Mönchengladbachs Havard Nordtveit: „Wir müssen an uns glauben“

EXKLUSIV: Im ersten Teil des Interviews mit Goal.com spricht der Norweger über die Saison der Fohlen und seine Anfänge beim FC Arsenal.

Das Interview führte Christoph Vogel

Havard Nordtveit, Borussia Mönchengladbach
Bongarts

Mönchengladbach. Wenn man in diesen Tagen und Wochen über Borussia Mönchengladbach spricht, dann fallen zumeist die Namen von Marco Reus, Patrick Herrmann oder Juan Arango. Aber heimlich still und leise hat sich Havard Nordtveit vom Talent zum unverzichtbaren Stammspieler gemausert. Im defensiven Mittelfeld hat der gelernte Innenverteidiger einen großen Anteil an der grandiosen Saison der Fohlen. Im ersten Teil des Exklusiv-Interviews spricht der 21-Jährige Norweger über den Titelkampf, Marco Reus und den FC Arsenal.

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Wissen Sie, was 1977 war?

Havard Nordtveit: Nein.

Damals gelang der Borussia die letzte von bislang fünf Meisterschaften. Vieler Ihrer Kollegen weigern sich, Gladbach als Spitzenmannschaft zu sehen, die den Titel gewinnen kann. Von Spiel zu Spiel denken ist das Motto. Auch Ihres?

Havard Nordtveit: Wir haben jetzt eine gute Position in der Liga, aber um die Meisterschaft zu gewinnen, müssen wir viele gute Spiele abliefern. Und es sind noch viele Spiele zu spielen. Also denke ich, dass wir an uns glauben müssen, um die Herausforderung anzunehmen, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen.

Sie haben die Bayern 3:1 geschlagen, nun in Stuttgart mit 3:0 gewonnen. Sind Sie immer noch über die Entwicklung überrascht, die ihre Mannschaft im letzten Jahr gemacht hat?

Havard Nordtveit: Vor einem Jahr waren wir am Tabellenende und haben viele Probleme gehabt, die Klasse zu halten. Es war sehr hart, auch als auch noch ein neuer Trainer mit einer neuen Strategie, mit einer neuen Philosophie vom Fußball kam. Es begann, von Spiel zu Spiel besser zu werden. Natürlich ist es ein Unterschied, ob du am Ende oder an der Spitze der Tabelle stehst. Das wichtigste ist nun, mental stark zu bleiben, von Spiel zu Spiel zu denken und nicht zu weit an die Zukunft zu denken.


In deiner Fußballkarriere muss man Chancen wahrnehmen. Das war die Chance, die ich genutzt habe. Es ging gut aus.

- Havard Nordtveit

Sie haben die Philosophie von Lucien Favre angesprochen. Wie würden Sie diese in wenigen Worten beschreiben? Was zeichnet ihn aus?

Havard Nordtveit: Intelligenz. Intelligenz und Effizienz. Wir haben einen Plan für jedes Spiel und können unser Spiel an unserem Gegner ausrichten. Wenn wir gegen Bayern spielen, dann spielen wir anders als gegen Stuttgart. Wir sind sehr gut darin, die Formation zu ändern und im Spiel können wir die Struktur der Defensive ändern. Wir sind bestens darauf vorbereitet, Veränderungen in der Partie vorzunehmen. Wir haben einen Plan.

War 2011 das beste Jahr ihrer Karriere?

Havard Nordtveit: Es ist eines meiner besten, klar. Aber bislang ist nur eine Hälfte gespielt von der Saison, also hoffe ich, dass wir die Form beibehalten können.

Ein anderes Highlight Ihrer Karriere war Ihr Wechsel zum FC Arsenal. Wie kam das zustande?

Havard Nordtveit: Sie haben mich vorher eine ganze Zeit lang beobachtet, als ich in Norwegen gespielt habe. Arsene Wenger kam dann in meine Stadt und wollte mit meinem Klub verhandeln, um mich nach London zu holen. Daraufhin war ich für zwei Jahre in London. Zunächst wurde ich nach Spanien ausgeliehen, dann kam ich aber nach vier Monaten zurück. Dann ging ich für vier Monate nach Norwegen, gefolgt vom 1. FC Nürnberg für zehn Monate. Danach kehrte ich zurück zu Arsenal, wo ich mit der ersten Mannschaft trainiert habe. Aber ich entschied mich, zurück nach Deutschland zu gehen, da ich wusste, dass ich auf diesem Level spielen könnte. Es ist ein sehr guter Ort, wenn du ein junger Spieler bist und dich entwickeln willst.

Im vergangenen Winter kam das Angebot von der Borussia. Haben Sie seinerzeit sehr an die damalige Tabellensituation gedacht?

Havard Nordtveit: Natürlich gab es ein Risiko. Ich wusste, dass es die Möglichkeit gab, abzusteigen, oder aber den Klassenerhalt zu schaffen. Als ich kam, war für uns in der Kabine ganz klar, dass wir drin bleiben würden. Wir waren stark und die Einstellung in der Mannschaft war sehr gut. Es war ein Risiko, aber es war es absolut wert. Jetzt sieht man, dass wir ganz gut spielen. In deiner Fußballkarriere muss man Chancen wahrnehmen. Das war die Chance, die ich genutzt habe. Es ging gut aus.

Sie waren von Beginn an Stammspieler. Aber unter Lucien Favre ist ihre Leistung förmlich explodiert und wurde von Spiel zu Spiel besser. Heute bilden sie zusammen mit Roman Neustädter eines der besten Sechser-Duos der Liga. Wie bewerten Sie ihre Leistung?

Havard Nordtveit: Das sehe ich auch so, es wird von Mal zu Mal besser. Bevor ich zur Borussia kam, spielte ich nicht im Mittelfeld, ich war Innenverteidiger. Nun spiele ich für eineinhalb Jahre auf der Sechs, also bin ich ziemlich zufrieden mit dem Erfolg, den ich bisher erreicht habe. Es gibt aber noch viel zu lernen und hoffentlich geht die Leistungskurve weiter nach oben – und nicht nach unten.

Was ist denn Ihre Lieblingsposition auf dem Feld?

Havard Nordtveit: Das ist schwer zu sagen. Wenn ich vielleicht ein paar Jahre im Mittelfeld gespielt habe, werde ich vielleicht sogar auch als Innenverteidiger besser, wenn ich die ganze Erfahrung sammele. Ich verstehe das Spiel im Mittelfeld und wenn man von hinten spielt erkennt man alles. Derzeit ist das Mittelfeld die richtige Position für mich, aber wer weiß, wie es in ein paar Jahren aussieht.

Patrick Herrmann, Marc-Andre ter Stegen, Juan Arango und natürlich Marco Reus – sie alle stehen tagtäglich in den Medien, über sie Defensivspieler wird eigentlich eher weniger berichtet, obgleich sie eine fantastische Saison spielen. Der Fokus liegt auf anderen.

Havard Nordtveit: Nein, das Ziel ist es Tore zu erzielen. Sie bekommen die meiste Aufmerksamkeit der Medien. Aber das wichtigste ist es, Spiele zu gewinnen. Auch ist es wichtig, was der Trainer sieht, er weiß, welche Arbeit du in der Defensive verrichtest. Wir haben nur zwölf Gegentore kassiert. Das sagt einfach aus, was wir in der Abwehr tun. Wir machen etwas richtig, aber wir schreien nicht nach Anerkennung, Wir machen nur unseren Job. Wenn wir damit weitermachen, werden wir einen Bonus bekommen, aber im Moment wird es eben genauso sein, dass manche Spieler mehr im Fokus stehen als andere.

Insbesondere Marco Reus steht nicht nur aufgrund des Wechsels im Fokus. Die Nachricht von seinem Wechsel schien die Mannschaft nicht sonderlich beeinflusst zu haben.

Havard Nordtveit: Es ist gut für uns und für Marco, dass er gesagt hat, er fokussiere sich auf Borussia Mönchengladbach. Jetzt weiß er, wohin er im nächsten Jahr geht. Aber im Moment spielt er für Borussia. Es ist auch gut für uns, dass wir nicht all die Spekulationen hören müssen. Wir haben immer noch viele Spiele mit ihm. Ich denke, es war der beste Weg, offen zu sagen. dass er geht.

Lest am Samstag im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews mit Havard Nordtveit, was der Norweger über die Champions-League-Ambitionen der Borussia denkt und wieso die Bundesliga noch nicht mit der Premier League mithalten kann.

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Wissen Sie, was 1977 war? (letzte der fünf Meisterschaften der Borussia)&l



 
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