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Der Flügelflitzer ist bereits in seinem sechsten Jahr beim Revierklub und denkt offenbar nicht an einen Vereinswechsel. Goal sprach mit ihm allerdings nicht nur darüber.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Er trägt seine schwarze Mütze halb über den Kopf gezogen und zeigt sich gut gelaunt. Jefferson Farfan von Bundesligist Schalke 04 gab sich im Interview mit Goal locker und entspannt. Nach dem 3:0-Heimsieg über Steaua Bukarest in der UEFA Champions League sprach der pfeilschnelle Rechtsaußen über seine Karriere, die Königsblauen und die Vorwürfe ein Abzocker zu sein.

Herr Farfan, immer wenn Sie ein Tor schießen stecken Sie sich beide Daumen in den Mund. Als Widmung für Ihre beiden Kinder. Was machen Sie, wenn Sie noch mal Vater werden?

Farfan: (lacht) Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich werde mir etwas überlegen, wenn es so kommen sollte.

Sie spielen bei Schalke auf der rechten Seite zusammen mit Atsuto Uchida. Er hat am Mittwochabend gegen Steaua Bukarest ein eher ungewolltes Tor gemacht. Es sah aus, als war ihm das schon fast unangenehm.

Farfan: Wir haben ihn ein bisschen aufgezogen und geärgert. Er wollte ja eigentlich flanken und plötzlich ist der Ball drin. Das Tor hat uns sehr geholfen.

Sie verstehen sich gut mit dem Japaner.

Farfan: Ja. Er ist ein guter Freund von mir, wir sind Kumpels. Ich hoffe, dass er weiter gut spielt und uns mit seiner Qualität hilft.

Sie spielen mit dem FC Chelsea, FC Basel und Steaua Bukarest in der Champions-League-Gruppe. Sie sind derzeit Tabellenerster.

Farfan: Wir wollen da unbedingt weiterkommen. Der erste Platz in der Gruppe wäre natürlich toll, aber Zweiter zu werden ist auch okay. Hauptsache weiter.

Am Samstag spielen Sie gegen den FC Bayern. Den letzten Heimerfolg gab es 2010. Damals noch mit Raul. Welche Chancen rechnen Sie sich diesmal aus?

Farfan: Wir werden alles geben, allerdings spielen wir gegen eine der besten Mannschaften in Europa. Die sind Deutscher Meister und Champions-League-Sieger. Aber wir spielen zuhause und mit der Unterstützung unserer Fans ist alles möglich. Wir wollen alles versuchen, um zu gewinnen.

Sie sind mittlerweile im sechsten Jahr auf Schalke. Was bedeuten Ihnen der Verein und die Fans?

Farfan: Dieser Klub liegt mir am Herzen, es ist mein zweiter in Europa. Die Fans sind bewundernswert, sie folgen uns überall hin. Mittlerweile ist Schalke für mich wie eine Familie. Ich hatte auch Angebote anderer Vereine, aber ich fühle mich hier wohl und bin sehr zufrieden. Ich wünsche mir, noch lange auf Schalke zu spielen.

Man liest selten Interviews von Ihnen, Sie machen einen schüchternen Eindruck. Trotzdem sind Sie in den Medien oft mit Eskapaden abseits des Platzes vertreten. Wie kommt das?

Farfan: Es wird überall geredet und spekuliert, vor allem in meiner Heimat. Ich konzentriere mich einzig auf den Fußball und meine Karriere. Für mich zählt momentan nur der Erfolg mit Schalke.

Wie eingangs erwähnt, sind Sie familienverbunden.

Farfan: Ich war schon immer ein Familienmensch. Sie gibt mir Kraft und Motivation mein Bestes zu geben.

In Peru sind Sie ein Superstar. Wie sehr nervt es, dass Sie dort kaum einen Schritt vor die Haustür machen können, ohne dass Reporter Sie verfolgen?

Farfan: Was heißt Superstar? Ich bin ein normaler Spieler von Peru. Es gibt noch andere Topspieler bei uns, wie Claudio Pizarro oder Paolo Guerrero. Große Gedanken mache ich mir da nicht.

Wie ist das in Deutschland? Haben Sie hier die Ruhe für Ihre Familie, die Sie sich wünschen?

Farfan: Natürlich. Hier habe ich viel Zeit für meine Familie. In Peru ist das meistens anders, wir sind immer nur kurz zu den Länderspielen dort und müssen uns dann voll auf die Spiele mit der Nationalmannschaft konzentrieren.

Mit S04 sind Sie schlecht in die Saison gestartet. Nun haben Sie in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen und beim FSV Mainz 05 gewonnen. Was ist möglich für Schalke?

Farfan: Ich kann jetzt nicht sagen, dass wir Meister werden. Das wäre vermessen! Wir denken von Spiel zu Spiel. Wir haben neue Spieler bekommen, wie Kevin-Prince Boateng und Dennis Aogo. Sie haben eine große Qualität. Das tut uns sehr gut. Wir werden unser Bestes geben, Schritt für Schritt, und dann sehen wir, was am Ende dabei herumkommt.

Kevin-Prince Boateng haben Sie angesprochen, seit er auf Schalke ist, läuft es. Wie bringt er sich ins Team ein?

Farfan: Er ist ein Spieler mit viel Qualität. Er ist sehr dynamisch in der Offensive und bringt frische Ideen in unser Spiel. Er macht uns noch stärker.

Stärker als Dortmund? Wie sehen Sie die Rivalität zwischen Schalke und dem Erzrivalen?

Farfan: Das ist immer etwas Besonderes zwischen Schalke und Dortmund. Es ist egal, wie die Mannschaften drauf sind. Letztes Jahr stand der BVB auch vor uns, in den Derbys haben wir sie trotzdem zweimal schlagen können. Wir haben gezeigt, dass wir sie besiegen können.

JEFFERSON FARFAN | FC Schalke 04, Rechtsaußen

BUNDESLIGA
Einsätze 146
Tore 31
Vorlagen 44
SPIELERAKTE
Vertrag bis 2016
Marktwert ca. 16 Millionen Euro
Attribute Schnelligkeit, Standards

Letztes Jahr haben Sie Ihren Kontrakt verlängert. Als es um Ihre Vertragsverlängerung ging, sollen Sie ein Handgeld von 14 Millionen Euro von Schalke gefordert haben. Viele Fans nannten Sie einen Abzocker.

Farfan: Das Meiste, was in den Zeitungen stand, war komplett erfunden. Die Wahrheit wissen nur die Verantwortlichen von Schalke und ich.

Ihren ersten Profivertrag haben Sie bei Alianza Lima unterschrieben, als Sie erst 16 Jahre alt waren. Wie war das damals für Sie?

Farfan: Fußballprofi zu werden war schon immer mein Traum. Ich habe mich sehr gefreut, als es geklappt hat. Ein paar Jahre danach habe ich die Chance bekommen in Europa zu spielen und bin dann nach Holland zu PSV Eindhoven gewechselt. Jetzt bin ich auf Schalke, davon träumt jeder kleine Junge.

Sie wollen Ihre Karriere aber in Lima beenden. Werden Sie in Europa nur noch für Schalke spielen?

Farfan: Mein letzter Klub als Profi soll Alianza Lima sein, das ist mein Heimatklub. Dort hat alles für mich angefangen. Meine Karriere in Europa möchte ich bei Schalke beenden, klar. Aber im Fußball kann vieles passieren.

Sie haben immer wieder mal Anfragen und Angebote anderer Vereine. Warum sind Sie nicht gewechselt und blieben dem FC Schalke treu?

Farfan: Schalke ist meine Familie. Natürlich träume ich davon, einmal die Meisterschaft nach Gelsenkirchen zu holen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich noch hier bin. Ich will helfen, das zu schaffen. Aber auch ohne, fühle ich mich einfach wohl hier.

Können Sie sich denn vorstellen mal in Spanien oder England Ihre Stiefel zu schnüren?

Farfan: Ich habe hier Vertrag bis 2016, das zählt. Andere Dinge interessieren mich nicht.

Mit der Nationalmannschaft Perus haben Sie sich nicht für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert. Sie haben bittere Tränen geweint.

Farfan: Wir haben hart dafür gearbeitet in den letzten Jahren, es ist traurig, dass wir das nicht geschafft haben. Es war unser Traum. Das tut mir sehr weh.

Ihr Nationaltrainer, Sergio Markarian, geriet deshalb in Peru in große Kritik. Welches Verhältnis haben Sie zu ihm?

Farfan: Er hat gute Arbeit gemacht. Leider hatten wir kein Glück, aber er ist ein guter Trainer. Ich möchte weiter mit ihm zusammenarbeiten.

Sie spielen am Wochenende gegen den FC Bayern und Ihren Nationalteam-Kollegen Claudio Pizarro. Gab es vor dem Spiel Kontakt oder gar eine Wette?

Farfan: Nein, Kontakt deswegen gab es noch nicht. Wir hören ja so auch oft voneinander. Eine spezielle Wette gibt es auch nicht.

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