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Roberto Hilbert: Die Stimmung auf Schalke kann sehr schnell kippen

Der Neuzugang von Bayer Leverkusen freut sich zurück in der Bundesliga zu sein. Er spricht über seine Erfahrungen und den kommenden Gegner von Bayer Leverkusen - Schalke 04.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Leverkusen. Nach mehreren Jahren in der Türkei bei Besiktas Istanbul kehrte Roberto Hilbert vor dieser Saison in die Bundesliga zurück. Nun schnürt der Ex-Stuttgarter seine Stiefel für Bayer 04 Leverkusen und am Samstagabend trifft er mit seinem neuen Team auf den FC Schalke 04.

Im Vorfeld dieser Begegnung sprach Goal mit dem 28-Jährigen über seine Zeit in der Türkei, eingestandene Fehler, neue Erfahrungen und die schwere Aufgabe auf Schalke.

Herr Hilbert, beim letzten Goal-Interview haben wir Sie in Orlando (Florida) erreicht. Waren Sie dort auch mal im Walt Disney Ressort?

Hilbert: (lacht) Ich habe tatsächlich Jahreskarten für die Disney-Parks.

Seit einigen Wochen haben Sie auch wieder einen Vertrag als Spieler der Bundesliga. Was hat Sie dazu bewogen, nach Deutschland zurückzukehren?

Hilbert: Es ist natürlich meine Heimat, und die Bundesliga ist mittlerweile die beste Liga der Welt. Jeden Spieler reizt es, hier zu spielen. Für mich kam das Angebot von Bayer Leverkusen genau richtig. Da habe ich dann auch nicht lange gezögert.

Sie spielen mit Bayer Leverkusen in der Bundesliga ganz oben mit, zudem sind Sie sicher in der Champions League vertreten. Es hätte Sie schlimmer treffen können ...

Hilbert: Absolut. Ich spiele bei einem der Top-Drei-Klubs in Deutschland, dazu auch direkt in der Champions League. Die ersten Partien liefen für uns reibungslos, so darf es gerne weitergehen.

Was ist für die Werkself in dieser noch langen Saison denn möglich?

Hilbert: Eine Prognose kann man nicht wirklich fällen, weil die Saison einfach noch sehr jung ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Qualität und viel Potenzial in der Mannschaft haben. Wenn wir weiter so konzentriert sind, gut und hart arbeiten, dann können wir etwas erreichen – auf jeden Fall!

In den ersten beiden Bundesligapartien spielten Sie gar nicht. Im Derby gegen Borussia M’gladbach standen Sie plötzlich in der Startelf. Wie hat Ihnen Trainer Sami Hyypiä die Entscheidung erklärt?

Hilbert: Er ist am Spieltag zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass ich von Beginn an spielen werde. Ich habe mich natürlich riesig gefreut und es hat ja in dem Spiel auch gut geklappt. Sicherlich war das nicht überragend gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Ich denke, es war eine solide Leistung. Aber, es gibt noch Luft nach oben.

Sie wollen sich ja in die Stammformation spielen, das war schon ein Schritt nach vorne ...

Hilbert: Das müssen andere beurteilen. Aber ich bin fit und ich bin bereit. Jeder Fußballer will so viel wie möglich spielen - und dafür werde ich im Training jeden Tag Gas geben.

Gegen Borussia M’gladbach war es ein Derby. Hat Sie Sami Hyypiä wegen Ihrer kämpferischen Fähigkeiten plötzlich dazu auserkoren zu spielen?

Hilbert: Deswegen hat mich der Verein verpflichtet und deswegen bin ich ja auch hierher gekommen. Die Verantwortlichen wissen, dass ich in einem guten Alter bin und viel Erfahrung gesammelt habe. Egal welches Spiel, egal welches Training – ich haue immer 100 Prozent rein. Diese Einstellung hat man ja auch in der Türkei an mir geschätzt.

Ihr Teamkollege Stefan Kießling hat sich dazu entschlossen, nie mehr unter Joachim Löw in der Nationalmannschaft zu spielen. Welche Meinung haben Sie dazu?

Hilbert: Der Stefan ist erfahren genug, um zu wissen, was er da macht. Ich kenne "Kies" jetzt auch schon ziemlich lange. Er hat schlicht gesagt, dass er das Thema ruhen lassen möchte, es verfolgt ihn schließlich auch schon sehr lange, ohne dass er das will. Es ist eine Entscheidung, die er für sich treffen musste.

Hoffen Sie insgeheim mit einem starken Jahr wieder in den Fokus der Nationalelf zu rücken und vielleicht auf den WM-Zug aufzuspringen?

Hilbert: Da mache ich mir derzeit ehrlich nicht allzu viele Gedanken. Ich habe jetzt gerade mal ein Spiel für Bayer gemacht.

Moment. Sie werden doch sicherlich auch eigene Ansprüche haben, gerade als ehemaliger Nationalspieler. Auf der Position des Rechtsverteidigers wird es nach Philipp Lahm nun mal sehr dünn ...

Hilbert: Mein Ziel ist es doch auch, alles zu geben und vielleicht irgendwann wieder zurückzukommen. Davon träumt doch jeder Fußballer. Alles, was ich machen kann, das ist einfach Gas zu geben und gute Leistungen zu bringen. Und mal ehrlich: Welcher Spieler will nicht bei einer WM spielen? Vielleicht wird’s was, vielleicht auch nicht. Aber das hat derzeit ganz sicher nicht oberste Priorität. Jetzt muss ich mich erst mal in Leverkusen etablieren.


"Ich glaube, wenn wir unser Spiel durchbringen und unsere Qualität auf den Platz bringen, dann kann die Stimmung auf Schalke sehr schnell kippen."


- Roberto Hilbert

Am Samstag spielen Sie bei Schalke 04. In der Bundesliga steckt der Revierklub in einer Krise ...

Hilbert: Nun ja, sie haben sich immerhin für die Champions League qualifiziert, das kann Kräfte frei setzen. Zuletzt hat die Mannschaft allerdings viel Verletzungspech gehabt. Im letzten Bundesligaspiel gab es sogar noch zwei Platzverweise gegen Schalke, wichtige Spieler fallen aus. Das kann ein Vorteil sein, aber auch ein Nachteil. Nach dem Spiel weiß man mehr.

Das Schalker Umfeld ist sehr angespannt ...

Hilbert: Trotzdem: Die werden auch diesmal wieder ein volles Haus haben. Ich glaube, wenn wir unser Spiel durchbringen und unsere Qualität auf den Platz bringen, dann kann die Stimmung auf Schalke sehr schnell kippen. Das überträgt sich dann vielleicht auch auf die Mannschaft.

Das passiert auf Schalke nicht selten, wie gehen Sie als Gegner damit um?

Hilbert: Wir wollen unsere Stärken ausspielen und Tore machen. Dann bin ich sicher, dass wir dieses Spiel auch gewinnen können. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Schalke einen absoluten Top-Kader hat. Das ist eine richtig gute Mannschaft.

Vielleicht haben Sie das auch schon mal erlebt – Sie hatten Qualität im Kader und verlieren die Spiele trotzdem. Ist Fußball mehr Fuß oder Kopf?

Hilbert: Beides. Du brauchst natürlich auch eine gewisse Qualität am Fuß. Aber es ist auch vieles eine mentale Sache. Wenn du bei einem Topklub spielst, dann hast du auch dementsprechend viel Druck und Erwartungshaltung. Das muss einer Mannschaft bewusst sein und damit muss man lernen umzugehen. Ich hab es ja selber in Istanbul erlebt. Die Stimmungen schwanken zwischen Positiv und Negativ. Gerade wenn es schlecht läuft, ist es hart. Aber wenn der Knoten einmal geplatzt ist, dann schwingt alles um. Bei uns läuft es im Moment gut. Wir müssen einfach so weitermachen.

Wo sehen Sie die Schwächen des FC Schalke?

Hilbert: Sie haben gerade personell sehr viel Pech. Jetzt fällt Benedikt Höwedes aus, Christian Fuchs auch - beide sind gesperrt. Neue Spieler kommen rein, die vielleicht noch gar nicht den Spielrhythmus der Schalker Mannschaft haben. Aber es kann alles auch ganz anders sein. Es bringt nichts, das im Vorfeld zu diskutieren.

Kommen wir zu Ihnen. Sie sind 28 Jahre jung und haben sich weiterentwickelt. Was unterscheidet den Roberto Hilbert von heute und dem aus Stuttgarter Zeiten?

Hilbert: Ich bin erfahrener geworden. Ich kann viele Dinge besser einschätzen. In Stuttgart habe ich in vielen Dingen einfach Anfängerfehler begangen.

Sehr selbstkritisch von Ihnen. Welche Fehler waren das?

Hilbert: Zum Beispiel im Umgang mit Journalisten, als ich kritisiert wurde. Ich habe mir das einfach zu sehr zu Herzen genommen. Ich habe dann eine Blockade gegenüber den Leuten aufgebaut.

Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?

Hilbert: Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass das nicht immer hilfreich ist. Man muss immer 100 Prozent bei der Sache sein, aber es gehört auch eine gewisse Entspanntheit dazu. Das habe ich im Besonderen in der Türkei gelernt. Man muss die Dinge auch mal mit Humor nehmen und nicht so ernst. Zum richtigen Zeitpunkt braucht es aber die volle Konzentration. Das ist ein Mittelweg, den man als Spieler mit der eintretenden Erfahrung finden wird.

Sie haben die Türkei gerade angesprochen. Sie waren lange Jahre bei Besiktas Istanbul. Welche Unterschiede gibt es zwischen dem türkischen und dem deutschen Fußball?

Hilbert: In der Türkei leben die Fans den Fußball wie in Deutschland auch. Die Fans sind immer mit Leib und Seele dabei. Die Emotionen kochen dort natürlich auch manchmal ein bisschen hoch. Der Hype der Bundesliga ist derzeit enorm in Europa! Trotzdem bin ich der Ansicht, die türkische Liga wird unterschätzt.

Inwiefern?

Hilbert: In der Türkei gibt es viele gute Spieler und richtig starke Mannschaften. Es ist schade, dass in Deutschland die Berichterstattung nicht wirklich so ist, dass man tiefen Einblick in die türkische Liga bekommt. Das finde ich einfach schade.

Wer wird Deutscher Meister? Bayer Leverkusen?

Hilbert: (lacht) Wir werden alles tun, um erfolgreich zu spielen – aber wir sollten auf dem Boden bleiben.  

Ohne einen Tipp lassen wir Sie ungern gehen ...

Hilbert: (lächelt) Ich habe mir hellseherische Fähigkeiten noch nicht angeeignet, deswegen kann ich da nicht weiterhelfen.

Mehr zu Roberto Hilbert auf seiner offiziellen -Seite!

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