handy immer angestellt. Ich hab' es geliebt für Tottenham zu spielen und ich möchte meinen Vertrag auch erfüllen. Zuerst ist aber wichtig, dass wir mit Fulham den Abstieg vermeiden. Allein schon aus Dankbarkeit gegenüber den unglaublichen Fans, es wäre sehr schade, wenn so ein toller Klub nicht erste Liga spielt.

Wie Goal weiß, besitzen die Cottagers für Sie eine Kaufoption, wobei die letzte Entscheidung Ihnen obliegt. Können Sie sich vorstellen bei Fulham zu bleiben?

Holtby: Darüber denke ich jetzt nicht nach. Wichtig sind die nächsten Spiele. Ich bin Fulham dankbar, dass ich hier die Chance bekommen habe, regelmäßig zu spielen und ich will ihnen dafür auch etwas zurückgeben. Aber wie ich schon sagte: Stand jetzt kehre ich zu Tottenham zurück, aber vorher will ich dabei helfen, hier die Klasse zu halten. Was, wie, wo irgendwann danach ist, lasse ich auf mich zukommen und werde erst darüber nachdenken, wenn es soweit ist.

Sehen wir Sie denn irgendwann in der Bundesliga wieder? Im Januar wäre es ja fast soweit gewesen.

Holtby: Das ist natürlich immer ein Thema, weil Deutschland meine Heimat ist. Ich fühle mich in England aber sehr wohl. Ich liebe den englischen Fußball und habe große Freude daran, in den Stadien zu spielen. Ich habe das Gefühl, dass mein Weg hier noch nicht zu Ende ist. Im Fußball kann man aber auch nie nie sagen, das kennt man ja. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, was im Sommer passiert, dann bin ich nicht im Hier und Jetzt. Im Moment zählen nur Fulham und der Klassenerhalt.

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