Bayern-Youngster Deniz Yilmaz: „Scholl war ein super Trainer, Nuri Sahin hatte schon immer Auge“

EXKLUSIV – Noch spielt der hoffnungsvolle Youngster für einen großen Namen, aber in der 3. Liga. Das soll sich bald ändern, wenn sein Weg ihn im Juli an den Bruchweg führt.
München. Deniz Yilmaz wechselt im Sommer zum 1. FSV Mainz 05. Nach sechs Jahren in der Jugendabteilung und der Amateurmannschaft des FC Bayern München hat der 23-Jährige den Sprung in die Bundesliga also geschafft. Goal.com traf den talentierten Stürmer zum exklusiven Interview.

Deniz, ihr habt am Wochenende in der 3. Liga mit Bayern II eine weitere Niederlage hinnehmen müssen. Wie empfindest du die momentane Situation?


Deniz Yilmaz: Es ist schon schwierig, da es wirklich schlecht für uns aussieht. Die Motivation ist am Boden. Und jetzt bekommen wir auch noch einen neuen Trainer, da Hermann Gerland zu den Profis hochgezogen wird.

Ist Hermann Gerland sehr wichtig für euch?

Deniz Yilmaz: Definitiv! Gerade für mich persönlich. Er ist ein Beißer. Einer, der uns richtig anstachelt vor dem Spiel. So etwas brauche ich einfach.



Apropos Trainer: Du hast ja einige bei den Bayern kommen und gehen sehen. Unter wem hast du am liebsten gearbeitet?

Deniz Yilmaz: Da gibt’s mehrere. Mehmet Scholl war klasse! Der hat auch noch ab und zu mit uns mittrainiert. Das ist toll, wenn der Trainer manchmal mitmacht. Und der kann immer noch einiges, Wahnsinn! Außerdem spielte Mehmet mit uns einen anderen Fußball. Vor allem ich habe davon profitiert, weil ich als hängende Spitze spielen konnte. Ich hatte alle Freiheiten, und es hat gut funktioniert. 

Und wie sieht es mit den Trainern der Profis aus?

Deniz Yilmaz:
Jürgen Klinsmann hat für uns Amateurspieler ganz neue Türen geöffnet. Damals war ich ganz nah auf den Sprung zu den Profis. Ich saß sogar bei einem Champions-League-Spiel auf der Bank.

Glaubst du, wäre Klinsmann auch in der Folgesaison noch Trainer gewesen, dass du den Sprung geschafft hättest?

Deniz Yilmaz: Da bin ich mir ziemlich sicher, ja. Kurz darauf haben dann andere Teamkollegen eine Blitzkarriere hingelegt: Holger Badstuber und Thomas Müller.

Ärgert man sich da ein wenig?

Deniz Yilmaz: Ja klar. Auf der einen Seite ist das natürlich für mich selber enttäuschend. Aber man freut sich auch für die anderen. Das überwiegt auch. Denn wenn es ehemalige Kollegen schaffen, ist das auch für die restliche Mannschaft gut. Man sieht, die Chance ist wirklich da. Und wir haben alle zusammen in einem Team gespielt, also müssen wir es auch können.

Du hast mit einigen Akteuren zusammengespielt, die den Sprung geschafft haben. 

Deniz Yilmaz: Da gab es so einige. Thomas Müller, Toni Kroos, Holger Badstuber, Thomas Kraft und, und, und... 

Sowie mit zwei Leistungsträgern des aktuellen Tabellenführers Borussia Dortmund.

Deniz Yilmaz: Genau, Mats Hummels und Nuri Sahin.

Hummels hat bei den Bayern gespielt und Sahin kennst du aus der türkischen U-17-Nationalmannschaft. Ihr seid damals die Leistungsträger gewesen und habt den Europameistertitel geholt. Du hast sogar einen der Finaltreffer erzielt. War Nuri damals schon so überragend? Wie ist das, wenn du ihn im Fernsehen spielen siehst?

Deniz Yilmaz: Das war eine super Zeit. Nuri hatte schon damals das Auge. Er konnte in jeder Situation den tödlichen Pass spielen. Er hat es geschafft. Klar gehen einem da viele Sachen durch den Kopf. Aber auch hier überwiegt ganz klar die Freude für ihn. Ich bin ein Mensch, der keinen Neid kennt. Ich freue mich immer für andere Menschen. Jeder bekommt seine Chance. Man muss diese jedoch auch nutzen. Das fängt in der Jugend an. Viele Freunde von mir sind abends oft weggegangen. Sie hatten diesen Willen nicht. Ich hab schon viele talentierte Fußballer gesehen, die jedoch alle an ihrer Disziplin gescheitert sind. Das Fußballgeschäft ist ein hartes Pflaster. Aber ich wusste immer, dass ich es schaffe.



Was ist Deniz Yilmaz für ein Typ? Findet man dich auch im Münchner Nachtleben?

Deniz Yilmaz: Nein, eigentlich nie. Klar war ich auch mal weg, jedoch verbringe ich meine wenige Zeit am liebsten mit meiner Freundin. Ich gehe zum Beispiel gerne ins Kino. Eher etwas ruhiger halt. Die kleinen Dinge sind es, die ich genieße. Zum Beispiel, wenn ich vom Training komme und meine Freundin schon gekocht hat. Sie ist mir eine große Stütze.

Auch die Familie ist dir wichtig.

Deniz Yilmaz: Ja, meiner ganzen Familie und vor allem meiner Mutter und meinem Vater bin ich unendlich dankbar. Ohne sie hätte ich es niemals geschafft. Sie waren immer die große Stütze in meinem Leben. 

Dein Vater hat auch eine wichtige Rolle bei deinem Wechsel von Ulm nach München gespielt. 

Deniz Yilmaz: Ja klar. Ich spreche mit meinem Vater fast nur über Fußball. Wir sind beide fußballverrückt. Er war auch ein sehr talentierter Fußballer, der es fast zum Profi gebracht hätte. Als ich zu den Bayern gewechselt bin, habe ich lange mit meinem Vater gesprochen.

War es eine große Umstellung, wenn man plötzlich bei den Bayern spielt? Anderer Fußball…

Deniz Yilmaz: …und eine andere Stadt. Ich war plötzlich weg von der Familie. Ulm ist ein beschauliches, uriges Städtchen. München dagegen ist das komplette Gegenteil. Groß, andere Menschen und hektischer. Und natürlich auch vom Fußball her ganz anders. Bei den Bayern bist du einer unter vielen. Man muss sich durchbeißen und in jedem Training einhundert Prozent geben.  

Jetzt steht der nächste Wechsel an. Du scheinst erleichtert. Es gab in den letzten zwölf Monaten viele Gerüchte, und viele Vereine wurden mit dir in Verbindung gebracht. Jetzt ist es Mainz geworden. 

Deniz Yilmaz: Ich bin sehr glücklich, dass ich ab nächster Saison für den FSV Mainz spielen darf. Sie haben eine tolle Mannschaft. Ich habe viel mit den Verantwortlichen geredet. Es ist ein Team mit Ambitionen. Einfach klasse. 

Zu Thomas Tuchel hast du auch eine besondere Beziehung. Er kennt dich seit deiner Jugendzeit, als du beim SSV Ulm gespielt hast. 

Deniz Yilmaz: Das ist richtig. Er war damals Jugendtrainer beim VfB Stuttgart. Wir haben oft gegeneinander gespielt. Er hat schon damals versucht, mich zum VfB Stuttgart zu holen. Er hat oft mit meinen Eltern geredet. Nun ist es soweit. 

Was sind deine Ambitionen in Mainz? Welche Rolle glaubst du im Team zu spielen und welche Rolle wird Mainz nächste Saison in der Bundesliga einnehmen können?

Deniz Yilmaz: Natürlich wieder oben mitspielen, so wie diese Saison auch. Das Potenzial ist absolut da. Ich persönlich werde mich voll reinhängen und hoffe, mich auch durchzusetzen. Ich glaube an mich, auch wenn Mainz bereits starke Stürmer hat. Trotzdem weiß ich um meine Stärken.

Du bist ein sehr spielstarker Typ und vor allem beidfüßig. Beim FC Bayern hast du auch schon öfter die Spielmacherrolle übernommen.

Deniz Yilmaz (lacht): Ich schieße sogar mehr Tore mit meinem etwas schwächeren linken Fuß. Ich weiß nicht wieso. Ich denke, weil ich da einfach nicht so viel Power drin habe. Da muss ich genauer schießen.

Welche Vereine waren sonst noch im Gespräch?

Deniz Yilmaz: Naja, ich habe mich nur mit Angeboten aus der Premier League und der Bundesliga beschäftigt. Diese beiden Ligen sind mir am wichtigsten. Vor Mainz war der 1. FC Nürnberg der große Favorit. Es war schon alles geklärt. Doch dann kam mir, wie so oft, eine Verletzung in die Quere. Damit war der sichere Wechsel geplatzt. Aus England waren die Blackburn Rovers, West Bromwich, Stoke City, Newcastle United und Blackpool an mir interessiert und zuletzt der FC Middlesbrough.



Du sprichst es an, dich haben schon öfter Verletzungen zurückgeworfen.

Deniz Yilmaz: Ja, das war bitter. Nürnberg ist auch ein toller aufstrebender Klub. Zum Glück konnte ich mich jetzt mit Mainz einigen. Vor der Verletzung waren die nämlich gar nicht im Gespräch. Ich bin froh, endlich zu wechseln. Nicht, weil ich es hier schlimm fand. Aber ich möchte endlich in der Bundesliga spielen. Und nachdem bereits ein Wechsel wegen der Ablösesumme gescheitert war, bin ich jetzt sehr erleichtert.

Wo sieht sich Deniz Yilmaz denn in ein paar Jahren? Kannst du dir vorstellen, irgendwann an die Säbener Straße zurückzukehren?

Deniz Yilmaz: Das ist schwer zu sagen. Aber ich habe noch viele Ziele. Und klar kann ich mir das vorstellen, irgendwann nach München zurückzukehren. Bayern ist ein großer Verein, bei dem man sich international oft beweisen kann. Das könnte sicherlich ein Wunsch von mir werden.