Fan-Interview: Mit den Reus-Millionen „einfach Poldi zum Spaß verpflichten“

Nur die Wenigsten, die in Mönchengladbach aufwachsen, werden nicht vom Fohlen-Virus gepackt. Goal.com sprach mit Nils Poestgens, der mit fünf Jahren zum Borussia-Fan wurde.

Von Sandra Specks

Gladbach-Star Marco Reus
Getty Images
Mönchengladbach. Mit seinen jungen 22 Jahren hat er zwar das Alter eines Marco Reus, der in Gladbach wohl im letzten Jahr schon seine eigene kleine Geschichte geschrieben hat, die erfolgreichen Zeiten von Borussia Mönchengladbach kennt Nils Poestgens jedoch nur aus Erzählungen – bisher! Nach vielen ernüchternden Jahren als Fan, steigen nun die Hoffnungen, Storys aus den Borussen-Geschichtsbüchern bald selber erzählen zu können.

Was sagst Du zum Weggang von Marco Reus? Überwiegt die Enttäuschung, oder vielleicht doch das Verständnis für seine Entscheidung, Borussia Mönchengladbach in Richtung Dortmund zu verlassen?

Nils Poestgens: Natürlich habe ich gehofft, dass er zumindest noch ein Jahr bleibt. Aber ich finde seinen Wechsel nachvollziehbar. Dein „Heimatverein“ macht dir ein Angebot, mit dem du mehr Geld verdienst und hast die Möglichkeit, in einer jungen, ambitionierten Mannschaft zu spielen, die vermutlich die nächsten Jahre regelmäßig um die Meisterschaft spielt. Du kannst dich international für größere Vereine und die Nationalmannschaft empfehlen und kannst außerdem wieder zu deiner Familie und deinen Freunden ziehen. Objektiv betrachtet ist es für mich also schon verständlich. Andererseits haben die Dortmunder ihn 2006 als „bundesligauntauglich“ eingestuft und haben ihn ablösefrei gehen lassen. Wir in Gladbach haben eine intakte Mannschaft, die im nächsten Jahr genauso international spielen kann. Zusätzlich hat er dem Verein viel zu verdanken. Noch dazu ist er bei unserer Borussia DER Star, in Dortmund dagegen (erst mal) nur einer von vielen. Aber naja, jetzt ist es nun mal so, und, so schade es auch ist, der Verein hat jetzt mehr als 17 Mio. zur Verfügung und wird an diesem Abgang, so schwer er auch wiegt, nicht zu Grunde gehen.


Nils Poestgens hat sich Gedanken um „seine Borussia“ gemacht.

Was sagst Du zum Weggang von Roman Neustädter?

Nils Poestgens: Ich finde dieser Abgang ist leichter zu verkraften, als der von Marco Reus. Neustädter ist sportlich durchaus zu ersetzen, vielleicht ja schon durch Ring oder Cigerci. Er hat eine ordentliche Hinrunde gespielt, wobei er vermutlich schon einer derjenigen war, die „an ihrem Limit“ gespielt haben. Wenn er sich nun zu Höherem berufen fühlt, denke ich mir: Okay, soll er gehen. Herzlichen Glückwunsch zu dem Vertrag, wer weiß, ob er jemals nochmal so ein Angebot bekommen hätte.

Siehst Du angesichts des Verlustes zweier Stammspieler die Gefahr eines Aderlasses im Sommer?

Nils Poestgens: Nein, die Gefahr sehe ich nicht. Man sollte schauen, vor allem Marco Reus adäquat zu ersetzen und dann das Team weiter in der Spitze zu verbessern. Wenn man dann frühzeitig Namen präsentieren kann, sollte man schnellstmöglich mit den anderen Leistungsträgern wie Arango oder Dante verlängern. Viel wichtiger finde ich, Lucien Favre dabei mit einzubeziehen, damit er sich nicht in Berliner Zeiten zurückversetzt fühlt, als die besten Spieler gingen und nicht annähernd gleichwertig ersetzt wurden.

Hast Du Angst, dass Favre unzufrieden sein könnte und die Mannschaft im Sommer eventuell verlässt?

Nils Poestgens:
Wie schon gesagt, man sollte ihn stark in die Kaderplanung für das nächste Jahr mit einbeziehen und ihm die Spieler bieten, die er möchte - wenn die Verpflichtung realistisch ist. Damit er eben nicht unzufrieden ist und gar nicht erst auf „dumme Gedanken“ kommt. Man sollte ein Team um ihn herum aufbauen, was er formen kann, mit dem er weiter arbeiten will und in der er das Aushängeschild ist und nicht ein oder zwei Spieler.

Welche Erwartungen hast Du an die Neuzugänge?

Nils Poestgens: Ring macht einen guten Eindruck. Er ist wendig, gut am Ball, vielseitig einsetzbar und war dazu in den Testspielen noch extrem torgefährlich. Cigerci war ein wenig unauffälliger. Ihm fehlt noch ein wenig das Tempo, aber ich finde man konnte bei den Testspielen schon erkennen, dass er technisch gut drauf ist. Mal sehen, wie schnell sich beide an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen können, aber letztendlich ist das Risiko bei beiden Transfers ja recht gering. Beide wurden für „kleines Geld“ für anderthalb Jahre ausgeliehen und wenn sie in dieser Zeit den Durchbruch nicht schaffen sollten, zieht man die Kaufoption eben nicht.


Podolski zum Scherz verpflichten und nur auf die Bank setzen?

Wie sollten die Reus-Millionen am besten verwendet werden?


Nils Poestgens: Ich würde Lukas Podolski verpflichten. Ich würde ihm ein Grundgehalt von einer Millionen Euro pro Jahr und zusätzlich 1,5 Millionen Euro pro geschossenem Tor bieten. Den Kölnern würde ich zwei Millionen Euro direkt überweisen und ebenfalls 1,5 Millionen Euro pro geschossenem Tor. Natürlich gäbe es keine Ausstiegsklausel und der Vertrag geht über fünf Jahre, die Poldi komplett auf der Tribüne sitzen würde! Wir hätten dann zwar insgesamt 7 Millionen Euro in den Wind geschossen, aber den Spaß wäre es mir wert!

Aber im Ernst: Ich würde so schnell wie möglich den Vertrag mit Lucien Favre verlängern und sein Gehalt aufstocken. Dann würde ich im Sommer vier Spieler verpflichten. Einen jungen Innenverteidiger, einen linken/rechten Mittelfeldspieler sowie einen Stürmer, der sofort helfen kann und einen jungen Stürmer. Namen werden ja genug gehandelt, wobei ich Mladen Petric am interessantesten finde. Er ist ablösefrei, torgefährlich, kann mehrere Positionen besetzen und wird durch die Reus-Millionen auch finanzierbar sein. Außerdem gefällt mir Semir Stilic von Lech Posen.

Er ist ein Spieler, der auf der zehn und beiden Außenpositionen im Mittelfeld spielen kann und dadurch eine Alternative zu Arango oder Hermann wäre. Dazu würde ich noch einen jungen  Innenverteidiger holen oder Niklas Dams aufbauen, damit er sich an die Bundesliga gewöhnt und 2013 eine echte Alternative darstellen kann, wenn Martin Stranzl den Verein verlässt. Zudem würde ich dann noch einen jungen Stürmer verpflichten, der Stürmer Nummer vier werden kann, da ich denke, dass Bobadilla im Sommer gehen wird. Aber letztendlich liegt es ja in der Hand der sportlichen Leitung und bisher haben sie es unterm Stricht gut gemacht. Ich bin gespannt.

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