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EXKLUSIV - Monika Staab gehört zu den vielen Deutschen, die sich rund um den Globus für die Entwicklung des Fußballs einsetzen. Wir sprachen mit Ihr über ihre Arbeit.

Berlin. Nur noch wenige Wochen, dann werden in drei Kategorien wieder die Preise der „Initiative Deutscher Fußball Botschafter“ vergeben. Am 13. Mai steigt in Nürnberg die Verleihung bei der jede Menge Prominenz erwartet wird.

Monika Staab, Nationaltrainerin von Katar, spricht im Interview über die Arbeit im Ausland, ihre persönlichen Erfahrungen und die Nominierten.

Wie finden Sie die Idee der Initiative Deutscher Fußball Botschafter?

Monika Staab:
Eine interessante Initiative, die Aufmerksamkeit verdient. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Deutschland in der Welt über den Fußball einen hervorragenden Ruf genießt und den gilt es zu pflegen und stetig zu verbessern. Da finde ich es gut, dass dies gewürdigt und die Aufmerksamkeit und Anerkennung auf diese Weise erhöht wird.

Schirmherr der Initiative ist Rudi Gutendorf – ein Weltenbummler wie Sie. Er bezeichnete sich einmal als „Botschafter im Trainingsanzug“. Wie würden Sie sich beschrieben?


Monika Staab: Beim Frauenfußball sehe ich das etwas anders. Hier gibt es andere Hürden, man ist zudem mehr Pionier, Seelsorger, Zuhörer. In vielen Ländern erhielt ich großen Respekt dafür, dass sich jemand aus der professionellen „Nicht-aufgeben-und-Genauigkeits-Mentalität“ der Deutschen überhaupt die Zeit nimmt, als „Entwicklungshelfer“ zu fungieren. Das motiviert dann wiederum die Frauen im Fußball.

„Deutscher Fußball Botschafter 2013“ - Das sind die Nominierten

Nominiert wurden für den Hauptpreis dieses Jahr Ihre Trainerkollegen Otto Pfister, Holger Obermann, Bernd Stange, Michael Weiß (sowie Jürgen Klinsmann für sein Auslandsimage als Spieler). Tauschen Sie sich aus? Sind so schon mal jemandem von ihnen begegnet?

Monika Staab: Holger (Obermann) kenne ich sehr gut, noch aus seiner Zeit als hr-Moderator Er ist für mich der prädestinierte Botschafter, der sich menschlich auch voll mit der Aufgabe identifiziert und dadurch sehr nachhaltig arbeitet. Er lebt die Aufgabe war in so vielen Krisengebieten und manchmal sind es nur die „Zwei-Minuten-Glückseligkeit“ die so viel helfen. Auch Michael Weiß kenne ich persönlich seit Ruanda und er hat einen regelrechten Hype auf den Philippinen losgelöst. Bernd Stange kenne ich nicht persönlich, habe aber gehört, dass er auch große Gefahren in Kauf genommen hat. Und Otto Pfister würde ich gern mal kennenlernen. Über seine positive Art mit Humor, Anpassungsfähigkeit und Akzeptanz der Menschen habe ich viel Gutes gehört.

Sind Sie sich Ihrer Verantwortung  bewusst, die Sie durch Ihre Auslandspositionen für das Ansehen von Deutschland im Ausland haben?

Monika Staab: Ich denke, das ist man automatisch, da jeder Trainer mit solch einer Aufgabe Flexibilität mitbringen muss und sich klar sein sollte, auf was er sich einlässt. Ich sehe es als Verantwortung auch, seine Spieler zu verstehen. Und glauben Sie mir – das Lächeln was zurückkommt ist mehr wert als alles andere.

In welchem Land Ihrer 63 Auslandsstationen empfanden Sie Ihre Mission am erfolgreichsten?

Monika Staab: Ich denke, die größte Aufgabe war in den verschiedenen Ländern des westarabischen Raums bzw. der muslimischen Welt zur Öffnung des Frauenfußballs beizutragen. Während meiner Zeit erweiterte sich die FIFA-Rangliste von 101 auf 175 Nationalteams und es macht mich schon stolz meinen Teil dazu beigesteuert zu haben.



Gibt es eine besonders schöne Geschichte an die Sie sich erinnern und die Ihnen heute vielleicht immer noch Antrieb verleiht?

Monika Staab: Erst kürzlich in Katar kam eine Mutter zu mir die sich bedankte, dass sich ihre Tochter so sehr verändert hat. Seit sie Fußball spielt ist sie nicht mehr nur noch mit iPhone und TV in ihrem Zimmer beschäftigt, sondern kommuniziert auf einmal wieder richtig mit ihrer Mutter und nimmt wieder voll am Leben teil. Das hat mich sehr gefreut.
 
Doris Fitschen sitzt als erfolgreiche Frauenfußballerin in der Jury der Initiative Deutscher Fußball Botschafter – in wieweit sind erfolgreiche Fußballerinnen aus Deutschland auch Vorbild in Ihren bisherigen Einsatzländern?

Monika Staab: Eigentlich zu wenig. Vielleicht Mata aus Brasilien. Die FIFA Botschafterinnen müssten viel mehr eingesetzt werden. Aber ansonsten sind die Voraussetzungen gar nicht gegeben und die Mädchen fiebern eher Messi & Co nach, weil sie auch zu wenig vom Frauenfußball in der Öffentlichkeit mitbekommen, um Vorbilder im Frauenfußball überhaupt zu kennen. Allerdings im Inland hat eine Doris Fitschen schon ihren Anteil, den Frauenfußball erfolgreich zu entwickeln. Hierbei war besonders die Kombination Persönlichkeit/Aussehen/Erfolg und natürlich ihre fußballerischen Fähigkeiten sehr hilfreich.

„Deutscher Fußball Botschafter 2013“: Özil, Khedira oder Hut - Wer gewinnt den Publikumspreis?

Sicher waren ihre Aufgaben in den vielen Ländern nicht immer frei von Problemen – gab es auch Länder, in denen Sie mal ans Aufgeben gedacht haben?

Monika Staab: Nein, nie. Bei jedem Abflug war immer das Gefühl da, zumindest etwas Gutes hinterlassen zu haben. Gutes zu bewirken und auch das Gefühl „gebraucht zu werden“ bringt stets neue Energie. In Pakistan sagte mal ein Teammitglied als ich zurückkam „the angel comes“ – das hat mich sehr berührt und motiviert.