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EXKLUSIV - Monika Staab hat während ihrer Laufbahn an vielen ungewöhnlichen Stationen halt gemacht. Im Moment trainiert sie die Frauen-Nationalelf von Katar. Wir sprachen mit ihr.

Berlin. Schon als aktive Fußballerin war Monika Staab abenteuerlustig: Die 54-Jährige spielte unter anderem in Frankreich bei Paris Saint-Germain und in England bei den Queens Park Rangers. Nach einer erfolgreichen Zeit als Trainerin und Präsidentin beim 1. FFC Frankfurt arbeitete sie schließlich als Nationaltrainerin von Bahrain. Im Februar diesen Jahres hat sie die Elf von Katar übernommen.

Im Interview spricht Monika Staab über die anstehende Europameisterschaft, den DFB und ihr Leben in einem „Fußballentwicklungsland“.

Wie ist Ihre Prognose für die in ein paar Wochen startende EM?

Monika Staab: Ich denke, die Vorrunde sollte kein Problem sein und natürlich liegt meine Hoffnung auf einer Finalteilnahme. Allerdings wird das nicht leicht, da unser Team im Umbruch steckt und wir derzeit auch nicht über so große Talente wie seinerzeit z.B. Birgit Prinz verfügen.

Der deutsche Frauenfußball spielt in Europa eine gute Rolle. Ist er weiter auf dem Vormarsch, oder rücken andere Nationen bedrohlich nahe?

Monika Staab: Die anderen Nationen haben eindeutig aufgeholt. Hier sind insbesondere Frankreich als U17 Sieger, aber auch Rumänien zu nennen. Für uns wird es nicht mehr so einfach sein ein Titel zu holen

Wie haben Sie die Kritik an Silvia Neid nach der verpatzten Heim-WM gesehen? Waren die Kritik und Rücktrittsforderungen berechtigt?

Monika Staab: Die WM ist sehr unglücklich gelaufen und es haben viele Faktoren nicht zusammen gepasst. Ich war zwar nicht nah an der Mannschaft, hatte aber das Gefühl, dass die Chemie von jung & alt nicht passte. Nur jung geht einfach nicht. Dazu kam eine riesige Erwartung im eigenen Land und der Druck schien zur Verkrampfung zu führen. Aber ich denke, alle, auch sie, haben viel daraus gelernt.

Warum hat man Sie bisher nie als DFB-Trainerin gesehen?

Monika Staab: Ich wurde einfach nie gefragt und war ja auch keine gestandene Nationalspielerin. Zudem denke ich, es hatte viel damit zu tun, dass ich eine Identifikationsfigur in Frankfurt beim FFC war und so niemand dachte, dass ich weggehen würde. So waren auch alle sehr überrascht, als ich meinen Abschied verkündete. Schon am nächsten Tag kam der Anruf der FIFA und ich wurde Nationaltrainerin in Bahrein.

Wie schätzen Sie als FIFA-Funktionärin das DFB-Engagement im Frauenfußball ein. Hat es unter Niersbach nachgelassen?

Monika Staab: Dr. Zwanziger war für den Frauenfußball ein Glücksgriff! Er hat ihn mit ehrlicher Überzeugung voll unterstützt.



Wie ist das Leben als Europäerin in Katar? Haben Sie sich schon eingelebt?

Monika Staab: Ich arbeitete bereits 2007 für mehrere Monate in Bahrain als Nationaltrainerin, so kenne ich recht gut die Mentalität der Menschen. Die Uhren ticken hier etwas anders, man muss sich sicherlich an das Wort „Insallah“ (so wenn Gott will) gewöhnen. Ich muss kein Kopftuch tragen, wie das im Iran der Fall ist und als Frau fühle ich mich sehr sicher und kann zu jeder Tageszeit unterwegs sein. Ich fahre bisher mit dem Fahrrad durch Doha, alles ist in 15km Umkreis gut zu erreichen. Die Menschen sind unglaublich freundlich. Man muss viel Geduld mitbringen. Flexibilität und Anpassung ist hier sehr gefragt, sonst kann man nicht für einen längeren Zeitraum bestehen. Es fasziniert mich aber sehr, mit wie viel Kraft  Katar den Sport und insbesondere den Frauensport voranbringen möchte.

Wie ist die Arbeit als Trainerin in dem „Fußballentwicklungsland“?

Monika Staab: Der Frauenfußball existiert erst seit 2009, ist also eine relativ neue Sportart in der Gesellschaft, die ganz zart gepflegt werden muss. Als ich Mitte Februar hier ankam, hatte ich gerade mal drei Mädchen für die U-14 Nationalmannschaft. Jetzt spielten wir hier in Doha zum ersten Mal in der Asien U-14 Meisterschaft mit und wurden zumindest nicht Letzter. Katar ist eines der wenigen Länder in Asien, die einen richtigen Ligabetrieb im Frauenfußball durchführen. Es gilt, die Vorurteile abzubauen und der Gesellschaft eine „Message“ mit auf den Weg zu geben, dass auch Frauen Fußballspielen können und dürfen.

Glauben Sie, dass Katar bereit ist, die Männer-WM 2022 auszutragen? Zuletzt gab es heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen dort.

Monika Staab: Die ziehen das Ding durch und ich glaube sogar, es wird eine gute WM. Natürlich sind noch einige Korrekturen notwendig und die werden auch kommen, doch wenn man den Willen und die Dynamik hier im Land sieht, verfliegen mögliche Zweifel.

Wie nehmen Sie die Vorbereitungen wahr? Freuen sich die Menschen auf das Turnier?

Monika Staab: Die Leute sind begeistert, dass so entschieden wurde und sie sind auch gut informiert. Freude und Stolz überwiegen und man will auch Sport und Gesellschaft noch näher zusammenführen. Es ist halt ein Entwicklungsweg, bei dem sich noch einiges ändern muss, aber man ist mit voller Kraft dabei.

In exklusiver Zusammenarbeit mit presented by (hier das komplette Interview lesen).