Havard Nordtveit: „Wir alle wollen nächstes Jahr in Europa spielen“

Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews spricht der 21-jährige Norweger über die Champions League, Transfergerüchte und den Vergleich der Bundesliga mit den anderen Topligen.

Das Interview führte Christoph Vogel

Havard Nordtveit erzielte gegen Nürnberg sein erstes Tor für Gladbach
Bongarts
Mönchengladbach. Wenn man in diesen Tagen und Wochen über Borussia Mönchengladbach spricht, dann fallen zumeist die Namen von Marco Reus, Patrick Herrmann oder Juan Arango. Aber heimlich still und leise hat sich Havard Nordtveit vom Talent zum unverzichtbaren Stammspieler gemausert. Im defensiven Mittelfeld hat der gelernte Innenverteidiger einen großen Anteil an der grandiosen Saison der Fohlen. Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews spricht der 21-Jährige Norweger über die Champions League, Transfergerüchte und den Vergleich der Bundesliga mit den anderen Topligen.

Das Spielerprofil von Havard Nordtveit auf Goal.com

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Man kann sich denken, dass die Spieler und der Verein bei Platz vier anfangen, ein bisschen zu träumen. Immerhin berechtigt der zur Champions-League-Teilnahme. Ist es mehr Druck oder eher weiterer Ansporn?

Havard Nordtveit: Als Fußballspieler musst du an dich und deine Truppe glauben. Wenn du das nicht tust, kannst du dir eine andere Beschäftigung suchen, denn wir alle wollen nächstes Jahr in Europa spielen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg und bis dahin sind es noch viele Spiele, bis wir diesen Punkt erreichen. Das Wichtigste ist, was wir bis hierhin geschafft haben, dass wir von Spiel zu Spiel denken. Wir sollten nicht zu viele Spiele im Voraus denken, denn dann kann man leicht abgelenkt werden. Wenn man drei Spiele verliert, ist es vielleicht vorbei. Also muss man 100 Prozent auf das eine Spiel fokussiert sein und wenn man damit fertig ist, geht es direkt zum nächsten. Aber natürlich müssen wir weiterhin an uns glauben. Wir wollen oben bleiben und nächstes Jahr europäisch spielen.

Werfen Sie immer noch ein Auge auf die Premier League?

Havard Nordtveit: Klar, wenn Fußball im Fernsehen läuft, schaue ich es mir immer an. Genauso ist es bei der Premier League, natürlich auch den FC Arsenal. Ich werde immer die Premier League gucken. Es ist eine große Liga und ich mag sie, ich mag den Spielstil. Wenn es läuft, werde ich den Fernseher nicht abschalten [lacht].

Kurios ist es, dass ihr ehemaliger Verein FC Arsenal in der nächsten Saison womöglich nur in der Europa League ran darf…

Havard Nordtveit: Sie hatten einen bescheidenen, schwierigen Start in die Saison. Aber sie haben das Pokalspiel im Emirates gedreht. Das zeigt, dass sie mit Robin van Persie einen Weltklassestürmer in ihren Reihen haben. Hoffentlich werden sie Jack Wilshere bald wieder auf den Platz bekommen, er war für eine Zeit lang verletzt. Ich glaube, dass sie dann mehr und mehr Punkte sammeln werden.


Als Fußballspieler musst du an dich und deine Truppe glauben. Wenn du das nicht tust, kannst du dir eine andere Beschäftigung suchen.

- Havard Nordtveit

Sie haben noch einen Vertrag bis 2013. Können Sie sich vorstellen, darüber hinaus in Gladbach zu bleiben?

Havard Nordtveit: Auf jeden Fall. Es ist ein sehr großer, international bekannter Klub. Ich mag es hier in Mönchengladbach, aber wir haben immer noch alle Zeit, das zu diskutieren. Wir haben eineinhalb Jahre. Jetzt will ich meine Leistung auf dem Rasen bringen, und dann sehen wir, was wir machen können. Im Moment sind wir glücklich, wie es ist.

Angeblich soll ja der FC Liverpool ein Auge auf Sie geworfen haben.

Havard Nordtveit: Was in den Medien geschieht, beachte ich nicht. Ich konzentriere mich nur auf mein Spiel und mein Berater kümmert sich um den Rest.

Bei den ganzen Gerüchten kann man als junger Spieler bestimmt verrückt werden. Beeinflusst das die Leistung?

Havard Nordtveit: Ja, man kann mit den Gedanken da sein, wo man sie nicht haben sollte. Also, klar beeinflusst es die Leistung, wenn du über etwas Anderes redest als das, was auf dem Platz passiert.

In England sind es die Klubs aus Manchester, die bestimmen. In Spanien gibt es den Zweikampf zwischen Barcelona und Real. In der Bundesliga aber balgen sich vier Teams um die Tabellenspitze. Welche Liga hat für Sie den höchsten Stellenwert?

Havard Nordtveit: Ich kann nicht genau sagen, wo ich sie einordnen würde, aber die Bundesliga ist definitiv unter den Top drei. Es wird einfach immer besser. In diesem Jahr sind nicht mehr viele englische Mannschaften in der Champions League und Europa League vertreten. Das zeigt einfach, dass die deutsche Liga immer stärker wird. In Spanien gibt es nur zwei Teams, über die man redet. Hier sind es vier oder fünf Teams. Die Konkurrenz ist hier größer, aber bei der Qualität bin ich mir nicht sicher. Der Spielstil ist nämlich anders. Aber kein Zweifel, die Bundesliga wird immer besser und auch mehr Spieler aus England sind interessiert daran, in die Bundesliga zu wechseln.

Man findet nur wenige Spieler, die den Weg von der Insel nach Deutschland gehen. Normalerweise verläuft der Weg anders herum. Wird sich das in den kommenden Jahren ein wenig zugunsten der Bundesliga verändern?


Havard Nordtveit: Es kann alles passieren. Natürlich, wenn jemand für ein schwächeres Team in der Premier League spielt und nach Deutschland zu einem großen Klub wechseln will, ist das möglich. Aber ich glaube, dass die englische Liga immer noch die Nase vorn hat gegenüber der Bundesliga. Wer weiß, vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren.

Auch in der Nationalmannschaft stehen Sie nun mehr im Fokus und bestritten bereits Ihre ersten Spielminuten. Für die EM reichte es aber nicht. Dabei waren Sie punktgleich mit Portugal in Ihrer Gruppe.

Havard Nordtveit: Ja, das war auf jeden Fall schade. Das Leben geht aber weiter. Wir haben in Dänemark verloren, als wir hätten gewinnen müssen. Es war unser Fehler, wir hätten besser spielen müssen, als wir es damals getan haben. Aber das ist Vergangenheit, wir müssen jetzt in die Zukunft schauen. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Das Ziel ist nun die Weltmeisterschaft 2014.

Wer ist denn Ihr Favorit auf den EM-Titel? Spanien, Deutschland oder doch ein Underdog?

Havard Nordtveit: Spanien wird schwer zu schlagen sein, sie haben eine sehr gute Mannschaft. Ich glaube aber, der Ausgang ist sehr offen, denn viele Teams wollen den EM-Titel gewinnen. Dann ist es natürlich auch ein größerer Spaß, die EM zu verfolgen.

Was macht Havard Nordtveit privat, wenn er nicht auf dem Rasen steht?

Havard Nordtveit: Wenn ich zu Hause in Norwegen bin, ziehe ich mich gerne in die Natur zurück und gehe Fischen. Ich mag es draußen und in der Natur zu sein. Wenn ich nicht Fußball spiele, versuche ich etwas Anderes zu machen und meinen Kopf freizubekommen.

Abschließend Ihr Tipp für die Bundesligasaison? Wer macht am Ende das Rennen. Gladbach natürlich nicht - oder doch?

Havard Nordtveit: Das ist schwierig zu sagen. Ich würde natürlich gerne sagen, dass wir es schaffen werden, aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Dann werden wir am Ende der Saison sehen, wer oben steht.

Eure Meinung: Was haltet Ihr von Havard Nortveit - und wo landet Gladbach am Saisonende?

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