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EXKLUSIV - Wenn Sepp Maier etwas sagt, hören die Leute noch immer genau hin. Im Goal.com-Interview spricht Maier über den FC Bayern, die Torhüter der DFB-Elf und Joachim Löw.

Berlin. Heribert Faßbender, obwohl schon sechs Jahre von der öffentlichen Bühne verschwunden, ist ganz der Alte geblieben. Mit einem  „n´Abend allerseits“ begrüßte der ehemalige Fußball-Kommentator die zahlreichen Journalisten zur Eröffnungs-Pressekonferenz des 11mm-Fußballfimfestivals im Berliner Babylon-Kino. Faßbender war extra in die Hauptstadt gekommen, um die Kino-Weltpremiere von Sepp Maiers Videotagebuch der WM ´90 in Italien zu moderieren.

Sepp Maiers Worte haben weiter Gewicht

Sepp Maier ist mit der deutschen Nationalmannschaft 1974 als Torhüter Weltmeister geworden, 16 Jahre später holte er den Titel als Torwarttrainer erneut. Dabei nahm er sich die Freiheit, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor, während und nach dem WM-Turnier in Italien zu filmen. Herausgekommen ist dabei der Film „We are the Champions“, der viele interessante und lustige Szenen parat hält. Zur Premiere kamen mehr als 500 Leute.

Goal.com
traf sich am Rande der Veranstaltung mit Sepp Maier zu einem Interview, wo der ehemalige Weltklasse-Keeper über seinen Film, seine große Liebe, den FC Bayern, und die deutsche Nationalmannschaft spricht. Maiers Worte haben noch immer Gewicht.

Sie haben gesagt, dass Sie den Film seit zehn Jahren nicht mehr gesehen haben. Was war das für ein Gefühl, ihn zusammen mit mehr als 500 Leuten anzuschauen?

Sepp Maier:
Es waren viele Erinnerungen dabei. Im Nachhinein kenne ich den Film ja in- und auswendig. Für damalige Verhältnisse war der schon gut gemacht, aber heute würde man den natürlich ganz anders machen.

Hat der Film ein ganz bestimmtes Gefühl oder eine Erinnerung geweckt?

Sepp Maier: Nein, nichts Bestimmtes.

Im Kinosaal waren Leute verschiedenster Altersklassen anwesend, die den Film begeistert verfolgt und gejubelt haben. Was war denn das Besondere an der WM 1990?

Sepp Maier: Das war sicherlich der WM-Titel. Wir haben den Titel schon lange nicht mehr geholt. Wir waren zwar nah dran, haben es aber eben nicht mehr geschafft. Ich glaube schon, dass das ein tolles Dokument ist, auch 22 Jahre danach. Wer weiß, wann wir das nächste Mal Weltmeister werden.

Es steht ja bald wieder ein großes Turnier an. Was trauen Sie denn der deutschen Nationalmannschaft dann zu?

Sepp Maier: Wenn sie die Gruppe überstehen, haben sie berechtigte Chancen, Europameister zu werden. Deutschland hat mit Abstand die stärkste Gruppe erwischt.


Für Bundestrainer Joachim Löw hat Sepp Maier ein großes Lob übrig.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw?

Sepp Maier: Ich habe ja noch miterlebt, wie der Jürgen Klinsmann Bundestrainer war. Die Arbeit hat aber nur der Jogi Löw gemacht. Ich hab gewusst, wenn der Klinsmann aufhört, dass das so weiterlaufen würde. Das hat sich damals schon abgezeichnet, dass Löw die erfolgreiche Arbeit fortführen wird.

Manuel Neuer ist die Nummer eins im DFB-Tor. Wen würden Sie als Nummer zwei und drei mitnehmen?

Sepp Maier: Den Marc-André ter Stegen würde ich auf jeden Fall mitnehmen. Der ist für mich der zweitbeste Torhüter der Bundesliga.

Was ist mit Tim Wiese?

Sepp Maier: Ja, weiß nicht. Sonst der Zieler (Ron-Robert Zieler von Hannover 96, d. Red) vielleicht? Aber ich denke, ich würde Tim Wiese als Nummer drei mitnehmen.

Wie beurteilen Sie Manuel Neuer im Vergleich mit internationalen Torwartgrößen wie Iker Casillas und Gianluigi Buffon?

Sepp Maier: Für so einen Vergleich ist der Neuer noch zu jung, da muss man noch abwarten. Wenn er so alt ist wie die beiden, wird er auch die Erfolge haben.

Sie haben ja jahrelang Oliver Kahn trainiert. Kann Manuel Neuer in die Fußstapfen Kahns beim FC Bayern treten?

Sepp Maier: Das kann man auch noch nicht so sagen. Der Oliver Kahn ist auch erst mit 29 Jahren so richtig stark geworden. Je älter der Neuer wird, desto erfahrener wird er und desto besser wird er. Der Junge ist erst 25 Jahre alt, der hat noch nicht die Erfahrung. Aber das kommt schon noch, denn er spielt in einer guten Mannschaft, die auch international immer dabei ist. Das wirkt sich natürlich leistungssteigernd aus. Nichts gegen Schalke, aber wenn die nie irgendwo mitspielen. Die Europa League ist keine richtige Liga, das ist eine Loser-Liga für mich. Die richtige Liga ist die Champions League.

Beim FC Bayern läuft es im Moment in der Liga ja nicht allzu gut. Wie beurteilen Sie die Lage in München?

Sepp Maier: Das gibt es beim FC Bayern alle Jahre mal, dass sie so eine schwache Zeit haben. Es sind ja noch ein paar Spiele. Aber so wie Dortmund im Moment spielt, haben sie nur wenig Chancen. Die Hoffnung darf man aber nie aufgeben. Vielleicht kommt Dortmund auch mal in eine kleine Krise, dass sie zwei, drei Spiele verlieren, dann sind die Bayern wieder da.

Die Bayern sollte man also noch nicht abschreiben?

Sepp Maier: Nein, ich glaub´s nicht ganz.

Was halten sie von der Diskussion um Trainer Jupp Heynckes?

Sepp Maier: Das ist doch Blödsinn. Er macht seine Arbeit gut, ist menschlich in Ordnung. Das kann man von den anderen Trainern, die vorher beim FC Bayern waren, nicht unbedingt sagen. Die Mannschaft versteht sich ja gut mit ihm.

Was trauen Sie den Bayern in der Champions League noch zu?

Sepp Maier: Da muss man natürlich jetzt das Spiel gegen Basel abwarten und dann gucken, wen sie zugelost bekommen. Wenn sie Basel schlagen, ist mit ihnen aber weiterhin zu rechnen.

Basel müsste demnach zu schlagen sein?

Sepp Maier: Nicht müsste, MUSS.


In Sepp Maier hat Michael Rensing (r.) noch immer einen großen Fürsprecher.

Im Sommer läuft der Vertrag von Hans-Jörg Butt aus. Wen sollten die Bayern als neue Nummer zwei holen? Einen Torhüter, den man in Ruhe aufbauen kann, oder lieber einen, der in direkte Konkurrenz zu Manuel Neuer gehen kann?

Sepp Maier: Das ist sehr schwierig. Da hat der FC Bayern einen großen Fehler gemacht. Ich hätte den Michael Rensing und den Thomas Kraft nie hergegeben. Besonders den Thomas Kraft nicht. Man hätte die beiden hundertprozentig aufbauen können, bevor der Manuel Neuer gekommen ist.

Hätten Sie Manuel Neuer also gar nicht erst verpflichtet?

Sepp Maier: Ja, aber der FC Bayern will ja immer die besten Spieler um sich haben. Und er ist auch ein Weltklasse-Torhüter. Aber ich kenne den Thomas und den Michi, und die hätten das ohne Weiteres auch geschafft beim FC Bayern. Es ist aber natürlich schon klar, der Manuel Neuer ist eben eine andere Größe.

Eure Meinung: Was denkt Ihr über Sepp Maiers Äußerungen?


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